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In Deutschland werden wieder mehr Windräder gebaut

·Lesedauer: 3 Min.

Nach anderthalb Jahren der Flaute hat der Windmarkt trotz Coronakrise überraschend zugelegt. Das hebt die Stimmung in der Branche aber nur bedingt.

Die Windenergie wird als die wichtigste Energiequelle der Zukunft gehandelt.  Foto: dpa
Die Windenergie wird als die wichtigste Energiequelle der Zukunft gehandelt. Foto: dpa

Auf den ersten Blick bieten die Zahlen Anlass zum Jubel: In den ersten neun Monaten dieses Jahres sind mit 296 Windrädern immerhin 60 Prozent mehr Anlagen aufgestellt worden als noch ein Jahr zuvor, zeigen die neuesten Berechnungen des Vereins Fachagentur Windenergie an Land.

Das ist allerdings auch nicht schwer, sind 2019 doch so wenig Windräder aufgestellt worden wie seit fast zwanzig Jahren nicht mehr. So liegt die Leistung der bislang zugebauten Anlagen im Vergleich zu den Jahren 2014 bis 2018 immer noch 70 Prozent unter dem Durchschnitt. „Auch 2020 wird Deutschland sein Ausbauziel somit weit verfehlen“, warnt Jürgen Quentin von der Fachagentur im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Bislang seien gerade mal knapp 1000 Megawatt (MW) installiert, bis Ende des Jahres rechnet der Experte mit einem Gesamtausbauvolumen von 1500 MW. Das wäre aber nur die Hälfte von dem, was die Bundesregierung laut Plan eigentlich vorgesehen hatte. „Es ist sehr schwach, was da gerade passiert. So werden wir unsere Klimaziele bis 2030 nicht erreichen können“, sagt Quentin.

Lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und immer mehr Klagen gegen neue Anlagen hatten den Ausbau fast zum Erliegen gebracht. Stellenabbau, rote Zahlen und Insolvenzen waren die Folge.

Dabei müsste sich der Ausbau der Windenergie laut einer neuen Studie des Berliner Thinktanks Agora Energiewende mindestens verdreifachen, um das von der Politik formulierte Ziel von 65 Prozent grünem Strom bis 2030 zu erreichen. Auch um die Leistung unzähliger Altanlagen aufzufangen, die ab 2021 aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) herausfallen, bräuchte es eigentlich mehr neue Anlagen.

Bis 2025 wird für etwa 16.000 MW die EEG-Förderung enden, das sind fast 30 Prozent der heute installierten Windkapazität an Land. Für viele Betreiber wird es sich nicht lohnen, ihre alten Anlagen am Netz zu lassen. Auch das müsse der Zubau einpreisen und dementsprechend kompensieren.

„Alles in allem reicht diese leichte Erholung gegenüber dem Vorjahr also nicht aus, auch wenn einzelne Lichtblicke zu sehen sind“, sagt Windexperte Quentin. So ist die Repowering-Quote mit 27 Prozent so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Repowering bezeichnet das Verfahren, alte Anlagen gegen neuere, höhere und leistungsstärkere Windräder auszutauschen.

Klimaziele weiterhin gefährdet

„Die gestiegenen Zulassungszahlen sind allerdings größtenteils darauf zurückzuführen, dass ein paar Regionen ihre Windausbaufläche vergrößert und die Verfahren vereinfacht haben“, erklärt Quentin. Ändere sich weiterhin nichts an den Rahmenbedingungen, werde Deutschland seine Ziele auch im nächsten Jahr verfehlen.

Experten drängen deswegen weiterhin auf beschleunigte Genehmigungsverfahren. Die dauern in der Regel fünf bis sieben Jahre und sind ein Grund dafür, dass an den öffentlichen Ausschreibungen, an denen Windprojekte teilnehmen müssen, um die Höhe ihrer gesetzlichen Fördervergütung zu erstreiten, regelmäßig weniger Bewerber teilnehmen, als Projekte zu vergeben sind.

Kein Wunder, dass die Stimmung in der Branche auch weiterhin eher mau ist. Zwar zeigt eine aktuelle Befragung des Marktforschungsunternehmens Wind Research eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem sind die Aussichten in den Augen der Industrie in keinem anderen Land der Welt derzeit so schlecht wie in Deutschland – einem ehemaligen Spitzenreiter bei der Windenergie.