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„Deutschland rocks“ – Elon Musk will in Gigafactory in Grünheide „coole Autos“ bauen

·Lesedauer: 5 Min.

Der Tech-Pionier hat die Baustelle für die vierte Tesla-Gigafactory nahe Berlin besucht – und angekündigt, dort eine neue Version des Model Y zu bauen.

GRUENHEIDE, GERMANY - SEPTEMBER 03: Tesla head Elon Musk talks to the press as he arrives to to have a look at the construction site of the new Tesla Gigafactory near Berlin on September 03, 2020 near Gruenheide, Germany. Musk is currently in Germany where he met with vaccine maker CureVac on Tuesday, with which Tesla has a cooperation to build devices for producing RNA vaccines, as well as German Economy Minister Peter Altmaier yesterday. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)
Hoher Besuch in Berlin: Elon Musk (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Kommt er, oder kommt er nicht? Das war auch am Donnerstag die Frage, nachdem Tesla-Chef Elon Musk schon am Vortag auf dem Gelände der vierten Gigafactory des US-Autobauers in Brandenburg erwartet worden war. Fans und Gegner positionierten sich gegenüber der Großbaustelle, am Ende vergeblich.

Doch am Donnerstag ist es so weit. Bei bestem Wetter kommt der 49-jährige Unternehmer in einer schwarzen Limousine nach Grünheide gefahren – das erste Mal überhaupt, dass sich der Tesla-Chef vor Ort über den Fortgang der Bauarbeiten informiert.

Um 12.30 Uhr betritt er die Baustelle – mit schwarzem Sakko, weißem Oberhemd und ohne Krawatte. „Deutschland rocks“, ruft er den wartenden Journalisten entgegen. „Wir freuen uns sehr, hier zu sein. Ich denke, dies ist ein idealer Ort, um die erste Gigafactory in Europa zu bauen.“

Tesla wolle „einen großartigen Platz zum Arbeiten schaffen“, sagte Musk. Er betonte das rasante Tempo des Baus auf dem Gelände nahe der Autobahn A 10. „Sie sehen, wie schnell der Fortschritt ist.“ Das sei möglich wegen des Einsatzes von Fertigbau in hoher Qualität.

Er wolle dort „coole Autos“ herstellen lassen. „Die Berliner Lackfabrik wird die fortschrittlichste Lackfabrik aller Autofabriken weltweit sein.“

Musk sagte, er wolle in Brandenburg eine neue Version des Model Y bauen und dabei die klassische Art der Autoproduktion hinter sich lassen. „Es ist nicht nur eine Kopie des Model Y, es ist ein radikaler Neuentwurf der Technologie, wie ein Auto gebaut wird“ erklärte Musk in einem Video, das am Donnerstag auf der Fan-Webseite „Teslarati“ veröffentlicht wurde. „Es wird das erste Mal sein, dass es eine Transformation der wesentlichen Fahrzeugstruktur geben wird. Das ist eine ziemlich große Sache. Sowohl die Herstellung, die Konstruktion als auch das Design“, sagte Musk

Am Mittwoch hatte Musk bereits in Berlin unter anderem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) getroffen. Woidke sprach später von einem „angenehmen und konzentrierten Gespräch“.

Tesla: Folgt auf die Jahrhundertrally die Vollbremsung?

Elon Musk sei mit allen Details der Gigafabrik Grünheide befasst. Das Tesla-Projekt im brandenburgischen Grünheide schreite zügig voran. „Aber vor uns steht noch viel Arbeit.“ Woidke bekräftigte das Ziel, dass im Sommer 2021 die ersten Elektroautos vom Band rollen sollen. Später sollen hier bis zu 500.000 Fahrzeuge produziert werden.

Musk kündigte eine große Eröffnungsparty im kommenden Jahr an. „Ich hoffe, Sie können alle kommen“, sagte er. Der Tesla-Chef ging auch auf die Kritik am Wasserbedarf für die neue Fabrik ein.

