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Deutsche Ansteckungsrate bei 1,0; Corona-App startet erfolgreich

David Verbeek und Ingo Kolf

(Bloomberg) -- Während neue Ansteckungsfälle in China die Furcht vor einer zweiten Pandemiewelle schüren, bleiben die Neuinfektionen in Deutschland trotz der jüngsten Anstiege auf niedrigem Niveau, und die Ansteckungsrate geht zurück. Corona-Warn-App startet erfolgreich, das Bundeskabinett billigt die Aufnahme weiterer Schulden für den Kampf gegen die Rezession, und ein Billigmedikament weckt Hoffnung auf eine wirksame Covid-19-Therapie.

Die neue Corona-Warn-App der Regierung ist überraschend erfolgreich gestartet. In den ersten 24 Stunden haben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums über 6,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzer die App in Betrieb genommen.

Am heutigen Mittwoch wird Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über die verbliebenen Corona-Beschränkungen sprechen. Dabei zeichnet sich eine Verlängerung des Verbots von Großveranstaltungen bis Ende Oktober ab.

Nachtragshaushalt

Zur Finanzierung des größten Konjunkturpakets in der jüngeren deutschen Geschichte hat das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Nachtragshaushalt in Höhe von 62,5 Milliarden Euro gebilligt. Der Vorschlag muss noch vom Bundestag verabschiedet werden.

Eine Neuverschuldung von 156 Milliarden Euro war bereits im März genehmigt worden. Es wird erwartet, dass die deutsche Staatsverschuldung von rund 60% auf 77% des Bruttoinlandsprodukts steigen wird.

Nach neuen Infektionsausbrüchen in Peking hat China mehr als 1200 Flüge gestrichen. Schulen wurden geschlossen und Körpertemperaturchecks eingeführt. Damit versucht die Regierung, eine weitere Ausbreitung zu verhindern und zugleich ein Abriegeln der Hauptstadt zu vermeiden.

Corona-Hoffnung

Hoffnung für an Covid-19 Erkrankte weckt eine britische Studie. Das Billigmedikament Dexamethasone, ein Entzündungshemmer, kann demnach die Überlebenschancen von Beatmungspatienten verbessern. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, sprach von einem “lebensrettenden wissenschaftlichen Durchbruch”.

In Deutschland beginnt derweil eine weitere Testreihe für einen Corona-Impfstoff. Das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, genehmigte eine klinische Prüfung des Vakzins von CureVac GmbH gegen Covid-19. Die Tübinger sind damit das zweite Unternehmen hierzulande, dass eine klinische Impfstoffstudie startet.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Mittwochmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 570 Neuinfektionen gemeldet. Das ist der höchste Wert seit dem 30. Mai. Seit vier Wochen liegt die Zahl der Neuinfektionen jedoch deutlich unter Tausend und somit weit unter den Höchstwerten Ende März, als an manchen Tagen knapp 7000 Fälle registriert wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 188.252 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem elften Platz weltweit.

Weitere 13 Menschen sind zuletzt im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 8820.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend fiel die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, auf 1,00. Damit liegt die Ansteckungsrate exakt auf der kritischen Marke von eins. Die vorherigen drei Tage hatte der Wert darüber gelegen. Der Sieben-Tage-R-Wert, der Schwankungen ausgleicht, wurde mit 0,86 angegeben, nach 0,95 am Vortag.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Corona-Warn-App, Pläne zu Großveranstaltungen)

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