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Deutschland braucht „mit Sicherheit“ wieder Kontaktbegrenzungen – düstere Prognose von Christian Drosten

·Lesedauer: 2 Min.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, bezweifelt, dass Deutschland nur durch Impfangebote eine ausreichende Impfquote in der Corona-Pandemie erreichen kann. Im Podcast „Das Coronavirus-Update“ des Senders NDR Info machte er dafür hauptsächlich eine gewisse Gleichgültigkeit in der Bevölkerung verantwortlich. Als Folge werde Deutschland im Herbst „mit Sicherheit“ wieder Kontaktbegrenzungen brauchen, um die Pandemie einzudämmen. „Gelassen in den Herbst zu gehen, ist eine gewagte Vorstellung“, sagte der Wissenschaftler im zweistündigen Podcast.

Das werde sich dem Virologen zufolge auch auf die Krankenhäuser auswirken. Drosten rechnet damit, dass die Zahl der Corona-Patienten die Intensivstationen und Notaufnahmen belasten werde. Auch auf den Normalstationen werde das Konsequenzen haben. Dort würden an Covid-19 Erkrankte dann mit anderen Patienten um Behandlungskapazitäten konkurrieren. Für Menschen über 60 sei es ein „riesiges Risiko“, ungeimpft in diesen Herbst zu gehen.

Nötige Impfquoten nicht erreicht

Bislang sind erst 61 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Im August nahm die Impfquote nur noch um rund 10 Prozentpunkte zu. Den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge, haben in der Bevölkerung über 60 Jahre knapp 83 Prozent einen vollständigen Impfschutz. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 60 Jahren liegt die Quote bei knapp 66 Prozent. Nach Berechnungen des RKI müssten aber mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit eine ausgeprägte neue Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich wird. „Es ist leider nicht gelungen, diese Impfquote zu erzielen“, resümierte Drosten – er selbst hatte auf 80 Prozent vollständig Geimpfte gehofft. Dass sich Deutschland aus der Pandemie herausimpft, sei aktuell utopisch.

Als Grund für den schleppenden Fortschritt sieht der Virologe aber keine grundsätzliche Ablehnung von Impfungen: „Es gibt eine grundsätzliche Offenheit“, sagte er im Podcast. Nur ganz wenigen Menschen würde er unterstellen, „vollkommen verrückte Geschichten“ zu glauben. Aber es gebe eine gewisse Gleichgültigkeit – im Unterschied zu Ländern wie Portugal oder Spanien, die „eine schreckliche gesamtgesellschaftliche Erfahrung“ hinter sich hätten: viele Tote und ein richtiger Lockdown, bei dem auf der Straße das Militär patrouilliert. „Das haben wir in Deutschland nicht erlebt. Wir können, glaube ich, diese Erfahrung in Deutschland nicht im Nachhinein noch simulieren.“

Was ihn aber optimistisch stimme, sei die hohe Impfbereitschaft bei den 12- bis 17-Jährigen, sagte Drosten. „Das ist extrem positiv zu sehen. Wir haben hier eine junge, auffassungsfähige Bevölkerungsschicht.“ Er glaube, dass sich das auf die Studierenden auch so übertragen lasse. Junge Leute würden deshalb noch eine wichtige Rolle spielen in der nächsten Zeit. Auch, was eine Aufrechterhaltung des Schulbetriebs im Winterhalbjahr angeht, gab sich der Virologe zuversichtlich.

sb mit dpa

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