Er sei sich bewusst, dass es „einige Probleme“ gebe. „Aber ich denke, wir sind nicht in einer trockenen Region“, fügte er hinzu. Die Bäume im Umfeld des Werksgeländes „würden hier nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe“, meinte er. Gleichwohl sei er „definitiv offen für Kritik“. Wenn jemand Ideen habe, solle er sie mitteilen. „Wir werden zuhören.“

Bauen auf eigene Gefahr

Kritik an dem Projekt kommt etwa von der Ökologischen Demokratischen Partei (ÖDP), die am Mittwoch auch eine Reihe von Einwendungen zum Tesla-Werk in Grünheide eingereicht hat. Das eigentliche Genehmigungsverfahren sei so stark durch die zwischenzeitlich vorab erteilten einzelnen Zulassungen überlagert, dass eine unvoreingenommene Prüfung der Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens durch die beteiligten Verwaltungsbehörden aufgrund des erzeugten Genehmigungsdrucks nicht mehr möglich erscheine, heißt es in einer Mitteilung.

Ein Blick auf die Tesla-Baustelle und die dort in buchstäblich überwältigendem Tempo entstandenen und entstehenden Werkhallen und Anlagenteile lassen diesen Genehmigungsdruck unmittelbar spürbar werden, heißt es weiter.

Die endgültige umweltrechtliche Genehmigung für das Milliardenprojekt durch das Land Brandenburg steht noch aus. Tesla baut über vorab erteilte Einzelgenehmigungen der Behörden nach Paragraf 8a des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, jedoch auf eigenes Risiko.

Demnach ist die Zulassung eines vorzeitigen Baubeginns gesetzlich möglich, wenn „mit einer Entscheidung zugunsten des Antragstellers gerechnet werden kann“ und ein „öffentliches Interesse des Antragstellers an dem vorzeitigen Beginn besteht“. Der Antragsteller ist jedoch verpflichtet, alles zurückzubauen und die auf dem Gelände verursachten Schäden zu ersetzen, wenn das Vorhaben am Ende nicht genehmigt wird. Zuletzt gab das Brandenburger Landesumweltamt grünes Licht für das Fundament und den Rohbau.

Die ÖDP, die Bedenken in Bezug auf die ökologische Verträglichkeit des Projekts hat und die Unvollständigkeit von Umweltgutachten und -prüfungen kritisiert, wirft Tesla einen „künstlich aufgebauten Zeitdruck vor“ und spricht von einem vollständig entwerteten Genehmigungsverfahren. „Wie soll es der Behörde bei diesem Verfahrensstand noch möglich sein, die Entscheidung über die Anlagengenehmigung genauso unvoreingenommen zu treffen, wie sie dies getan hätte, wenn noch keine Fakten geschaffen worden wären?“

Gefordert werden zudem Antragsunterlagen, die sämtliche Bauabschnitte bis zur Endausbaustufe enthalten. Das Gesamtvorhaben sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht endgültig beschrieben, Pläne änderten sich in steter Regelmäßigkeit. So sei die ursprünglich vorgesehene Batteriefertigung ausweislich der aktuellen Antragsunterlagen zwar entfallen, Tesla-Chef Elon Musk werde aber mit Bemerkungen zitiert, dass eine Batteriefertigung weiterhin – wenn auch zu einem späteren Zeitpunkt – geplant sei.

Bereits zweite Bürgerbeteiligung

Die Möglichkeit für Bürgereinwendungen endet an diesem Donnerstag um Mitternacht. Laut dem Brandenburger Umweltministerium sind rund 400 Einwendungen eingereicht worden. Zuvor waren die geänderten Unterlagen für die geplante Tesla-Fabrik bis 3. August öffentlich ausgelegt worden. Allerdings hatte sich jeder Interessent wegen der Einschränkungen in der Corona-Pandemie vorher telefonisch anmelden müssen.

Es war bereits die zweite Bürgerbeteiligung im Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Sie war notwendig geworden, nachdem Tesla Änderungen für den geplanten Bau der sogenannten Gigafabrik eingereicht hatte.

Musks nächstes Projekt: Prototyp für Verbindung zwischen Gehirn und Smartphone

Darin sind unter anderem neue Planungen zur Senkung des Energie- und Wasserverbrauchs enthalten. Bei den Gegnern des Projekts ist die Gründung von Teilen der Fabrik mit Pfählen besonders umstritten. Das Gelände der geplanten Fabrik liegt teilweise in einem Trinkwasserschutzgebiet. Am 23. September ist eine öffentliche Anhörung geplant. Mit einer endgültigen umweltrechtlichen Genehmigung wird bis Ende des Jahres gerechnet.

Mit Agenturmaterial

VIDEO: Tesla-Chef in Berlin - Gespräche mit Bundesministern