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Deutsche Verbraucher können sich vor Pferdefleisch kaum retten

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Berlin (dapd). Lasagne, Chili con Carne, Gulasch: In Deutschland scheint derzeit kaum ein Fleischprodukt vor Pferdefleisch sicher zu sein - auch wenn es laut Etikett nur Rind oder Schwein enthalten dürfte. Nicht einmal Sternekoch Alfons Schuhbeck blieb von dem Skandal verschont. Medienberichten zufolge sind möglicherweise mehr als 100 Tonnen mit Pferdefleisch verunreinigte Produkte nach Deutschland geliefert worden. Gefährliche Tiermedikamente wurden bis zum Wochenende aber nicht in den Produkten gefunden. Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen am Montag (18.2.) über Konsequenzen beraten.

Die Liste der Fertiggerichte unter Pferdefleischverdacht wurde am Wochenende noch länger. Die Supermarktkette Rewe stoppte den Verkauf "Rewe Chili con Carne 350g" (gekühlt) und "Rewe Spaghetti Bolognese 400g" (gekühlt) weil diese womöglich Pferdefleisch enthalten. Hersteller ist laut NDR die Fertiggericht-Firma von Sternekoch Schuhbeck. Entdeckt wurde kleingehacktes oder geschnetzeltes Pferd zuvor in Lasagne, Ravioli, Cannelloni, Tortellini, Spaghetti und Gulasch.

Auch in Döner fanden sich Spuren von Pferdefleisch. Reporter des RTL-Magazins "Extra" kauften in 20 Imbiss-Läden in Leipzig und Berlin Döner und ließen diese vom Berliner Institut für Produktqualität ifp untersuchen. Dabei sei in einer Probe Pferdefleisch nachgewiesen worden, berichtete RTL am Sonntag.

Die "Bild"-Zeitung schrieb, die Auswertung von Länderkontrollen und der EU-Warnmeldung habe ergeben, dass rund 179.000 Packungen verdächtiger Rindfleisch-Lasagne aus Frankreich und Luxemburg nach Deutschland importiert worden seien. Das Nachrichtenportal "Spiegel Online" berichtete, allein zwischen November (Xetra: A0Z24E - Nachrichten) 2012 und Ende Januar 2013 seien mindestens 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland gekommen. Diese Produkte wögen zusammen knapp 144 Tonnen.

Bislang keine Tiermedikamente entdeckt

Betroffen ist außer den Handelsketten Rewe, Metro (Other OTC: MTRAF - Nachrichten) und Edeka auch der Lebensmitteldiscounter Aldi mit seinen etwa 3.300 Filialen hierzulande. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf das Bundesverbraucherministerium, weder die amtlichen Untersuchungen der Kontrollbehörden der Bundesländer noch die Testergebnisse der Wirtschaft hätten bisher in den Fertiggerichten Rückstände von der Tierarznei Phenylbutazon nachweisen können.

Ministerin Aigner zeigte sich beeindruckt vom Ausmaß des Skandals. "Der Betrugsfall nimmt immer größere Dimensionen an", sagte sie der Zeitung. "Hier wurde offenbar mit großer krimineller Energie gehandelt." Am Sonntag kündigte die Ministerin an, ihren Länderkollegen am Montag den Entwurf eines nationalen Aktionsplans zur Aufklärung des Pferdefleischskandals vorzulegen und die bisherigen Kontrollen zu verbessern.

Fleischprodukte sollen danach bis Ende März EU-weit koordiniert auf nicht deklariertes Pferdefleisch und Rückstände von Tierarzneimitteln untersucht werden. Untersucht werden sollen Waren aus EU-Staaten, aber auch Importwaren. Zudem sollen Bund und Länder Informationen über zurückgerufene Produkte auf eine zentrale Internetseite stellen. Auch soll geprüft werden, ob es wirtschaftliche Anreize zur Verbrauchertäuschung gibt.

Die Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder, Hessens Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich (CDU), sagte in Wiesbaden: "Da der Betrugsfall immer größere Dimensionen annimmt, müssen Länder und Bund im engen Schulterschluss schnell und konsequent handeln."

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte, die Unternehmen sollten verpflichtet werden, auch reine Täuschungsfälle bei den Behörden zu melden. "Es muss in Zukunft den Behörden möglich sein, die Verbraucher auch bei Täuschungen ohne Gesundheitsgefährdung über Ross und Reiter des Betrugs zu informieren." Bisher gelte dies nur für Täuschungsfälle, in denen Gesundheitsgefahr besteht.

Das BKA soll helfen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte am Sonntag im Bayerischen Fernsehen scharfe Kontrollen und Bestrafungen. Außerdem müssten die Namen von Verantwortlichen in der Öffentlichkeit genannt werden.

CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach rief nach dem Bundeskrimalamt (BKA), falls sich herausstelle, dass auch deutsche Unternehmen an dem Skandal beteiligt sind. Die Gesellschaft brauche das Signal, dass der Staat bei solchen Vergehen alle Anstrengungen unternehme, die Ganoven zu überführen, sagte er dem "Focus".

Verbraucherschützer forderten deutlich höhere Bußgelder. "Das rechtliche Anreizsystem funktioniert nicht", sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Gegenwärtig gebe es für den Einzelhandel gar keine Motivation, Eigenmarken mit Falschdeklarationen auszusortieren, da der Handel nur zivilrechtlich hafte.

dapd

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