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Deutschland weltweit unter den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten

Der Klimawandel macht sich immer stärker bemerkbar – und trifft immer häufiger die großen Industrienationen. Ein Hauptleidtragender: Deutschland.

Gerade Dürre und Stürme belasten Deutschland. Foto: dpa

Deutschland gehört zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit. Das ist das Ergebnis des Klima-Risiko-Indexes, der am Mittwoch auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt wurde.

Wie die Übersicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zeigt, forderten die Hitzewellen im Jahr 2018 in Deutschland mehr als 1200 Todesopfer und verursachten in Kombination mit der Rekorddürre Schäden in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro.

Insgesamt verzeichnete Deutschland 2018 rund 4,5 Milliarden Euro Schäden durch Wetterextreme, vor allem die Orkantiefs „Friederike“ im Januar und „Fabienne“ im September verursachten hohe Schäden. 2017 hatte Deutschland mit 27 Todesopfern auf Platz 40 gelegen. Nur Japan und die Philippinen waren im vergangenen Jahr noch stärker von Extremwetter betroffen als Deutschland, gefolgt von Madagaskar, Indien und Sri Lanka.

„Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunehmen – sie treffen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan“, sagt Maik Winges, einer der Autoren des Indexes. Folgen von Extremwetter wie Dürren, Überflutungen oder Hitzewellen führten auch hierzulande zu Todesopfern und großen Schäden. Im Vergleich seien aber die ärmsten Staaten der Welt noch größeren Risiken ausgesetzt. „Vor allem, weil sie bisher kaum Hilfe für erlittene Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels bekommen.“

Der Index wird jährlich überarbeitet und zeigt für das Vorjahr und die vergangenen 20 Jahre, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen und Dürren betroffen sind. Als Basis dienen vor allem die Datenbank des weltweit größten Rückversicherers Munich Re sowie demografische und wirtschaftliche Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bei der Bezifferung der Schäden wird die von Land zu Land teilweise sehr unterschiedliche Kaufkraft berücksichtigt.

Kaum Chancen zum Wiederaufbau

Der Langfrist-Index über die Jahre 1999 bis 2018 zeigt, dass sieben der zehn am stärksten betroffenen Staaten Entwicklungsländer mit niedrigem oder geringem mittleren Einkommen sind. Puerto Rico, Myanmar und Haiti sind die am massivsten heimgesuchten Regionen.

Die Insel Puerto Rico ist ein Beispiel für die wachsende Zahl von Staaten, in denen ein einziger verheerender Hurrikan so massive Schäden hinterlässt, dass weite Landesteile viele Jahre für den Wiederaufbau brauchen. Daneben gibt es aber noch einen weiteren Trend: „Wir beobachten in Ländern wie Haiti, den Philippinen oder Pakistan in so kurzen Abständen wiederkehrende extreme Wetterlagen, dass diese Länder kaum Gelegenheit haben, sich nach Wetterkatastrophen zu erholen“, sagt Studien-Autorin Vera Künzel.

„Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass arme Länder nicht nur bei der Anpassung an den Klimawandel, sondern auch bei nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten Unterstützung von den Hauptverursachern des Klimawandels erhalten“, sagt Künzel. Der Klimagipfel in Madrid müsse deswegen Antworten finden auf die Frage, wie der Umfang der benötigten Unterstützung für arme Länder regelmäßig ermittelt wird und wie dann die benötigten finanziellen Hilfen aufgebracht werden.

Der Umgang mit Schäden und Verlusten ist ein ständiges Streitthema in den internationalen Klimaverhandlungen – auch während der zweiwöchigen Konferenz in Madrid. Derzeit finden vor allem technische Verhandlungen über das Regelwerk des Pariser Klimaabkommens statt.

Das Abkommen war Ende 2015 in der französischen Hauptstadt beschlossen worden und soll die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzen, um die schlimmsten Folgen einer ungebremsten Klimaerwärmung zu verhindern. Das Ziel ist überaus ehrgeizig: Schon jetzt hat sich die Erde im vorindustriellen Vergleich um ein Grad erwärmt.