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Die dreistesten Mogelpackungen des Jahres 2022

Preiserhöhungen im Lebensmittelhandel ärgern Verbraucher vor allem dann, wenn sie versteckt vonstattengehen. Leider haben auch in 2022 viele Hersteller in die Trickkiste gegriffen. Die dreistesten Mogelpackungen des Jahres gibt’s hier im Rückblick.

Auch in 2022 gab es bei vielen Lebensmitteln versteckte Preiserhöhungen. (Bild: Getty Images)
Auch in 2022 gab es bei vielen Lebensmitteln versteckte Preiserhöhungen. (Bild: Getty Images)

Schoko-Weihnachtsmänner verlieren an Gewicht, werden aber in eine neue, raffinierte Verpackung gehüllt, damit sie größer wirken; Käsescheiben sind plötzlich dünner als zuvor; Chips-Tüten werden mit Luft aufgepumpt, damit es nicht auffällt, dass weniger drin ist – Beispiele wie diese gibt es leider häufig im Lebensmittelhandel.

Scharf beobachtet wird solches Vorgehen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die führt seit vielen Jahren eine Mogelpackungsliste, veröffentlicht regelmäßig versteckte Preiserhöhungen und weist auf Produkte hin die Füllmengenreduzierungen – auch "Shrinkflation" genannt – zum Opfer gefallen sind.

Wahl der Mogelpackung des Jahres im Januar

Im Januar wird bei der Verbraucherzentrale traditionell die Mogelpackung des Jahres aus dem vorangegangenen Jahr gewählt. Verbraucher können dann per Online-Abstimmung entscheiden, über welche versteckte Preiserhöhung sie sich am meisten geärgert haben.

Ende Januar 2022 stand das Ergebnis für 2021 fest: Saucen der Homann Feinkost GmbH bekamen den Negativ-Preis. Betroffen waren fünf Saucen-Sorten des Herstellers, wie etwa Paprika Sauce, Paprika Sauce Balkan Art und Champignon Sauce.

Ende Januar 2022 stand fest: Die Mogelpackung des Jahres 2021 geht an Homann. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Ende Januar 2022 stand fest: Die Mogelpackung des Jahres 2021 geht an Homann. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Homann hatte im Rahmen einer Designänderung und Umbenennungen einiger Saucen (aus Jägersauce wurde z.B. Champignon Sauce) den Inhalt der Saucen-Gläser von 500 Millilitern auf 400 Milliliter geschrumpft. Zusätzlich stiegen die Verkaufspreise im Handel von 99 Cent auf teils 1,49 Euro. Verbraucher zahlen nun 88 Prozent mehr.

Erste Mogelpackung in 2022 kam von Hochland

Als Dauer-Mogelpackung bezeichnete die Verbraucherzentrale im März die Käsesorten der Marke Grünländer von Hochland und machte auf ihrer Facebook-Seite auf die erneuten versteckten Preiserhöhungen des Herstellers aufmerksam.

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Grund: Bereits zum vierten Mal in den vergangenen zehn Jahren ist der Inhalt in den Käsepackungen geschrumpft. Von ehemals 200 Gramm sind mittlerweile nur noch 140 Gramm übrig, manche Sorten enthalten sogar nur noch 130, beziehungsweise 120 Gramm. Damit wurde Hochlands Käse über die Jahre 67 Prozent teurer.

"Liegen von der Marke ,Grünländer Käse‘ bald nur noch leere Verpackungen in der Kühltheke? Es scheint fast so: Hochland hat die Füllmenge seiner Käsesorten schon wieder reduziert. Seit 10 Jahren schon wird der Inhalt immer weniger und weniger. Bald ist nichts mehr da zum Schrumpfen!", so die Verbraucherschützer im März.

Erste Mogelpackung des Monats im April

Fast jeden Monat landen zahlreiche Lebensmittel auf der Mogelpackungsliste. Wenn eine versteckte Preiserhöhung besonders unverschämt ist, vergibt die Verbraucherzentrale Hamburg den Titel Mogelpackung des Monats.

Das erste Mal in 2022 kam das im April vor. Stapelchips der Marke Pringles bekamen den Negativ-Preis für Füllmengenreduzierungen. Hersteller Kellogg hatte den Inhalt der Dosen von 200 Gramm auf 185 Gramm geschrumpft.

