Deutsche Märkte geschlossen

Deutsche Post geht gegen Korruption in Afrika vor

·Lesedauer: 2 Min.

Konzernchef Appel verspricht 20 Millionen Euro, um den Zoll in afrikanischen Staaten zu digitalisieren. Gerade kleine Exporteure soll dies schützen.

Üblicherweise trennen die Büros von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller und Post-Chef Frank Appel lediglich 13 Minuten Fußweg. Zur Unterzeichnung ihres gemeinsamen 30-Millionen-Euro-Projekts, mit dem sie Afrikas Kleinunternehmen stärken wollen, musste sich Müller am Mittwochnachmittag dennoch per Video in den Bonner Posttower schalten lassen. Der CSU-Politiker weilte in Berlin.

Die Bedeutung der Initiative dürfte das nicht mindern. „Wir wollen in Afrika die Zollabwicklung verbessern und damit die Korruptionsmöglichkeiten eindämmen“, nennt Post-Chef Appel deren Zweck. Damit werde man gerade Familienbetrieben auf dem Kontinent helfen, Modeartikel, Beautyprodukte, Kunsthandwerk oder Lebensmittel leichter zu exportieren. „Die Verzollung und der Weg über die Grenze ist für viele bislang das größte Hindernis.“

Zwei Drittel der Projektkosten sollen aus den Kassen des Bonner Dax-Konzerns kommen, weitere zehn Millionen Euro steuert das Bundesentwicklungsministerium bei. „Das schafft neue, zusätzliche Absatzmärkte für afrikanische Unternehmen und ermöglicht Entwicklungssprünge“, lobte Müller.

Bislang spielt der afrikanische Kontinent für den deutschen Außenhandel kaum eine Rolle. Nur zwei Prozent der Importe kommen von dort. Allerdings gilt die Deutsche Post mit ihren unter DHL geführten Express-, Fracht- und Lagertöchtern als größter Logistiker in den insgesamt 54 Ländern. 20.000 Mitarbeiter beschäftigt der Gelbe Riese auf dem Kontinent. Zum konzerneigenen Expressgeschäft etwa steuert Afrika – inklusive des Nahen Ostens – mehr als sieben Prozent bei.

Das Geschäft würde Appel nun gerne ausbauen. „Wir hoffen natürlich, dass sich dort viele Unternehmen künftig an uns binden werden“, sagte er. Grundsätzlich gehe es aber darum, den Anbietern die Möglichkeit zu eröffnen, sich mit der Welt zu verbinden.

Transparenz gegen Korruption

Helfen soll dabei die Digitalisierung der Zollanmeldungen nach europäischem Vorbild. Das eigentliche Ziel sind Schmiergeldforderungen an der Grenze, von denen man hofft, sie durch den elektronischen Datentransfer beseitigen zu können. „Transparenz ist der größte Feind der Korruption“, glaubt Appel.

Ob die von solchen Einnahmen oftmals profitierenden Staatsbeamten am Ende mitspielen, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Der Entwicklungshilfeminister jedenfalls zeigt sich optimistisch. „Wir haben keine Sorge“, sagt Müller, „dass wir die Projekte in den Ländern zielgenau umsetzen können, ohne sie den Regierungen zu oktroyieren.“

Die Zahl der Länder, die ihre Bereitschaft erklärt haben, blieb bislang dennoch übersichtlich. Gestartet werden soll in Marokko, als zweiter Teilnehmerstaat kommt Ruanda an die Reihe. Als weitere Länder sind Kenia, Ghana und die Elfenbeinküste im Gespräch.