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Deutschland hinkt bei Venture-Capital hinterher

·Lesedauer: 4 Min.

Der deutsche Markt für Risikokapital ist international weit abgeschlagen. Bei großen Finanzierungen geht kaum etwas ohne ausländische Geldgeber.

Einer Studie der Förderbank zufolge gibt es erhebliche Defizite am deutschen Markt für Venture-Capital. Foto: dpa
Einer Studie der Förderbank zufolge gibt es erhebliche Defizite am deutschen Markt für Venture-Capital. Foto: dpa

Es ist ein Ausnahmedeal in Coronazeiten: Der Spezialist für Cybersicherheit Logpoint erhält in einer Finanzierungsrunde unter Führung des deutschen Risikokapitalgebers Digital+ Partners insgesamt 30 Millionen Dollar für das weitere Wachstum. Man suche nach Geschäftsmodellen, die widerstandsfähig seien gegenüber einem konjunkturellen Abschwung oder einer Rezession.

Die Cybersicherheit gehöre dazu, sagt Thomas Jetter, General Partner von Digital+, gegenüber dem Handelsblatt. „Leider gibt es viel zu wenige solcher Fonds für Venture-Capital (VC) und Wachstumskapital in Deutschland.“

Seine Einschätzung wird jetzt durch eine Untersuchung der KfW untermauert. Demnach sind zwar die jährlichen Investitionen seit 2014 von 0,7 Milliarden Euro auf 1,9 Milliarden Euro gestiegen. Die Studie der Förderbank zeigt jedoch erhebliche Defizite auf. Laut der Analyse fällt der deutsche VC-Markt im internationalen Vergleich weiter zurück, denn gemessen an der Wirtschaftskraft haben sich andere Ländern deutlich besser entwickelt.
Mit einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von 0,047 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Zeitraum von 2017 bis 2019 liegt Deutschland demnach unter dem Level der Europäischen Union, deren Anteil mit 0,053 Prozent am BIP veranschlagt wird.

Gemessen an der Wirtschaftskraft waren die Märkte in Großbritannien und Frankreich im Schnitt der vergangenen drei Jahre laut der Förderbank etwa 2,1- und 1,5-mal größer. In Euro betrage der Rückstand auf Großbritannien zwischen 2017 und 2019 jährlich 1700 Millionen.

Auf Fonds aus dem Ausland angewiesen

Eine besondere Herausforderung für den deutschen Markt stellen die großen Finanzierungen dar. An neun von zehn Runden ab dem niedrigen zweistelligen Millionenbereich seien ausländische Investoren beteiligt. Für Deutschland erhöhe sich daher das Abwanderungsrisiko der Start-ups.

„Es stimmt, dass viele Finanzierungsrunden in Deutschland ohne ausländische Fonds nicht zu stemmen sind. Von unserem Fonds in Höhe von 350 Millionen Euro sind nach dem Engagement bei Logpoint noch gut 100 Millionen Euro übrig. Bei Investments ab 50 Millionen Euro müssten wir weitere Partnerfonds aus Großbritannien, Frankreich oder den USA hinzuziehen“, sagt Finanzierungsexperte Jetter.

Bei den Einhörnern, also Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar, ist Großbritannien in Europa führend – mit 22 solcher Schwergewichte, Deutschland kommt auf zwölf. Weltweit liegen die USA mit 216 Einhörnern vorn.
„Der deutsche Venture-Capital-Markt befindet sich zwar im Aufschwung, doch das Tempo ist zu langsam.

Deutschland droht in wichtigen Technologiebereichen, für die Venture-Capital eine große Rolle spielt, international den Anschluss zu verlieren“, sagt die Chefvolkswirtin der KfW, Fritzi Köhler-Geib.

In Bezug auf die Zielsektoren der Investments unterscheidet sich Deutschland nach der KfW-Analyse kaum vom europäischen Durchschnitt. Der größte Teil entfällt jeweils auf den Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien.

Eine deutliche Abweichung gibt es nur im Sektor Biotech beziehungsweise Gesundheitswesen, hier ist der Anteil in Deutschland mit 18 Prozent in den Jahren 2017 bis 2019 deutlich geringer. Demgegenüber sind Finanzierungen im Segment Energie und Umwelt im internationalen Vergleich recht stark vertreten.

US-Wagnisfinanzierer sind schneller

Problematisch ist auch, dass die digitalen Start-ups nicht bei der Entwicklung von Prototypen das meiste Geld brauchen, sondern bei der Implementierung des Geschäftsmodells. Bei den großen Finanzierungsrunden fehlen jedoch oftmals die heimischen Geldgeber. Das ist laut KfW „ein Problem für die volkswirtschaftliche Zukunftsfähigkeit“ Deutschlands.

So habe sich die US-Risikokapitalszene auf die Bedürfnisse der digitalen Start-ups eingestellt, in Deutschland stehe dieser „Entwicklungsschritt“ noch aus. „Die Venture-Capital-Fonds aus den USA reagieren schneller als die Wagnisfinanzierer in Europa.

Außerdem fehlt es in der europäischen Venture-Capital-Landschaft oftmals am technischen Verständnis“, sagt Jesper Zerlang, CEO von Logpoint. Und letztlich würden die amerikanischen Geldgeber in anderen Größenordnungen denken, sie seien bereit, größere Tickets zu schreiben.
Um den deutschen VC-Markt zu stabilisieren und die Folgen der Krise abzufedern, hat die Bundesregierung ein Hilfspaket für Start-ups im Gesamtvolumen von zwei Milliarden Euro aufgelegt. Außerdem hilft die KfW-Tochter KfW Capital mit Millionen für VC-Fonds-finanzierte Unternehmen.

Um den Rückstand des deutschen Markts wettzumachen, schlagen die KfW-Experten einen Mix aus Maßnahmen vor. Dazu zählen ein größeres Engagement der öffentlichen Hand sowie steuerliche Anreize bei Venture-Capital-Investments und bessere Bedingungen für Kapitalbeteiligungen der Mitarbeiter.