Deutsche Märkte öffnen in 2 Stunden 53 Minuten

Deutsche Unternehmen kämpfen auch im Ausland mit den Folgen der Pandemie

·Lesedauer: 3 Min.

Die Geschäfte der Auslandsfirmen laufen laut einer Umfrage zwar etwas besser als im Frühjahr. Bis zur Rückkehr zur Normalität wird aber einige Zeit vergehen.

Mit einer Rückkehr zur Normalität noch in diesem Jahr rechnen nur vier Prozent der Befragten – außer in China, wo dies ein Viertel der Unternehmen erwartet. Foto: dpa
Mit einer Rückkehr zur Normalität noch in diesem Jahr rechnen nur vier Prozent der Befragten – außer in China, wo dies ein Viertel der Unternehmen erwartet. Foto: dpa

Die meisten Unternehmen blicken derzeit vor allem zurück. Und fragen sich: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis die Geschäfte wieder so gut laufen wie Ende 2019, wie vor der Coronakrise? Laut den meisten Umfragen wird dies noch einige Zeit dauern.

Ende 2021, wahrscheinlich erst 2022 werde das Vorkrisenniveau wohl wieder erreicht. Diese Einschätzung vertreten nicht nur die meisten Firmen im Inland, sondern auch der Großteil der deutschen Unternehmen im Ausland.

In der halbjährlichen Umfrage der Außenhandelskammern (AHK) geben die meisten der 3500 befragten Unternehmen jetzt zwar an, dass ihre Geschäftslage und auch die Erwartungen für die nächsten Monate besser seien als im Frühjahr. Aber in vielen Weltregionen ist das Vorkrisenniveau noch lange nicht wieder erreicht, heißt es im „AHK World-Business Outlook Herbst 2020“, der dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt.

Immerhin: Konkret berichten 32 Prozent der deutschen Auslandsunternehmen von guten Geschäften – deutlich mehr also als die 22 Prozent, die ihre Geschäfte als schlecht einschätzen. Das ist eine bessere Lage als im Frühjahr, aber eine deutlich schlechtere als vor einem Jahr.

Für die nächsten zwölf Monate erwarten 33 Prozent der Auslandsunternehmen in ihrem Gastland eine bessere Konjunkturentwicklung und 34 Prozent eine schlechtere. Die Regionen unterscheiden sich hier allerdings stark: Während in China 51 Prozent der deutschen Unternehmen mit einem Aufschwung rechnen, sind es in der Euro-Zone nur 27 Prozent.

Sehnsucht nach gewohnter Reisefreiheit

Mit einer Rückkehr zur Normalität noch in diesem Jahr rechnen nur vier Prozent der Befragten – außer in China, wo dies ein Viertel der Unternehmen erwartet. In der Euro-Zone, in der sich gerade die zweite Corona-Welle ausbreitet, erwarten 32 Prozent eine Normalisierung 2021, 44 Prozent erst 2022 und 19 Prozent gar erst noch später.

Noch nicht enthalten in der Umfrage sind Einschätzungen, wie sich die neuen Lockdowns, die zahlreiche EU-Staaten erst vor Kurzem verhängt haben, auf die europäische Konjunktur auswirken werden. Die Industrie zumindest scheint bis in den Oktober hinein auf Erholungskurs geblieben zu sein. Das weckt unter Ökonomen die Hoffnung, dass die Industrie die Verluste der Dienstleister im vierten Quartal zumindest teilweise ausgleichen könnte.

Die Gründe, die das Geschäft der Auslandsunternehmen behindern, sind vielfältig. An erster Stelle stehen Reiseeinschränkungen: 75 Prozent der befragten Unternehmen klagen darüber, und damit noch deutlich mehr als in einer Corona-Sonderumfrage der AHK im Sommer. Damals war dies für 63 Prozent ein Problem.

53 Prozent der befragten Firmen leiden zudem unter mangelnder Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen, 51 Prozent wiederum nennen abgesagte Messen und Veranstaltungen als Geschäftsbremse.

Probleme mit den Lieferketten, die im Frühjahr weit verbreitet waren, hat ein Drittel der Unternehmen. Auffällig hier: Überdurchschnittlich viele deutsche Firmen in Großbritannien nannten Probleme mit ihren Lieferbeziehungen und planen, diese neu zu ordnen. Der drohende harte Brexit zum Jahreswechsel könnte hier als Erschwernis zu den Corona-Problemen hinzugekommen sein.

Um ihre Lage zu verbessern, wollen zwei Drittel der Auslandsunternehmen Kosten sparen, 61 Prozent ihr Geschäft stärker digitalisieren und 46 Prozent weniger investieren. Personalabbau scheint auch an den Auslandsstandorten nicht das erste Mittel der Wahl: Lediglich ein Viertel der Befragten will Arbeitsplätze abbauen.