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Streit wegen Russland-Impfstoff; Schweiz sichert sich mehr Dosen

David Verbeek
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Sputnik entzweit Europäer, Schweiz sichert Versorgung, weiterer Rückenwind für britische Impfpraxis: Der Corona-Überblick.

Frankreich hat Ungarn wegen seines Alleingangs bei der Zulassung russischer und chinesischer Covid-19-Impfstoffe kritisiert. Ungarn “wendet seine eigenen Verfahren mit Russland und China an”, und profitiere gleichzeitig vom Versorgungsprozess der EU, sagte Clément Beaune, in der französischen Regierung zuständig für EU-Angelegenheiten, dem Fernsehsender LCI. Zugleich forderte er Russland auf, für seinen Impfstoff Sputnik V einen Zulassungsantrag bei den europäischen Behörden zu stellen. “Die Russen haben ihren Impfstoff nicht bei den europäischen Behörden eingereicht, und wir laden sie ein, das zu tun”, erklärte er.

Nachdem neue, vielversprechende Daten zur Wirksamkeit von Sputnik V bekannt geworden sind, hat sich Angela Merkel offen für dessen Nutzung gezeigt. “Jeder, der eine Zulassung bei der Europäischen Medizinagentur erhält, der ist uns herzlich willkommen”, sagte Merkel am Dienstagabend in der ARD-Sendung “Farbe bekennen”. Sie habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor kurzem “genau darüber” gesprochen, so die Kanzlerin. “Wir haben heute gute Daten gelesen auch von dem russischen Impfstoff.” Auch einen Einsatz des chinesischen Impfstoffs schloss Merkel nicht aus.

Der Impfstoff von AstraZeneca hat in einer neuen Datenanalyse eine Wirksamkeit von 82% gezeigt, wenn zwischen der ersten und der zweiten Impfung drei Monate liegen. Das stützt die britische Praxis, das Impfintervall gegenüber der üblichen Zeit von drei bis vier Wochen zu verlängern, um so schneller mehr Menschen impfen zu können. Zudem zeigt die neue Untersuchung, dass der Impfstoff die Virusübertragung deutlich verringert. Die Erkenntnisse geben dem britischen Impfprogramm weiteren Rückenwind, das bereits schneller vorangegangen ist als in den Ländern der Europäischen Union.

Die Tübinger CureVac und der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline wollen gemeinsam mRNA-Impfstoffe der nächsten Generation gegen die aufkommenden neuen Varianten des Coronavirus entwickeln. Zudem kündigte GSK an, 2021 bis zu 100 Millionen Dosen des COVID-19-Impfstoffkandidaten CVnCoV von CureVac zu produzieren. Dieser wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 bei den Behörden zur Prüfung eingereicht.

Die Schweiz hat mit CureVac und der schwedischen Regierung die Lieferung von weiteren 5 Millionen Impfdosen vereinbart, wie das Schweizer Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch bekanntgab. Mit Novavax unterzeichnete das Land einen Vorvertrag über 6 Millionen Impfdosen. Bei Moderna reservierte die Schweiz weitere 6 Millionen Impfdosen.

Der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca kann dagegen derzeit noch keine Zulassung in der Schweiz erhalten. Um mehr Informationen über Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität zu erhalten, müsse das Unternehmen zunächst weitere Daten aus neuen Studien zur Verfügung stellen, teilte das Schweizer Heilmittelinstitut mit. Derzeit verfügbare Daten deuteten nicht auf eine positive Entscheidung hinsichtlich Nutzen und Risiken hin, hieß es.

Der Lockdown in den Niederlanden wird bis zum 2. März verlängert. Obwohl die Infektionszahlen seit Weihnachten zurückgegangen sind, warnte Premierminister Mark Rutte vor einer “unausweichlichen dritten Welle”, weil die in Großbritannien entdeckte Virusmutation bereits für etwa zwei Drittel der Neuansteckungen verantwortlich sei. Ohne die Virusvariante wäre eine Lockerung der Beschränkungen möglich gewesen, erklärte er.

In Irland haben die Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 am Dienstag mit 101 den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie erreicht. Zugleich gingen die täglichen Neuinfektionen auf 879 zurück, den niedrigsten Stand seit mehr als einem Monat. Im Januar hatte das Land mit einem der heftigsten Ausbrüche weltweit zu kämpfen.

Deutschland hat nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Mittwochmorgen für die zurückliegenden 24 Stunden 7.690 Neuinfektionen mit dem Coronavirus und 933 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Seit Beginn der Pandemie wurde das Virus in der Bundesrepublik damit bei insgesamt 2.240.017 Personen nachgewiesen. Die Gesamtzahl der Todesfälle lag bei 58.992.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl - der sogenannte 4-Tage-R-Wert - bei 0,85, nach 1,01 am Vortag. Das R-Maß gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte

(Ergänzt um Schweiz im 7. und 8. Absatz)

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