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Merkels dramatische Corona-Warnung; Briten vor Teil-Lockdown

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Die Bundesregierung warnt vor einer möglichen dramatischen Entwicklung bei den Infektionszahlen, den Briten droht ein teilweiser Lockdown, und ein US-Fachmann äußert sich zur Wirksamkeit kommender Impfstoffe: der Corona-Überblick.

Eine tägliche Neuinfektionszahl um die Weihnachtszeit von mehr als 19.000 sei möglich, wenn der derzeitige Trend nicht gestoppt werde, warnte Angela Merkel am Montag. Das Land müsse rasch handeln, um einen schnellen Anstieg wie in Frankreich und anderen Nachbarländern zu verhindern, erklärte die Bundeskanzlerin nach Angaben einer informierten Person in einer Videokonferenz mit Parteimitgliedern.

“Die Entwicklung der Infektionszahlen macht uns große Sorgen”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert auf einer Pressekonferenz. Volatile Anstiege bei der Zahl der Ansteckungen seien lokal und regional zu beobachten und müssten unter Kontrolle gebracht werden.

Die in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe gegen das Coronavirus dürften nicht bei allen Menschen wirken, sagte Scott Gottlieb, ein ehemaliger Commissioner der amerkanischen Arzneimittelbehörde FDA. “Ich erwarte, dass dieser Impfstoff teilweisen Schutz bieten wird, so ähnlich wie die Grippeimpfung, die manchen Personen eine volle Immunität gibt, aber anderen nicht so viel Schutz bietet”, sagte Gottlieb dem Sender CBS.

Die britische Gesundheitsministerin Helen Whately wollte gegenüber dem Sender Sky News nicht ausschließen, dass weitere Corona-Beschränkungen bevorstehen. In dem Interview erklärte sie lediglich, die Minister “wollen nicht”, dass sie eingeführt werden.

Nach Informationen der Times bereitet die britische Regierung offenbar verschärfte Corona-Maßnahmen im nördlichen Teil des Landes und möglicherweise auch in der Hauptstadt vor. Demanch sollen alle Kneipen und Restaurants angewiesen werden, für zwei Wochen zu schließen. Schulen, Fabriken und Büros ohne die Möglichkeit der Heimarbeit sollen dagegen geöffnet bleiben, hieß es.

Großbritannien registrierte am Sonntag 5.693 Neuinfektionen und 17 Todesfälle. Ab Montag sind positiv getestete Menschen verpflichtet, sich in häusliche Quarantäne zu begeben. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen von bis zu 10.000 Pfund.

In Deutschland haben sich nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Montagmorgen in den zurückliegenden 24 Stunden 1.313 Personen neu mit dem Coronavirus angesteckt, gegenüber 1.314 am Vortag. Die bisherigen Höchstwerte bei den Neuinfektionen in Deutschland hatten Ende März an manchen Tagen bei knapp 7.000 gelegen.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in der Bundesrepublik insgesamt 286.339 Personen mit dem Virus infiziert. Weltweit liegt Deutschland damit auf dem 22. Platz.

Es wurden 5 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gemeldet. Die Gesamtzahl der Todesfälle liegt damit bei 9.464.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, bei 1,17, nach 1,08 am Vortag. Der 7-Tage-R-Wert. der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 1,02 angegeben

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Whately im 5. Absatz)

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