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Die fünf wichtigsten Nachrichten-Storys neben Corona

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 9 Min.

Im Jahr 2020 gab es auch große und weltbewegende Nachrichten, die nichts mit der Corona-Pandemie zu tun hatten. Hier sind die fünf wichtigsten (anderen) News-Story des Jahres.

Die globale Black Lives Matter-Bewegung stieß 2020 weltweite Rassismus-Diskussionen an. (Bild: REUTERS/Lawrence Bryant)
Die globale Black Lives Matter-Bewegung stieß 2020 weltweite Rassismus-Diskussionen an. (Bild: REUTERS/Lawrence Bryant)

1. US-Wahlen: Trumps Kampf ums Weiße Haus

Kaum eine andere News-Story prägte die mediale Berichterstattung zumindest in der zweiten Jahreshälfte so sehr, wie die Frage, ob Donald Trump sich für eine zweite Amtszeit im Weißen Haus würde halten können, oder ob der moderatere Joe Biden die Präsidentschaft nach nur vier Jahren für die Demokraten zurück erobern würde.

Aus einem fast unüberschaubar großen Bewerberfeld, zu dem von eher linken Kandidaten wie Bernie Sanders und Elisabeth Warren bis hin zu bis dato fast unbekannten Newcomern wie Pete Buttigieg die ganze Spannbreite der Demokraten vertreten war, trat am Ende Biden als Sieger hervor. Für viele demokratische Wähler war das eine Kompromissentscheidung. Weniger die Politik Bidens oder seine Erfahrung als Obamas Vize gaben den Ausschlag, sondern vielmehr, dass sie ihm zutrauten, das Schreckgespenst Trump aus dem Weißen Haus zu vertreiben.

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Trotz aller Gegenwehr: Die rechtmäßigen Sieger der US-Präsidentschaftswahl 2020 sind die Demokraten Joe Biden und Kamala Harris. (Bild: REUTERS/Carlos Barria)
Trotz aller Gegenwehr: Die rechtmäßigen Sieger der US-Präsidentschaftswahl 2020 sind die Demokraten Joe Biden und Kamala Harris. (Bild: REUTERS/Carlos Barria)

Zu nicht weniger als einem Richtungskampf, einer Endschlacht zwischen Gut und Böse wurde der Wahlkamp hochstilisiert – und zwar auf beiden Seiten. Dies führte nach der erwarteten Schlammschlacht und auch dank der denkbar schlechten Pandemie-Bewältigung der Trump-Regierung zu einem Sieg Bidens am 4. November. Was folgte, war ein beispielloser Versuch der Trump-Anhänger, die Wahl für ungültig erklären zu lassen. Selbst Wochen nach der durch zahlreiche Briefwahlstimmen langwierigen Auszählungen, ließen die Trump-Anwälte kein Mittel unversucht, Biden den Sieg strittig zu machen. Was zur Folge hatte, dass Trump selbst nach seiner Abwahl die Schlagzeilen dominierte, wie noch kein US-Präsident vor ihm.

2. Eine globale Bewegung: Black Lives Matter

Auch die zweite große News-Story des Jahres hatte ihren Ursprung in den USA. Der gewaltsame Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd Ende Mai in Minneapolis erschütterte die ganze Welt. Der grausame Tod durch die übermäßige Gewaltanwendung zweier Polizisten wurde gefilmt und verbreitete sich in Windeseile um den Globus. Die Bilder waren für viele schockierend und für manche lediglich die Manifestierung eines systematisch rassistischen Justiz-Systems. Weil die Tat gefilmt wurde und die letzten Worte Floyds „I can't breath“ („Ich kann nicht atmen.“) so eindrücklich waren, sorgte sein Tod für eine verstärktes Aufbegehren vieler Menschen gegen Polizeigewalt.

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Die antirassistischen Proteste gingen um den Globus. Auch in Deutschland, wie hier in Berlin, wurde demonstriert. (Bild: Steffi Loos/Getty Images)
Die antirassistischen Proteste gingen um den Globus. Auch in Deutschland, wie hier in Berlin, wurde demonstriert. (Bild: Steffi Loos/Getty Images)

Die schon länger aktive „Black Lives Matter“-Bewegung gewann zunächst in den USA und dann weltweit rasant an Mitstreitern. Die ließen sich auch von der Pandemie nicht vom Demonstrieren abhalten. Ob in vielen US-Metropolen oder europäischen Großstädten: Überall gingen Menschen zum Zeichen des Protests auf die Straße. Die Demonstrationen hielten den gesamten Sommer über an. In mehreren US-Städten wie Minneapolis und Portland gab es teils heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei und mit rechten Milizen, die sich schwer bewaffnet einfanden. Auch dieser auf die Straße getragene Kampf war ein Symbol der sich vertiefenden Risse in einem durch die Trump-Regierung gespaltenen Land. Die Folge war, dass auch im Präsidentschaftswahlkampf das Thema Polizeigewalt und Rassismus zentral wurden. Und, dass in vielen Ländern außerhalb der USA plötzlich lange überfällige Diskussionen über strukturellen Rassismus angestoßen wurden. Auch in Deutschland bekam das Thema Aufmerksamkeit, schwarze Stimmen waren präsent in den Medien, Bücher über Rassismus wurden zumindest kurzfristig zu Bestellern.

