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Deutsche Wirtschaft in 2023 erstmals seit Pandemie geschrumpft

(Bloomberg) -- Deutschlands Wirtschaft ist im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit der Pandemie geschrumpft — in starkem Kontrast zu anderen Ländern rund um den Globus, was Fragen über die Zukunft des Industriestandorts aufwirft. Eine Rezession wurde formell jedoch vermieden.

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Die Produktion ging im Jahr 2023 um 0,3% zurück, verglichen mit einem Wachstum von 1,8% im Vorjahr, wie am Montag veröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Das entspricht der durchschnittlichen Schätzung in einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen.

Im vierten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,3% gegenüber dem Vorquartal. Da dieses jedoch nach einer Revision kein Minus mehr aufweist, sondern lediglich eine Stagnation zeigt, ist Deutschland eine Rezession erspart geblieben. Diese wird üblicherweise als Rückgang der Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen definiert.

Damit dürfte Deutschland das einzige große Industrieland der Welt gewesen sein, dem im vergangenen Jahr kein Wachstum gelungen ist. Grund dafür war vor allem die Tatsache, dass das verarbeitende Gewerbe unter höheren Energiekosten, steigenden Zinssätzen und gedämpfter Exportnachfrage litt.

Das Jahr begann zwar mit Erleichterung darüber, dass der durch Russlands Krieg in der Ukraine ausgelöste Energieschock besser zu bewältigen sein würde als zunächst befürchtet. Doch dann verlor die Wirtschaft an Schwung und kam nicht wieder auf Touren. Die für die zweite Jahreshälfte erwartete Erholung blieb aus, die Produktion schrumpfte, obwohl die Inflation zurückging.

Das hat auch wieder eine Debatte darüber entfacht, ob Deutschland erneut zum “kranken Mann” Europas wird – ein Titel, den sich das Land erstmals nach der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren eingehandelt hatte.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel weist diese Darstellung zwar zurück, die Notenbanker räumen jedoch ein, dass das Geschäftsmodell des Standorts, das stark auf billigem russischen Gas und auf Exporten nach China beruhte, vor Herausforderungen steht.

Die Erdgaspreise sind zwar gegenüber dem Höchststand, der nach der Unterbrechung der russischen Gaslieferungen erreicht wurde, stark gesunken, liegen aber immer noch höher als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Die chemische Industrie gehört zu den am stärksten betroffenen Sektoren; Unternehmen wie BASF und Lanxess reagierten mit Investitionsstopps und Entlassungen.

Die Prognosen für dieses Jahr sind nicht viel erfreulicher. Die OECD sagte im November, ein Wachstum von nur 0,6% voraus, das geringste aller Mitglieder der Gruppe der 20 mit Ausnahme Argentiniens.

Überschrift des Artikels im Original:Germany’s Economy Shrank Last Year for First Time Since Pandemic

--Mit Hilfe von Joel Rinneby, Kristian Siedenburg, Michael Nienaber und Jana Randow.

©2024 Bloomberg L.P.