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Die größten Produktflops: Apple Newton

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

26 Jahre ist es her, dass Apple mit dem Newton einen ziemlich revolutionären Taschencomputer auf den Markt brachte. Steve Jobs konnte das MessagePad aber genauso wenig leiden wie die Appleianer und setzte den dahindümpelnden Verkäufen schließlich ein jähes Ende.

Apple Newton MessagePad (Bild: Getty Images)

Nichts weniger als die Revolutionierung des Alltags hatte sich Apple 1993 von der Einführung seines stiftbasierten Computers im Taschenbuchformat versprochen, der mit 450 Gramm und Maßen von 203 x 101,5 x 30 Millimeter schon ein ziemlicher Klopper war. Aus heutiger Sicht freilich. Zur damaligen Zeit war das Gerät mit einem ARM-610-RISC-Prozessor, 20 MHz Taktfrequenz und 2,5 MB RAM schon ziemlich weit entwickelt. Weil der Bildschirm berührungsempfindlich war und der Computer eine lernfähige Handschriftenerkennung hatte, konnten Nutzer Texte auf dem Bildschirm verfassen.

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Die Schrifterkennung war das größte Problem

John Sculley, der damalige Apple-Chef, schwärmte 1993 bei der Weltpremiere in Boston: “Im Newton spiegelt sich das Zusammenwachsen von Computer, Kommunikation und Unterhaltungselektronik. In dieser neu entstehenden Industrie kommt dem Kommunikationsaspekt die Schlüsselrolle zu.“ Doch schon damals waren nicht alle restlos begeistert von dem Computer, der sich bei der Präsentation laut “Washington Post“ “etwas unkooperativ“ verhielt. Aus der geschriebenen Nachricht ‘Call Bob about meeting' machte das MessagePad ‘cell Bob about meexing', und auch der Aktienmarkt traute dem Ganzen nicht: Am Tag nach der Vorstellung stand der Apple-Kurs bei 59,75 Dollar und lag damit nur 25 Cent über demjenigen des Vortags.

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Mini-Computer der zugleich Adressbuch, Organizer und Kommunikationsgerät sein sollte (Bild: Getty Images)

Steve Jobs zog schließlich die Notbremse

Nicht zuletzt der stolze Verkaufspreis von 700 US-Dollar schraubte die Erwartungen an den Mini-Computer ziemlich hoch, der zugleich Adressbuch, Organizer und Kommunikationsgerät sein sollte. Eine integrierte Infrarotschnittstelle machte die Verbindung mit anderen Organizern möglich, bis zu 500 Termine konnten damit verwaltet werden. Als Steve Jobs Sculley 1997 als CEO ablöste, versuchte er noch, den von ihm wenig geliebten Newton auf die Sprünge zu helfen.

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Das Problem der mangelhaften Handschriftenerkennung wollte Jobs beheben, indem er mit dem Betriebssystem Newton OS 2.0 die Rosetta-Engine integrieren ließ. Anstatt die Schreibschrift des Nutzers zu entziffern, erkannte sie einzelne Buchstaben. Da Palm aber schon 1996 PDAs im Angebot hatte, die auf der Kurschrift Graffiti basierten, konnte Jobs das Ruder mit seiner Verbesserung nicht mehr herumreißen. Anfang 1998 teilte der Apple-CEO mit, die Entwicklungsarbeiten am Newton OS würden eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das Gerät nur knapp 300.000 Mal verkauft.

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