Gleichzeitig hatte der Handel den Preis von 2,59 Euro auf 2,79 Euro erhöht, wie die Verbraucherschützer etwa bei Lidl und Penny feststellten. Insgesamt machte das bei den Pringles Chips eine gesalzene Verteuerung von 17 Prozent, alle Sorten des Snackprodukts waren betroffen.

Negativ-Preis für Chips der Marke Pringles.
(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Negativ-Preis für Chips der Marke Pringles. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Besonders ärgerlich für Verbraucher: An der Größe der Dosen war kein Unterschied zu erkennen, nur wer in die Röhre guckte oder vorher im Kleingedruckten die Füllmenge kontrollierte, konnte der Inhaltsreduzierung auf die Spur kommen.

Beim Hersteller Kellogg ist dieses Vorgehen offensichtlich kein Einzelfall. "Mindestens fünfmal haben die Hersteller der Pringles Chips Verbraucherinnen und Verbraucher bislang mit Füllmengenänderungen hinters Licht geführt", erklärt die Verbraucherzentrale.

Auf Nachfrage erklärte Kellogg: " (…) Hin und wieder passen wir unsere Verpackungsgrößen und -formate an, um sicherzustellen, dass wir die richtige Packungsgröße für die unterschiedlichen Vertriebskanäle und Essgewohnheiten der Verbraucher:innen haben. (…)"

Überraschende Mogelpackung des Monats im Mai

Der Negativ-Preis Mogelpackung des Monats geht an Müsli Bircher der Lidl-Eigenmarke Crownfield, vermeldete die Verbraucherzentrale im Mai. Grund: Die Dose, in der das Müsli verpackt wurde, war nur ungefähr zur Hälfte gefüllt. Da würden Verbraucher beim Kauf doch deutlich mehr erwarten, so die Verbraucherschützer.

Da so eine Luftpackung nicht nur ärgerlich, sondern laut Lebensmittelinformationsverordnung auch nicht irreführend sein darf, mahnte die Verbraucherzentrale Lidl im Februar dieses Jahres ab und forderte den Discounter auf, das Müsli in dieser Aufmachung nicht weiter zu verkaufen. Weil der Discounter der Aufforderung nicht nachkam, reichte die Verbraucherzentrale beim Landgericht Stade Klage gegen den Discounter ein.

Während das Urteil noch ausstand, fanden die Verbraucherschützer plötzlich eine schöne Überraschung im Lidl-Regal. Bei Kontrollen stellten sie fest, dass in der gleichen Dosengröße plötzlich 470 Gramm Müsli abgefüllt sind. Das sind fast 20 Prozent mehr Inhalt. Am Preis hatte Lidl aber nichts gedreht, so dass Kunden nun sogar 15 Prozent weniger für das Müsli zahlen.

Ende gut – alles gut und die Verbraucherzentrale Hamburg meint: "Warum denn nicht gleich so, Lidl?"

Margarine-Hersteller "sahnt kräftig ab"

Für viele Beschwerden bei der Verbraucherzentrale sorgte im Sommer der niederländische Lebensmittelhersteller Upfield mit seinen Margarine-Marken Rama, Sanella, Becel und Lätta.

Noch nie seien so viele Beschwerden zu einer Mogelpackung in so kurzer Zeit eingegangen, wie im Falle von Rama, berichten die Verbraucherschützer.

Grund: Statt 500 Gramm sind plötzlich nur noch sind nur noch 400 Gramm im Becher. Der Preis blieb aber konstant bei 2,19 Euro. Damit kostet die Margarine nun satte 25 Prozent mehr. Besonders dreist fand die Verbraucherzentrale, dass die Dose für die Margarine gleich groß geblieben ist: "Damit täuscht Upfield aus unserer Sicht mehr Inhalt vor, denn in die Packung schauen kann man vor dem Kauf natürlich nicht."

Auch bei seinen Streichfett-Marken Sanella, Lätta und Becel hatte der Hersteller Upfield die Inhalte reduziert. Je nach Produkt bewegten sich die Preiserhöhungen zwischen 11 und 25 Prozent.

Die Preisentwicklung bei Rama in den letzten Jahren. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Die Preisentwicklung bei Rama in den letzten Jahren. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Auf Nachfrage der Verbraucherzentrale begründete Upfield die Preiserhöhungen mit " (...) dramatischen Kostensteigerungen in unserer gesamten Lieferkette, einschließlich unserer Rohstoffe (...)".

