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Die größten Finanzbetrüger aller Zeiten: Robert L. Vesco

Betrug, Verschwörung, Drogenhandel – die Liste der kriminellen Taten von Robert L. Vesco ist lang. Der Mann, der vom Fließbandarbeiter zum Millionär wurde, ging als einer der meistgesuchten Betrüger der USA in die Geschichte ein – und hinterließ ein weiteres Geheimnis.

Die Börsenaufsicht beobachtete Vescos Treiben schon länger, bevor sie 1972 offiziell die Ermittlungen gegen ihn aufnahm. (Bild: Getty Images)
Die Börsenaufsicht beobachtete Vescos Treiben schon länger, bevor sie 1972 offiziell die Ermittlungen gegen ihn aufnahm. (Bild: Getty Images)

Das L. in Robert L. Vescos Namen steht für den Zweitnamen Lee – es könnte aber auch für Lebemann stehen, denn für diese Attitüde war Robert Vesco, der junge Mann aus Detroit, in den späten 1960ern und frühen 1970ern bekannt: in jedem Arm eine hübsche Frau, das Hemd leicht aufgeknöpft, eine Flieger-Sonnenbrille im Gesicht – und die Einstellung, dass sich alles im Leben kaufen lässt, wenn man nur genug Geld dafür hinlegt.

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Genug Geld hatte Robert Vesco allerdings nicht immer: Als Arbeitersohn aus Detroit schmiss er die Schule, arbeitete am Fließband und las und lernte nebenher viel über die Finanzwelt. Schrittweise versuchte er sich in ersten Investitionen, bis er Mitte der 1960er Jahre günstig die Holding ICC (International Controls Corporation) erwerben konnte. Und das war erst der Anfang: Drei Jahre später besaß das Unternehmen eine Fluggesellschaft und mehrere Fertigungsstätten, und der 30-jährige Vesco hatte Anteile im Gesamtwert von 50 Millionen US-Dollar.

IOS-Skandal und ein Koffer voll Geld

Das nicht immer ganz saubere Spiel mit Anlagen hatte es Robert Vesco angetan und so investierte der Millionär munter an der Wall Street, mal mehr, mal weniger riskant, doch immer gerissen und durchdacht. Seinen ersten Coup landete Vesco 1971 mit der getarnten Übernahme der Investment-Gesellschaft Investors Overseas Service (IOS) für gerade mal fünf Millionen US-Dollar, nachdem deren Finanzier Bernard Cornfeld mit der Börsenaufsicht SEC in Schwierigkeiten geraten war. IOS enthielt Anlagen im Wert von rund 400 Millionen Dollar – und Vesco, der sein Geld längst mit Briefkastenfirmen, zweifelhaften Kreditgeschäften und Wertpapierbetrug zu vermehren wusste, war ein gemachter Mann.

Robert Vescos Privatflugzeug hatte eine eigene Disco und einen Whirlpool. (Bild: Getty Images)
Robert Vescos Privatflugzeug hatte eine eigene Disco und einen Whirlpool. (Bild: Getty Images)

Die amerikanische Börsenaufsicht beobachtete Vescos Treiben schon länger, bevor sie 1972 wegen millionenfachen Betrugs offiziell die Ermittlungen gegen ihn aufnahm. Doch da war Robert Vesco, mittlerweile Besitzer eines Privatflugzeugs mit eigener Disco und Whirlpool, schon längst außer Landes und führte sein schillerndes Leben in der Karibik, wo er versuchte, sich durch weitere Investitionen ein Standbein und wachsenden Einfluss zu verschaffen.

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So ganz wollte sich der Millionär auf der Flucht jedoch nicht von dem Gedanken an eine Rückkehr in die USA verabschieden: Im Präsidentschaftswahlkampf 1972 ließ Vesco ganz unverblümt einen Koffer mit 200.000 US-Dollar an Richard Nixon überreichen – ein weiterer Strich auf der Liste seiner kriminellen Taten, wegen derer gegen Vesco ermittelt werden sollte.

Drogenhandel, Betrug und unerlaubte wirtschaftliche Aktivitäten

In den Folgejahren pendelte Vesco zwischen Costa Rica, den Bahamas, Antigua (wo er erfolglos versuchte, eine Insel zu kaufen und als souveränen Staat unter seiner Führung zu etablieren) und schließlich Kuba, wo er sich unter der Bedingung, sich nicht an Finanzgeschäften zu beteiligen, niederlassen konnte.

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Vesco heiratete, versuchte sich im Drogenhandel und erschloss sich bald ein neues Geschäftsfeld: Ein neues Wundermittel sollte das Land von Krebs, Aids und allen weiteren ernsthaften Krankheiten befreien.

1995 wurde Vesco zu 13 Jahren Haft verurteilt. (Bild: AFP)
1995 wurde Vesco zu 13 Jahren Haft verurteilt. (Bild: AFP)

1995 wurde Vesco wegen Betrugs, wirtschaftlicher Aktivitäten und „den wirtschaftlichen Plänen und Verträgen des Staates abträglichen Handlungen” zu 13 Jahren Haft verurteilt, die er vergleichsweise angenehm abgeschirmt in einer Einzelzelle absitzen sollte.

Vescos Tod – sein letztes Geheimnis

Ob Vesco wegen guter Führung oder seines schlechten gesundheitlichen Zustands (der Häftling litt an Lungenkrebs) vorzeitig entlassen wurde, ist nicht ganz klar – und auch sein Tod gibt Rätsel auf: Robert L. Vesco soll im November 2007 in Havanna an Lungenkrebs gestorben und auf dem dortigen Colon Cemetery beigesetzt worden sein. Sein früherer Partner Frank Terpil, ein früherer CIA-Agent und Informant der kubanischen Regierung, behauptete jedoch, Vesco sei nach Sierra Leone geflohen. Dieses letzte Geheimnis, ebenso wie der Verbleib seines Reichtums, wird wohl nicht gelöst werden.

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