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Deutsche Bank: Platzt jetzt der nächste Deal?

Nikolas Kessler
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Deutsche Bank wird von der Vergangenheit eingeholt

Wie aus dem Geschäftsbericht für 2018 hervorgeht, rechnet die Deutsche Bank für das laufende Jahr mit zunehmenden Strafzahlungen. Dafür wurden 1,2 Milliarden Euro als Rückstellungen gebildet. Dazu passt, dass die Bank aktuell Gegenstand mehrerer Ermittlungen ist.So stehen in Italien mehrere ehemalige Mitarbeiter vor Gericht. Ihnen und Mitarbeitern der japanischen Bank Nomura wird vorgeworfen, die Verluste der Pleitebank Monte dei Paschi von 2008 bis 2012 verschleiert zu haben. Insgesamt müssen sie sich für Marktmanipulation, Fehler in der Buchhaltung und Täuschung der Regulierungsbehörden verantworten. Die Deutsche Bank soll 441 Millionen Euro Strafe zahlen, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht.Laut Handelsblatt ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Köln im Umfeld der Deutschen Bank wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Im Fokus sollen auch Citigroup, JP Morgan und BNY Melon stehen.Die Behörde untersucht dabei Schwindel mit sogenannten Phantomaktien. In der Fachsprache heißen diese Papiere Pre-Released ADRs. Das Kürzel ADR steht für American Depositary Receipts. Die Wertpapiere dienen als Ersatz für Aktien, die nicht in Dollar gehandelt werden. Pre-Released ADRs werden ausgegeben, wenn die Aktien noch nicht verfügbar sind.In den USA hat die Börsenaufsicht SEC bereits 2018 wegen dieser Praktik Strafzahlungen angeordent. Die Deutsche Bank musste 75 Millionen Dollar zahlen.Nur auf der WatchlistDie aktuellen Ermittlungen werfen kein gutes Licht auf die Deutsche Bank und könnten Millionenzahlungen als Strafe nach sich ziehen.Die Aktie der Deutschen Bank notiert mit knapp unter 6,80 nahe dem All-Zeit-Tief von 6,68 Euro. Für den AKTIONÄR ist die Deutsche-Bank-Aktie nur ein Wert für die Watchlist.

Die Gespräche über einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank wurden Ende April beerdigt. Überlebt haben jedoch Spekulationen, wonach die Deutsche Bank ihre Fondstochter DWS verkaufen oder mit einem Konkurrenten fusionieren könnte. Doch auch diese Gespräche sollen nun ins Stocken geraten sein.

Eine mögliche Fusion der Fondsanbieter von Deutscher Bank und UBS wird Insidern zufolge unwahrscheinlicher. Die Gespräche zwischen den beiden beteiligten Großbanken seien ins Stocken geraten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Bei dem Deal soll es darum gehen, die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS mit dem entsprechenden Bereich der schweizerischen Großbank UBS zusammenzuführen.

Streitpunkt sei demnach vor allem, wer bei dem fusionierten Unternehmen künftig das Sagen haben soll. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass es doch noch zu einem Deal komme. Eine offizielle Stellungnahme lehnten die beteiligten Institute ab.

Neues Branchenschwergewicht?

Gemessen an den verwalteten Vermögenswerten sind beide Unternehmen in diesem Bereich etwa gleich groß. So kommt die UBS-Fondssparte auf 722 Milliarden und die DWS auf 704 Milliarden Euro verwaltetes Kundenvermögen. Gemeinsam kämen die beiden Gesellschaften etwa auf die Größe des europäischen Platzhirschen Amundi.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte sich in der Vergangenheit offen für einen Zusammenschluss der DWS mit einem Konkurrenten gezeigt. Die Deutsche Bank wolle an der erwarteten Konsolidierung unter den Vermögensverwaltern teilnehmen, hatte er Ende April gesagt. Er erwarte allerdings, dass der Fondsanbieter weiterhin Teil der Kernstrategie der Deutschen Bank bleibe.

Auch nach dem Börsengang im vergangenen Jahr hält die Deutsche Bank noch rund 80 Prozent an der Fondstochter DWS. Spekulationen über einen (Teil-) Verkauf der Anteile waren während der Fusionsgespräche mit der Commerzbank ausgekommen. Befürworter sehen darin eine gute Möglichkeit für die Deutsche Bank, ihre Kapitalbasis zu stärken. Kritiker eines Verkaufs wenden jedoch ein, dass die Beteiligung zu den verlässlichsten Ertragsbringern des Instituts zählt.

Auf der Watchlist!

Beflügelt von der Fusions-Fantasie und positiven Analystenkommentaren hatte der DWS-Aktie in der Vorwoche ein neue Allzeithoch erreicht. Im schwachen Gesamtmarkt musst sie zuletzt allerdings Federn lassen. Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie nähert sich derweil wieder ihrem Allzeittief bei 6,67 Euro an. Beide Papiere stehen aktuell auf der Beobachtungsliste.

Mit Material von dpa-AFX.