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Hoffnung auf Corona-Impfstoff 2020, Verschärfung in Österreich

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- In Deutschland verharrt die Infektionsrate des neuartigen Coronavirus weiter oberhalb der kritischen Schwelle von eins, die Staats- und Regierungschefs der EU einigen sich nach zähem Ringen auf ein Konjunkturpaket, eine europäische Behörde weckt Hoffnung auf einen Impfstoff, und Österreicher müssen beim Einkaufen wieder Maske tragen.

Ein erstes Serum gegen Covid-19 könnte noch in diesem Jahr zugelassen werden, sagte Marco Cavaleri, Leiter Antiinfektiva und Impfstoffe bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. Der Regulierer bereite sich auf diese Möglichkeit vor, erklärte er im Interview. Studiendaten, Herstellung und klinische Entscheidungen werde die Agentur künftig rollierend prüfen, damit ein möglicher erfolgreicher Impfstoff binnen Tagen zugelassen werden kann, so Cavaleri. Ein neuer Impfstoff werde wahrscheinlich zunächst nur für Erwachsene verfügbar sein, da die Tests an Kindern längere Zeit in Anspruch nehmen.

Angesichts zunehmender Infektionszahlen verschärft Österreich seine Corona-Politik und nimmt damit die Lockerungen der letzten Wochen zum Teil zurück. In Supermärkten, Banken und Poststellen müssen wieder Masken getragen werden, sagten Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler und Gesundheitsminister Rudolf Anschober auf einer Pressekonferenz. Außerdem würden an den südlichen und östlichen Landesgrenzen die Kontrollen wieder verstärkt, weil ein Großteil der Infektionen von Reisenden aus den Balkanländern mitgebracht würden, hieß es.

Nach dem längsten Verhandlungsmarathon in ihrer Geschichte hat die Europäische Union am Ende doch noch eine Einigung über das Konjunkturpaket zustande gebracht, das der von der Coronakrise gebeutelten Wirtschaft wieder auf die Beine helfen soll. Nur 390 statt der ursprünglich geplanten 500 Milliarden Euro werden in Form von Zuschüssen an besonders notleidende Mitgliedsstaaten gegeben, was der Gruppe der “Sparsamen Vier” um Dänemark, Schweden, Österreich und die Niederlande entgegen kommt. Die Einigung zeige, dass Europa handlungsfähig sei, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel. “Ich glaube, dass diese Vereinbarung als entscheidender Augenblick in die europäische Geschichte eingehen wird.”

Die Coronakrise hat Deutschland auch im Juni ein deutlich geringeres Steueraufkommen beschert als ein Jahr zuvor. Im zurückliegenden Monat fielen die Steuereinnahmen ohne Gemeindesteuern 19 Prozent geringer aus als im Juni 2019, so das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht. Für das erste Halbjahr errechnet sich ein Rückgang um 9,1 Prozent. Trotzdem konstatiert das Ministerium eine Verbesserung: “Nach einem coronabedingten massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung im März und April zeichnet sich ab Mitte des 2. Quartals eine einsetzende wirtschaftliche Erholung ab.”

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Dienstagmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 590 Neuansteckungen registriert, gegenüber 155 am Vortag. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland liegt weiter deutlich unter den Höchstwerten Ende März, als an manchen Tagen knapp 7.000 Fälle gemeldet wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in der Bundesrepublik insgesamt 203.325 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem 19. Platz weltweit.

Zwei weitere Personen sind im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg damit auf 9.094.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend ging die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, auf 1,15 zurück, von 1,25 am Tag zuvor. Der 7-Tage-R-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 1,13 angegeben. Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um EMA im 2. nd Österreich im 3. Absatz)

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