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Deutsche Bank wird mehr als 100 Geschäftsstellen schließen

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Das größte deutsche Geldhaus will jede fünfte Filiale streichen – „so schnell wie möglich“. Die Gewerkschaft Verdi pocht auf die Rechte der Mitarbeiter.

Bundesweit ist die Zahl aller Geschäftsstellen von Banken in den vergangenen zehn Jahren bereits um ein Drittel gefallen. Foto: dpa
Bundesweit ist die Zahl aller Geschäftsstellen von Banken in den vergangenen zehn Jahren bereits um ein Drittel gefallen. Foto: dpa

Die Deutsche Bank reagiert mit einem weiteren starken Filialabbau auf die Coronakrise. Das Geldhaus will zeitnah jede fünfte Geschäftsstelle streichen. „Wir werden unser Filialnetz ausdünnen“, sagte Deutsche-Bank-Manager Philipp Gossow auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retail Banking“. Das Ziel sei die Zahl von 400 Filialen. Derzeit hat die größte deutsche Bank 511 Filialen.

„Wir haben Konsolidierungschancen in den Innenstädten“, sagte Gossow. Die Zahl von 400 Filialen erlaube der Bank, „flächendeckend präsent zu sein“. Das Geldhaus strebe den Filialabbau „so schnell wie möglich“ an, man spreche gerade mit den Sozialpartnern.

Dazu, wie viele Jobs durch die neuerlichen Filialstreichungen wegfallen könnten, wollte Gossow sich nicht äußern.

Als Hintergrund der Pläne nannte Gossow, der das Privatkundengeschäft der Marke Deutsche Bank leitet, dass die Kunden Online- und Mobile Banking weitaus mehr akzeptieren würden als bisher. Er rechnet zwar damit, dass Kunden auch weiter durch ihre Bank beraten werden wollen. Aber: „Die Beratung wird mehr außerhalb der Filiale stattfinden.“ Zudem könnten viele einfache Beratungsprozesse automatisiert werden.

Seit Ausbruch der Pandemie seien auch Bargeldabhebungen weniger geworden, Kunden zahlten mehr mit Karten oder dem Smartphone. „Die Nachfrage der Kunden nach Beratung ist seit der Coronakrise deutlich gestiegen. Die Kunden gehen aber für die Beratung seltener in die Filiale.“

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi stellt sich nicht gegen den geplanten Filialabbau, pocht aber auf die Rechte der Mitarbeiter. Jan Duscheck, Fachgruppenleiter Banken von Verdi, sagte: „Wir halten es grundsätzlich für richtig, dass die Deutsche Bank AG ihr Filialnetz überprüft und weiterentwickelt. Dies darf aber keine reine Kosteneinsparmaßnahme bleiben.“

Der Umbau müsse sich daran messen lassen, dass die Beziehungen zu den Kunden auf lange Sicht gestärkt und neue gewonnen werden könnten. „Außerdem müssen die Belange der Beschäftigten berücksichtigt werden. Diese sind durch einen Tarifvertrag nicht nur vor Kündigungen geschützt, sondern es gibt auch Zumutbarkeitskriterien für die Versetzung in andere Standorte“, betonte Duscheck. Das müsse das Management berücksichtigen.

Die Deutsche Bank hat wie viele andere Kreditinstitute auch ihr Filialnetz bereits stark eingedampft. Bundesweit ist die Zahl aller Geschäftsstellen von Banken in den vergangenen zehn Jahren schon um nahezu ein Drittel gefallen, auf knapp 27.000 per Ende 2019. Die Beratungsfirma Moonroc rechnet sogar mit einem Rückgang der Filialzahl auf bis zu 11.000 im Jahr 2030.

Die Digitalisierung des Geschäfts und die zunehmende Nutzung von Onlinebanking führen dazu, dass Filialen zusehends verwaisen. Auch wenn es noch keine detaillierten Zahlen für die Branche gibt – Beobachter gehen davon, dass im Zuge der Coronakrise mehr Kunden ihre Bankgeschäfte per Internet erledigen als zuvor. Je nach Umfrage erklären inzwischen bis zu etwa 90 Prozent der Verbraucher, dass sie digitale Banking-Angebote nutzen.

Daneben öffnet die Deutsche Bank Teile von Postbank-Filialen für ihre Kunden. Die Postbank ist ein Teil der Deutschen Bank. Laut Gossow geht es dabei darum, dass Deutsche-Bank-Kunden auch den Selbstbedienungsbereich von Postbank-Filialen nutzen können, etwa um Kontoauszüge zu ziehen. Gemeinsame Filialen von Deutscher Bank und Postbank seien aber nicht sinnvoll. Er könne sich zwar vorstellen, dass es in einem Gebäude zwei Filialen gibt, „aber mit unterschiedlichen Eingängen“.

Das anhaltend niedrige Zinsumfeld und mögliche Kreditbelastungen infolge der Corona-Pandemie erhöhen den Druck auf Banken, die Kosten zu senken. Auch die Commerzbank will Zweigstellen schließen und arbeitet derzeit eine neue Strategie aus.