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Deutschland ist auf die wirtschaftliche Erneuerung nach der Pandemie schlecht vorbereitet

Riecke, Torsten
·Lesedauer: 3 Min.

Die Bundesrepublik ist laut einem Report des World Economic Forum schlecht für die wirtschaftliche Transformation gerüstet. In keiner Kategorie schafft sie es auf die vorderen Plätze.

Deutschlands Image als Musterschüler bekommt gerade viele Kratzer. Die Deutschen scheinen nicht nur ihren Vorsprung bei der Bekämpfung der Pandemie verspielt zu haben, auch die Vorbereitungen auf die wirtschaftliche Erneuerung nach der Coronakrise gehen im internationalen Vergleich eher schleppend voran.

Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Sonderausgabe des „Global Competitiveness Report“, der jedes Jahr vom World Economic Forum (WEF) herausgegeben wird.

Zwar verzichtet das WEF angesichts der Pandemie in diesem Jahr auf das übliche Ranking der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften. Die Forscher aus Genf haben sich dafür jedoch angeschaut, wie gut 37 Länder dafür gerüstet sind, erfolgreich aus der Coronakrise zu kommen. Kein Land überwinde die Pandemie unbeschadet, konstatieren die WEF-Analysten.

Dennoch gebe es Unterschiede. Und die dürften Berlin besorgen: In keinem der insgesamt elf untersuchten Wettbewerbsparameter schafft es Deutschland unter die Top drei.

Am besten schneidet die Bundesrepublik noch ab, wenn es darum geht, das Arbeitsrecht und den sozialen Schutz für Wirtschaft sowie neue Bedürfnisse der Arbeitskräfte zu überdenken. Bei den meisten anderen Kategorien findet man Deutschland unter „ferner liefen“ im oberen Drittel oder im Mittelfeld.

Die mangelnde Digitalisierung bleibt die Achillesferse der deutschen Wirtschaft

„Insbesondere bei der Einführung digitaler Technologien muss Deutschland noch aufholen“, sagte Saadia Zahidi, Managing Director beim WEF und eine der Autorinnen des Reports. Nicht nur bei der Markteinführung digitaler Produkte, sondern auch bei digitalen Fertigkeiten der Arbeitskräfte ist die deutsche Wirtschaft weit abgeschlagen.

Wenn es um die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und um den gesetzlichen Rahmen für die Digitalwirtschaft geht, schafft Deutschland es immerhin noch unter die Top Ten.

Das Ergebnis deckt sich mit anderen Untersuchungen zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit wie dem „Digital Riser Report“ des European Center for Digital Competitiveness (ESCP). Dort verlor Deutschland zwischen 2017 und 2019 mehr als 50 Ränge.

Die Quittung für die schleppende Digitalisierung – zum Beispiel der Schulen – zeigt sich jetzt in der Pandemie. Nach Ende der Krise im kommenden Jahr wird der Wettbewerb nach Meinung des WEF gerade in der digitalen Wirtschaft noch härter werden.

Skandinavier liegen vorn

Wesentlich besser vorbereitet sind skandinavische Länder wie Finnland, aber auch die Schweiz, die USA und Südkorea können punkten.

„Länder mit fortschrittlichen Digitalwirtschaften und digitalen Kompetenzen sind erfolgreicher dabei, ihre Wirtschaft am Laufen zu halten, während ihre Bürger im Homeoffice arbeiten. Die Niederlande, Neuseeland, die Schweiz, Estland und die Vereinigten Staaten von Amerika haben in diesem Bereich gut abgeschnitten“, bilanziert der WEF-Bericht.

Zu einer guten Resilienz gehöre aber auch eine ausreichende soziale Absicherung, um all jene zu unterstützen, die während der Lockdowns nicht arbeiten könnten. Zudem habe sich gezeigt, dass Länder mit früheren Pandemieerfahrungen wie Singapur und Südkorea die Seuche verhältnismäßig gut eindämmen könnten.

Die Pandemie hat in vielen Ländern nicht nur dazu geführt, dass das Wirtschaftswachstum eingebrochen ist. „Die Einkommens- und Jobverluste haben insbesondere die sozial Schwächeren der Gesellschaft getroffen und so die Ungleichheit verstärkt“, betonte Zahidi. Außerdem habe die Marktkonzentration quer durch alle Wirtschaftszweige zu- und der Wettbewerb abgenommen.

Marktkonzentration hat in der Pandemie zugenommen

Nach Meinung der WEF-Ökonomin haben die meisten Regierungen inzwischen erkannt, dass es keine Rückkehr zur Zeit vor der Pandemie geben wird. „Jetzt kommt es darauf an, dass dieser Erkenntnis auch konkrete Taten folgen“, sagte Zahidi und forderte insbesondere, den gesetzlichen Rahmen für die Digitalwirtschaft zu modernisieren und die Ausbildungsanstrengungen zu erhöhen. Außerdem brauche es aufseiten der Investoren mehr Geduld, damit neue Technologien sich an den Märkten auch durchsetzen könnten.

„Wir ermutigen die politischen Entscheidungsträger seit Langem, ihren Blickwinkel zu weiten und nicht nur auf kurzfristiges Wachstum zu schauen, sondern auf langfristigen Wohlstand. Der Einsatz für den Umbau unserer Wirtschaftssysteme könnte gar nicht höher sein“, meinte Klaus Schwab, WEF-Gründer und geschäftsführender Vorsitzender des Forums.