Auch auf ihrer Facebook-Seite machte die Verbraucherzentrale auf den Fall aufmerksam und erklärte: "Der Hersteller Upfield sahnt mal wieder kräftig mit Rama ab!"

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Calgon 42 Prozent teurer

Gleiche Füllmenge, gleicher Preis, mehr Wäschen möglich und trotzdem 42 Prozent teurer – im September wählte die Verbraucherzentrale den neuen Calgon Wasserenthärter zur Mogelpackung des Monats.

Ganz so leicht zu durchschauen war die Mogelei jedoch nicht. Denn in der neuen Packung des Calgon Power Pulvers stecken wie in der alten 1500 Gramm Füllmenge. Auch der Preis blieb gleich. Bei Rossmann etwa kostete das Produkt nach wie vor 8,99 Euro. Und für mehr Waschladungen soll der neue Wasserenthärter außerdem reichen – 50 statt 46 Waschladungen sollen nun möglich sein. Auf den ersten Blick sah es nicht nach einer versteckten Preiserhöhung aus.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Aber die Verbraucherschützer fanden heraus, dass der Hersteller sein Pulver offensichtlich "verdünnt" hat, wie auch ein Blick auf die Dosierungsempfehlung des neuen Produkts zeigt. Demnach soll bei hartem Wasser nun 30 Gramm Pulver statt wie zuvor 21 Gramm verwendet werden. "Legt man das auf die Waschladungen um, so sind in der Konsequenz nur noch 50 statt 71 Wäschen pro Packung möglich. Das sind rund 30 Prozent weniger. Unterm Strich entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von 42 Prozent!", rechnet die Verbraucherzentrale vor.

Und um das Verwirrspiel komplett zu machen: Auf der alten Packung standen statt 71 Waschladungen nur 46, weil der Hersteller dies auf "sehr hartes Wasser" bezogen hat, beim neuen Produkt aber die Waschladungen für "hartes Wasser" auf der Schauseite herausstellt.

Hersteller Reckitt Benckiser begründete die Änderung mit einer neuen, verpflichtenden EU-Richtlinie. Dem stimmte die Verbraucherzentrale zu, blieb aber dabei: "Trotzdem hat der Konzern das Pulver ‚verdünnt‘."

Funny Frisch, Chio Chips und Ültje – 30 Snack-Produkte teurer

"Chips von Intersnack: Gar nicht Funny", titelte die Verbraucherzentrale Hamburg im November auf ihrer Internetseite. Grund waren die versteckten Preiserhöhungen des Chips-Herstellers in den letzten Monaten. Intersnack hatte nicht nur die Füllmengen für ein Produkt reduziert, sondern gleich zu einem Rundumschlag ausgeholt. Kunden zahlen seitdem für die Produkte bis zu 25 Prozent mehr.

Der Negativ-Preis Mogelpackung des Monats November ging deshalb an die Chips der Marke Funny-Frisch. Der Inhalt der Chipsfrisch-Tüte wurde von 175 Gramm auf 150 Gramm geschrumpft. Bei gleichem Preis von 1,79 Euro macht das eine versteckte Preiserhöhung von 17 Prozent.

Chips von Funny Frisch wurden in 2022 bis zu 25 Prozent teurer. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Chips von Funny Frisch wurden in 2022 bis zu 25 Prozent teurer. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Bei der Großpackung sind nun 35 Gramm weniger drin, was einer Preiserhöhung von 16 Prozent entspricht. Bei der Kleinpackung ist der Preisanstieg mit 25 Prozent am höchsten, ihr Inhalt wurde von 50 Gramm auf 40 Gramm reduziert.

Intersnack begründete die Preiserhöhung mit "enormen Kostensteigerungen" in allen Bereichen. Für die Verbraucherzentrale keine zufriedenstellende Begründung: "Leider erklärt die Firma nicht konkret, wie hoch die Kostensteigerungen in welchen Bereichen momentan tatsächlich sind. Normalerweise schließen Industrieunternehmen nämlich längerfristige Verträge mit ihren Energielieferanten oder Lieferanten ab, in denen sie feste Preise für einen bestimmten Zeitraum vereinbaren."

Ob es auch im Dezember 2022 noch eine Mogelpackung des Monats gibt, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Eine vollständige Liste aller Produkte, bei denen es in 2022 versteckte Preiserhöhungen gab, finden Sie hier auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg

VIDEO: Snack-Fail: Das ist die Mogelpackung des Monats November