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Deutsche Bank will im Privatkundengeschäft Milliardensumme einsparen

Einschnitte im Vertrieb, eine effizientere IT und Stellenstreichungen – so will der neue Deutschlandchef der Privatkundensparte die Kosten deutlich senken.

Beide Privatkunden-Marken der Deutschen Bank sollen noch stärker zusammenarbeiten – in der IT und in den Filialen. Foto: dpa

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt setzt Manfred Knof, der Deutschlandchef der Privatkundensparte der Deutschen Bank, erste Signale. Er will bis Ende 2022 die Kosten in seinem Bereich um eine Milliarde Euro senken, wie aus den an diesem Dienstag veröffentlichten Unterlagen der Bank zum Investorentag hervorgeht. Bislang waren für seinen Bereich nur 600 Millionen Euro veranschlagt.

Die Sparziele sind wichtig, da die Bank mittlerweile nur noch mit stagnierenden Erträgen im gesamten Privatkundenbereich rechnet, zu dem auch das internationale Privatkundengeschäft sowie das Wealth Management zählt. Die ursprüngliche Planung sah jährliche Wachstumsraten von zwei Prozent vor.

Damit konkretisiert die Bank die Angaben darüber, wie sie die Kosten des Gesamtbereichs, zu dem neben dem deutschen Privatkundengeschäft auch noch das Wealth Management und das internationale Geschäft gehören, um 1,4 Milliarden Euro senken will. Denn an dieser Gesamtzahl ändert sich durch Knofs ehrgeiziges Sparziel nichts, weil dafür die Sparvorgaben aus dem Sammelposten „Anderes“ um 400 Millionen Euro sinken.

Relevant sind die neuen Sparvorgaben Knofs aber für die Mitarbeiter und Kunden der deutschen Privatkundensparte, zu der die Marken Deutsche Bank und Postbank zählen. Denn für die haben die Vorgaben praktische Konsequenzen.

So will Knof in der Zentrale und bei den IT- und Infrastrukturfunktionen noch einmal mehr Stellen streichen als bislang mit den Gewerkschaften ausverhandelt worden ist, heißt es in Finanzkreisen. In der Präsentation sind Jobkürzungen in diesen Bereichen erwähnt, doch aus den Unterlagen geht nicht klar hervor, dass es sich um Maßnahmen handelt, die über die bisherigen Vereinbarungen hinausgehen.

Knofs Vorgänger Frank Strauß hatte mit den Gewerkschaften im Sommer noch einen Abbau von knapp 2000 Jobs in der Zentrale und bei Verwaltungstätigkeiten (Operations) ausgehandelt.

Außerdem will Knof die bislang separat geführte deutsche Privatkundensparte juristisch in den Gesamtkonzern integrieren – dieser Schritt würde laut Präsentation etwa 100 Millionen Euro einsparen. Für diesen Schritt benötigt Knof das Einverständnis der Bankenaufseher. Da die Bank unter der Führung von Vorstandschef Christian Sewing viele Risiken abgebaut hat, stehen die Chancen dafür aber nicht schlecht.

Geringere Kapitaldecke

An diesem Dienstag teilte die Bank mit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) von der Bank künftig eine geringere Kapitaldecke erwartet als bisher – ein Indiz dafür, dass die Bankenaufseher das Risikoprofil des Geldhauses für weniger riskant erachten. Bislang wollten die Aufseher das Privatkundengeschäft möglichst separat geführt sehen, um es vor möglichen Risiken aus dem Investmentbanking abzuschotten.

Veränderungen bahnen sich auch im Vertrieb an, die alles in allem Einsparungen von 200 Millionen Euro einbringen sollen. So plant die Bank neue „Filial-Formate“ und will eine nicht näher bezifferte Zahl der zusammen etwa 1300 Filialen von Postbank und Deutscher Bank schließen. Die Pläne gehen allerdings über ein reines Filialbereinigungsprogramm hinaus. Die Deutsche Bank will Finanzkreisen zufolge nämlich auch „gemeinsame Formate von Postbank und Deutscher Bank“ austesten.

Damit sind im Wesentlichen Zusammenlegungen bei den Service- und Selbstbedienungsstandorten gemeint. Darüber hinaus will die Bank aber auch tatsächliche Filialzusammenlegungen von Deutscher Bank und Postbank testen, wie es heißt.

Liegen eine gelbe Postbank- und eine blaue Deutsche-Bank-Filiale räumlich nahe beieinander, will das Geldhaus ausprobieren, ob sie nicht beide Zweigstellen unter einem Dach vereinen kann. Solche Modell würden aber wohl eher die Ausnahme bleiben, hieß es. Die Deutsche Bank würde damit eine ähnliche Strategie verfolgen wie manche Sparkassen und Volksbanken, die sich ebenfalls an einigen Orten in Deutschland Filialen teilen.

Ab dem zweiten Halbjahr 2020 sollen Kunden der Deutschen Bank außerdem einfache Basis-Dienstleistungen wie Ein- und Auszahlungen oder Überweisungen auch in Postbank und Postpartner-Filialen vornehmen können, wie es in Finanzkreisen hieß. Postbank-Kunden werden allerdings noch länger darauf warten müssen, bis sie ihrerseits Deutsche-Bank-Filialen nutzen können. Technisch sei das schwieriger und erst möglich, wenn die IT beider Häuser vollständig integriert worden sei.

Neue Cloud-Basis

Den größten Einspareffekt – insgesamt 400 Millionen Euro – erhofft sich Knof von einer gemeinsamen IT-Plattform, die er schaffen will. In einem ersten Schritt soll einem Insider zufolge die IT der Postbank komplett auf die Deutsche-Bank-Systeme migriert werden.

Parallel dazu will Knof mit IT-Chef Bernd Leukert ein neues IT-System auf Cloud-Basis entwickeln, auf die das Privatkundengeschäft in einem zweiten Schritt und zu einem späteren Zeitpunkt gehoben werden soll. Im Zuge dieses zweiten und komplexeren Schritts will das Institut die Zahl seiner Produkte reduzieren und Prozesse vereinfachen.

Wie wichtig Kostensenkungen für die Privatkundensparte sind, zeigen die Pläne für die Ertragsseite: Die Bank geht davon aus, dass all ihre geplanten Wachstumsziele den Ertragseffekt aus den Null- und Negativzinsen gerade einmal ausbügeln werden. zu den Zielen gehört etwa eine jährliche Steigerung des Kreditvolumens um fünf Prozent vor allem bei Bau- und Konsumentenkrediten oder auch die Umwandlung von Einlagen in provisionstragende Produkte wie Fonds oder Versicherungen von insgesamt zehn Milliarden Euro. Daran werden auch Gebührenerhöhungen, durch die sich die Bank Mehreinnahmen von 100 Millionen Euro erhofft, nichts ändern können.

Will die bislang separat geführte deutsche Privatkundensparte der Deutschen Bank juristisch in den Gesamtkonzern integrieren. Foto: dpa