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Nach DHDL-Auftritt: Gehörlose kritisieren Gebärden-Buch von Talking Hands

·Lesedauer: 3 Min.
Maria Möller (l.) und Laura Mohn haben Talking Hands als Uniprojekt ausgegründet.
Maria Möller (l.) und Laura Mohn haben Talking Hands als Uniprojekt ausgegründet.

Ihr Auftritt in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ endete nicht wie erwartet für die Erfinderinnen von Talking Hands. Maria Möller und Laura Mohn haben vor zwei Jahren Daumenkinos auf den Markt gebracht, wobei jedes Buch einen Begriff in Gebärdensprache visualisiert.

Seinen DHDL-Pitch startete das Gründerinnenduo daher thematisch passend mit Gebärden: „Guten Abend Löwen" stellten sie mit ihren Händen dar. Für 15 Prozent ihrer Anteile wollten sie 100.000 Euro haben – legten damit eine Bewertung von knapp 670.000 Euro zugrunde. Die DHDL-Juroren waren begeistert von dem Projekt, sahen darin aber „keinen Investmentcase“, wie etwa Carsten Maschmeyer sagte. Eine Beteiligung gab es am Ende nicht, Dagmar Wöhrl, Maschmeyer, Judith Williams und Georg Kofler spendeten jeweils 10.000 Euro, um Talking Hands dennoch fördern zu können.

Hunderte stimmen der Kritik zu

Der Gehörlosen-Gemeinschaft war der finanzielle Teil-Erfolg egal. Auf Twitter kritisierten Betroffene, dass die gezeigten Gebärden in den Daumenkinos und in ihrem Pitch nicht korrekt seien. „Die beiden beherrschen keine #Gebärdensprache. Das erklärt auch, warum in den Büchern falsch ausgeführte Gebärden stehen“, schreibt etwa Julia Probst. Die Bloggerin erreichte 2010 Aufmerksamkeit, weil sie während der Fußball-WM Worte von den Lippen der Spieler und Trainer ablas und veröffentlichte. So erfuhren ihre Follower mehr Details über die Strategie und Reaktionen als über den TV-Bildschirm. Auf Twitter lesen knapp 50.000 Nutzerinnen und Nutzer die Beiträge der Aktivistin mit. Ihre Tweets über Talking Hands zählen derzeit über 500 Likes und 150 Retweets.

https://twitter.com/EinAugenschmaus/status/1452871214909771780

Auch Benedikt Sequeira Gerardo äußert sich auf Twitter negativ über die Daumenkinos von Talking Hands. Sequeira Gerardo ist taub, arbeitet als Gebärdendolmetscher und Blogger. „Stell dir mal vor: Du zeigst eine Zeichnung von einem Haus und schreibst aber ,Maus‘ (heißt anders) oder ,Kaus‘ (falsch) auf. Das machen die #TalkingHands bei manchen Darstellungen“, twittert er. Er habe die Gründerinnen vor langer Zeit deswegen darauf hingewiesen, schreibt er weiter. Die Darstellungen hätten sich seitdem verbessert, zufrieden sei er dennoch nicht.

„Riesengroßes Missverständnis“

„Das ist ein riesengroßes Missverständnis“, sagen Maria Möller und Laura Mohn, die Köpfe hinter Talking Hands, im Gespräch mit Gründerszene. Sie würden keine Gebärdensprache abbilden, sondern gebärdenunterstützende Kommunikation. Das werde auf ihrer Website deutlich, in dem Ausschnitt der TV-Show jedoch nicht. Der Fokus ihres Startups liege nicht auf gehörlosen Menschen, sondern auf Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung, die sich verbal nicht ausdrücken können, vor allem solche mit Down-Syndrom. Das bedeutet, mit den Begriffen aus den Daumenkinos lasse sich keine Sprache erlernen, sondern nur Wortcluster wie etwa „Trinken“, „Jacke anziehen“ oder „Mama“, sagt Mohn. Auf diese Weise werde die Lautsprache unterstützt oder gar erlernt.

Die Idee sei den Gründerinnen gekommen, da Mohns Schwester das Down-Syndrom habe und die Familie sich mit gebärdenunterstützender Kommunikation unterhalte. „Die deutsche Gebärdensprache ist viel komplexer“, sagt Möller. „Die können wir nicht perfekt und das haben wir auch nie behauptet.“

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