3. Boten des Klimawandels: Waldbrände und Heuschrecken

Während die Pandemie die weltweiten Nachrichten dominierte, hatten die Menschen in vielen Ländern zusätzlich mit weiteren existenziellen Bedrohungen zu kämpfen. Es waren bedrohliche Bilder, die aus Australien, Brasilien und von der US-Westküste in diesem Jahr um die Welt gingen. Alle drei Länder hatten mit Waldbränden zu kämpfen, die nicht mehr zu kontrollieren waren. Allein in Australien wurden bei den Buschfeuern laut einer Studie der Queensland University eine Milliarde Tiere getötet. Bis zum Februar verbrannten 17 Millionen Hektar Land, besonders betroffen waren die Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Auch im brasilianischen Amazonasgebiet gab es riesige Flächenbrände.

Viele davon entstanden durch illegale Brandrodung, die von der rechts-konservativen Regierung Bolsonaros kaum verfolgt wird. Der Aufschrei war groß, schließlich gehört der Amazonas als „grüne Lunge“ des Planeten zu den wichtigsten CO2-Speichern. Doch Bolsonaro ließ den Naturschützern und der Umweltbehörde sogar noch zusätzlich Gelder streichen. Die Konsequenzen: Ende Oktober zog die Behörde alle Einsatzkräfte von den Löscharbeiten der immer noch wütenden Brandherde ab. Allein im Oktober gab es mit über 90.000 Waldbränden mehr, als sonst im ganzen Jahr. Auch in den USA brachen mehrmals großflächige Waldbrände auf, am schwersten war der Bundesstaat Kalifornien betroffen. Hunderttausende Menschen mussten vor dem Feuer fliehen, in diesem Jahr sind bereits 16.100 Quadratkilometer Wald und Nutzland verbrannt.

Ein Mann vor der Kulisse des brennenden Amazonas-Regenwaldes im August in Apui, Brasilien. (Bild: REUTERS/Ueslei Marcelino)
Ein Mann vor der Kulisse des brennenden Amazonas-Regenwaldes im August in Apui, Brasilien. (Bild: REUTERS/Ueslei Marcelino)

Nachdem im Frühjahr bereits riesige Heuschreckenschwärme über den Ostteil des afrikanischen Kontinents gezogen waren und sich sogar bis nach Indien auszubreiten drohten, wiederholt sich im Winter die Plage nun im Süden Afrikas. Seit Monaten gelingt es nur marginal, die Insektenplage unter Kontrolle zu bringen, es fehlt Strategien und Pestiziden. Im Dezember waren mit Botswana, Namibia, Simbabwe, Sambia und Angola bereits fünf afrikanische Staaten schwer betroffen.

Die Insekten hinterlassen auf ihrem Zug über das Land ein Bild der Zerstörung. Ganze Landstriche werden abgefressen, die Lebensgrundlage von Bauern und Viehzüchtern komplett vernichtet. Das könnte schon bald zu einer neuen humanitären Katastrophe führen, in der für etwa 45 Millionen Menschen nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel existieren, schätzen Experten.

Dieser kenianische Farmer versucht verzweifelt, die Heuschrecken von seinem Feld fernzuhalten. (Bild: REUTERS/Baz Ratner)
Dieser kenianische Farmer versucht verzweifelt, die Heuschrecken von seinem Feld fernzuhalten. (Bild: REUTERS/Baz Ratner)

Beide Katastrophen sind keinesfalls nur Zufälle. Sowohl die grassierenden Busch- und Waldbrände, als auch die hemmungslose Ausbreitung der alles vernichtenden Heuschreckenschwärme sind eng mit den Veränderungen durch den Klimawandel verknüpft. Auch wenn die „Fridays for Future“-Bewegung durch die Pandemie etwas an Schwung verloren hat, scheint die Bedrohung langsam auch in den Köpfen der Verantwortlichen anzukommen. Zumindest versprach der neu gewählte US-Präsident Joe Biden eine Rückkehr zu einer verantwortungsvolleren Klimapolitik und auch die EU-Staaten einigten sich jüngst auf eine Verschärfung der Klimaziele.

4. Weißrussland: Der Anfang vom Ende der Diktatur

Nahezu seit dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1991 herrscht in Weißrussland Alexander Lukaschenko. Drei Jahre nach der Unabhängigkeit von der UDSSR übernahm Lukaschenko das Amt des Präsidenten und regiert das Land seitdem autoritär. Deshalb gilt Weißrussland vielen als die letzte Diktatur Europas. Doch in diesem Jahr ist das Regime arg ins Schleudern gekommen. Seit der Präsidentschaftswahl im August gibt es anhaltende Proteste und Demonstrationen. Diese wurde auch international kaum anerkannt, da Oppositionskandidaten verhaftet und die Stimmabgabe manipuliert wurde.

