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Deutsche Banken vor Einsparungen dank Flucht ins Home Office

Stephan Kahl
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Die deutschen Banken wollen ihre Mitarbeiter stärker von daheim arbeiten lassen, auch nach der Coronakrise. Wie viel Bürofläche sie künftig noch brauchen werden, ist unklar. Die Unsicherheit macht sich bereits am Frankfurter Immobilienmarkt bemerkbar. Den Banken winken Einsparungen und andere Zugeständnisse bei den Mietverträgen.

“Wir erwarten, dass die Vermieter in Frankfurt stärker um jeden Mieter kämpfen werden”, sagt Sven Carstensen, Vorstand des Immobilienberaters Bulwiengesa AG. Er hatte zuletzt den Trend beobachtet, dass geplante Mietgesuche von Finanzdienstleistern eher zurückgestellt werden. “Die Schere zwischen nominalen und effektiven Mieten dürfte aufgehen, etwa weil die Vermieter eine gewisse freie Mietzeit einräumen.”

Eine Folge der Coronakrise ist auch die Gewährung von mehr Flexibilität, etwa bei möglichen Anpassungen der angemieteten Flächen, erklärt José M. Martínez, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate GmbH. Das habe sich in den vergangenen Wochen in Frankfurt gezeigt. “Banken und Finanzdienstleistern könnte das künftig helfen, ihre Kosten beziehungsweise Risiken zu begrenzen.“

Angesichts der Coronakrise hatten viele deutsche Banken Anfang des Jahres ihre Home-Office-Quoten von teils nur 10% auf bis zu 90% hochgefahren. So sollten die Infektionsrisiken gesenkt werden. Fast überall funktionierte die Heimarbeit ohne Probleme. Nach den guten Erfahrungen soll in einigen Häusern künftig ein Drittel der Belegschaft dauerhaft im Home-Office bleiben.

Weniger vermietet, mehr gebaut

Die Banken machten in den vergangenen Wochen kein Geheimnis daraus, dass sie sich damit auch Einsparungen erhoffen.

„Durch das verstärkte Home Office dürften langfristig unsere Immobilienkosten sinken”, sagte NordLB-Chef Thomas Bürkle. Die Deutsche Bank AG werde von “nicht unerheblichen” Einsparungen aufgrund der Arbeit von zu Hause profitieren, erklärte Konzernchef Christian Sewing. Und BayernLB-Finanzvorstand Markus Wiegelmann kündigte an: “Die auch zukünftig verstärkte Nutzung des Home Office dürfte sich perspektivisch ein Stück weit in unseren Immobilienkosten widerspiegeln”.

Der Leerstand in Frankfurt, dem deutschen Finanzzentrum, wird steigen, auch im Zentrum, sagt Stephan Bräuning, Head of Office Letting Frankfurt beim Makler Colliers International. “Es wird weniger vermietet, gleichzeitig wird weiter gebaut”, sagte er. Er berichtet auch, dass derzeit einige Untermietflächen auf den Markt kommen.

Laut einer Erhebung der Deutschen Pfandbriefbank AG hatten Banken und Finanzdienstleister im ersten Halbjahr nur wenige Büroflächen in Frankfurt angemietet, wohl auch wegen des Lockdowns. So beliefen sich die Anmietungen in der Stadt im 2. Quartal gerade einmal auf 47.000 Quadratmeter, das entspricht einem Rückgang des Marktes um 75% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In der Folge sei der Leerstand gestiegen.

Mit einem Zusammenbruch des Frankfurter Büromietmarkts rechnen Beobachter trotz Zurückhaltung mancher Banken aber nicht. “Denn es gibt zwei Trends, die hier gegeneinander wirken. Zum einen die verstärkte Nutzung des Home Office”, sagte Carstensen. “Zum anderen dürfte aber künftig mehr Fläche je Arbeitsplatz benötigt werden, um etwa Hygienekonzepte einhalten zu können.”

(Ergänzt um Untervermietung im 7. Absatz)

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