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Deutsche Bank verwirft Kostenziel wegen steigender Inflation

(Bloomberg) -- Die Deutsche Bank AG verwirft ihr Kostenziel für dieses Jahr und sieht ihre angestrebte Rendite nun als “Herausforderung” an. Der Ukrainekrieg, die steigende Inflation und Aufwendungen aus Rechtsstreitigkeiten treiben die Ausgaben in die Höhe.

Der verhaltene Ausblick überschattete am Mittwoch eine starke Leistung der Unternehmensbank, die im zweiten Quartal von höheren Zinsen profitierte, und den ebenfalls erfolgreichen Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, der in einem schwierigen Quartal besser lief als bei Konkurrenten an der Wall Street.

Vorstandschef Christian Sewing hält dennoch weiter am wichtigsten Punkt seines vierjährigen Turnaroundplans fest: eine Eigenkapitalrendite von 8% in diesem Jahr. Er profitiert dabei bereits seit Jahren von starken Handelsergebnissen und in jüngster Zeit von den Zinserhöhungen der Währungshüter. Konjunkturschwäche, Inflation und Krieg machen das Unterfangen allerdings nicht einfacher.

“Wir sehen einige Herausforderungen vor uns liegen, und wir haben dies in unserem Ausblick berücksichtigt”, sagte Finanzvorstand James von Moltke in einem Interview mit Bloomberg TV. Die Bank “hatte in der ersten Jahreshälfte einige Rückschläge, die außerhalb unserer Kontrolle lagen, und wir sehen in der zweiten Jahreshälfte weiterhin Druck auf die Kosten.”

Die Aktien der Deutschen Bank schwankten im frühen Handel in Frankfurt und notierten um 10:41 Uhr 3,7% niedriger.

Der Vorsteuergewinn im zweiten Quartal lag mit 1,55 Milliarden Euro deutlich über den Analystenschätzungen von 1,39 Milliarden Euro und bedeutet laut dem Institut das beste zweite Quartal seit 2011.

Bei der Unternehmensbank sorgten höhere Zinsen für einen Anstieg der Nettoerträge um 26% auf 1,6 Milliarden Euro, den höchsten Wert seit der Gründung der Firmenkundensparte im Jahr 2019, als Sewing seinen Restrukturierungsplan vorstellte. Die Privatkundenbank steigerte ihre Erträge um 7% gegenüber dem Vorjahr. Beide Sparten hatten zuvor jahrelang mit den Negativzinsen in Europa zu kämpfen.

Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen stieg um 32% und krönte damit zwei Jahre mit Marktanteilsgewinnen. Bei den fünf größten US-Investmentbanken, die alle Anfang des Monats ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt hatten, stieg der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren im Durchschnitt um 31%.

Allerdings brachen die Erträge aus der Beratung bei Übernahmen und Emissionen um 63% ein. Für das Gesamtjahr erwartet das Geldhaus in ihrer Investmentbank daher im Großen und Ganzen unveränderte Erträge und keine Steigerung mehr.

Das herausfordernde zweite Halbjahr und die sich abschwächende Konjunktur dürften auch zu höheren Kreditausfällen und entsprechenden Rückstellungen führen, erklärte die Bank. Hinzu kommen steigende Kosten für Löhne, aber auch für Geschäftsreisen und Heizung. Das Ziel einer Kosten-Ertrags-Relation von 70% wird in diesem Jahr daher nicht erreicht werden. Stattdessen rechnet die Bank mit einer Zahl im “mittleren bis unteren 70er-Bereich”.

Überschrift des Artikels im Original:

Deutsche Bank Scraps Cost Target as Inflation Headwinds Build

(Neu: Kursreaktion, CFO-Interview)

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