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Es waren vor allem viele mutige Frauen, die die Bilder der weißrussischen Demokratiebewegung prägten. (Bild: REUTERS/Evgenia Novozhenina)
Es waren vor allem viele mutige Frauen, die die Bilder der weißrussischen Demokratiebewegung prägten. (Bild: REUTERS/Evgenia Novozhenina)

Doch in diesem Jahr begehrte die weißrussische Bevölkerung gegen die autoritären Methoden auf. Vor allem die landesweiten Generalstreiks, an denen ab dem 13. August hunderttausende Arbeiter und Arbeiterinnen teilnahmen, setzten Lukaschenko unter Druck. Dieser antwortete mit massiver Gewalt und unzähligen Verhaftungen, unabhängige Beobachter berichteten von Todesopfern und Folterungen der Verhafteten. In der Propaganda fiel die von Putins Russland unterstütze Regierung in Zeiten des Kalten Krieges zurück. Die Demonstrierenden seien vom Westen gelenkt, ließ die regimetreue Presse vermelden. Oppositionspolitikerin Swjatlana Zichanouskaja sah sich gezwungen, das Land zu verlassen. Auch zum Ende des Jahres ließen die Proteste trotz aller Einschüchterungsversuche Lukaschenkos nicht nach. Ende November kündigte Lukaschenko eine neue Verfassung und seinen Rückzug an. Den Zeitpunkt ließ er allerdings noch offen, Experten vermuten, er wolle noch bis zur nächsten Wahl im Jahr 2025 an der Macht festhalten. Die Demokratiebewegung um Zichanouskaja wird wohl kaum bis dahin abwarten. Denn dieses Jahr hat ihnen gezeigt, dass die weißrussische Diktatur schwer angezählt ist.

5. Kobe und Diego: Abschied von zwei Riesen

Der Tod zweier Sportikonen waren traurige Nachrichten, die am Anfang und Ende des Jahres in allen Medien ihren Widerhall fanden. Zunächst verunglückte am 26. Januar der erst 41-jährige NBA-Superstar Kobe Bryant. Besonders tragisch war, dass neben dem ehemaligen Lakers-Star auch seine erst 13-jährige Tochter Gianna und sechs weiter Insassen mit ihm an Bord des Hubschraubers saßen. Keiner der acht Passagiere überlebte den Absturz in der Nähe von Los Angeles.

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Nicht nur in Los Angeles trauerten die Menschen um Kobe Bryant und seine Tochter Gigi. (Bild: REUTERS/Kyle Grillot)
Nicht nur in Los Angeles trauerten die Menschen um Kobe Bryant und seine Tochter Gigi. (Bild: REUTERS/Kyle Grillot)

Die Sportwelt war vom frühen Verlust der weltweit bekannten Ikone erschüttert. Sportler und Sportlerinnen aus allen Disziplinen zeigten ihre Trauer online, bei einer bewegenden Abschiedsfeier in der Arena der Lakers sprachen Michael Jordan und andere Sportgrößen unter Tränen über den verunglückten Weggefährten. Immer wieder sah man Athleten in diesem Jahr mit Gesten und Symbolen ihren Respekt für den fünffachen NBA-Champion und zweifachen olympischen Goldmedaillengewinner ausdrücken. Rund um den Globus entstanden Graffiti und Wandgemälde, die an das einzigartige Talent erinnerten.

Der zweite weltweit beachtete Todesfall des Jahres ereignete sich fast genau zehn Monate später. Am 25. November starb mit Diego Armando Maradona einer der größten Fußballer, den die Welt je gesehen hatte. Einen Monat zuvor hatte er noch seinen 60. Geburtstag gefeiert, kurz danach war er mit einem Gehirntumor in eine Klinik eingeliefert worden. Obwohl er die anschließende Operation angeblich gut überstanden hatte, starb er wenig später in Buenos Aires.

Ein Fan in Buenos Aires trauert vor dem Mural von Maradona am nach ihm benannten Stadion. (Bild: REUTERS/Ricardo Moraes)
Ein Fan in Buenos Aires trauert vor dem Mural von Maradona am nach ihm benannten Stadion. (Bild: REUTERS/Ricardo Moraes)

Das ganze Land wurde von einer Trauerwelle überschwemmt. Hunderttausende wollten vom aufgebahrten Leichnam Maradonas im argentinischen Regierungspalast Abschied nehmen. Doch nicht nur die Argentinier, denen er 1986 ihren zweiten Weltmeister-Titel beschert hatte, waren zutiefst erschüttert. Besonders in seiner Wahlheimat Neapel, in der er seine größte fußballerische Zeit erlebt hatte, trauerte man um die Legende. Auch wenn das Leben nach seiner aktiven Karriere von Skandalen, Gesundheits- und Drogenproblemen geprägt war, wurde nach seinem Tod deutlich, welche Bedeutung der geniale Linksfuß für viele Menschen hatte. Er selbst hatte in einem seiner letzten Interviews mit dem argentinischen Clarín gesagt, er sei sich nicht sicher, ob die Menschen ihn noch lieben würden. Die weltweite Trauer nach seinem Tod war ein unmissverständlicher Gegenbeweis.

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