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Auch die Deutsche Bank lockert Negativzinsen: Immer mehr Geldinstitute reagieren auf die Zinswende der EZB

Links das Gebäude der EZB — diese könnte schon im Juli die Zinsen anheben. - Copyright: Westend61 via Getty;  Glasshouse Images via Getty;  Hans-Peter Merten via GettyM Collage: Dominik Schmitt
Links das Gebäude der EZB — diese könnte schon im Juli die Zinsen anheben. - Copyright: Westend61 via Getty; Glasshouse Images via Getty; Hans-Peter Merten via GettyM Collage: Dominik Schmitt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag verkündet, den Leitzins im Juli um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Die Deutsche Bank hat am Montag reagiert und angekündigt, ihre als Verwahrentgelte bezeichnete Negativzinsen für Privatkunden um 0,25 Prozentpunkte zu senken. Auch die Postbank wird die Negativzinsen um entsprechende Prozentpunkte lockern.

"Wenn die EZB den Satz der Einlagenfazilität gemäß ihrer jüngsten Ankündigung im Juli um 0,25 Prozentpunkte anhebt, werden Deutsche Bank und Postbank diese Anpassung an ihre Privatkunden weitergeben und das Verwahrentgelt um 0,25 Prozentpunkte kurzfristig reduzieren", kündigte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses am Montag an.

Die ersten zwei Banken in Deutschland, die Oldenburgischen Landesbank und die VR Bank, lockerten die Negativzinsen bereits vor der Ankündigung der EZB. Nämlich indem sie die Freibeträge, bei denen die Kunden keine Negativzinsen zahlen müssen, deutlich erhöht haben. Das ergibt eine Auswertung von Biallo, einem Verbraucherportal für private Finanzen. Biallo wertet fortlaufend die Verwahrentgelte deutscher Banken aus. Und auch die ING Deutschland lockert, mit laut eigener Angabe neun Millionen Kunden die drittgrößte Bank in Deutschland. In einer Mitteilung gibt die Bank bekannt, dass sie zum 1. Juli 2022 "die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Extra-Konten (Tagesgeld) von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro pro Konto" heraufsetzen will. Grund: Man wolle "die positive Zinsentwicklung an den Kapitalmärkten und die zuversichtliche Markterwartung frühzeitig" an die Kunden weiter geben.

Banken heben bereits Freibeträge an

Kunden der Oldenburgischen Landesbank zahlen auf ihr Tagesgeldkonto jetzt erst ab 500.000 Euro Negativzinsen. Beim Girokonto wächst der Freibetrag gar auf 2,5 bis fünf Millionen Euro an. Auch die VR Bank hebt ihren Freibetrag von 10.000 Euro auf 100.000 Euro an. Damit dürften die meisten Kunden dieser beiden Banken von den Negativzinsen befreit worden sein. Bei der ING Deutschland lässt sich Vorstandschef Nick Jue zitieren: „Mit der Erhöhung des Freibetrags für Guthaben auf dem Giro- und Extra-Konto entfällt das Verwahrentgelt für 99,9 Prozent unserer Kundinnen und Kunden." Und weiter: "Unser Versprechen, mit Wegfall der Minuszinsen das Verwahrentgelt zu streichen, lösen wir für fast alle Kunden damit schon vor einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank ein."

Einlagen werden für Banken wieder profitabel

Doch warum tun die Banken das? Einlagen von Kunden sind immerhin aktuell noch ein Minusgeschäft für Banken, da sie die Einlagen wiederum nur für den negativen Einlagezins bei der EZB lagern können. Das hat hauptsächlich zwei Gründe und könnte sogar dazu führen, dass die Banken vor der EZB mit der Zinswende beginnen.

Der erste Grund: Einlagen könnten für die Banken bald wieder lukrativ werden – wenn das Geschäft mit den Zinsen durch die Zinswende der EZB ein Comeback erlebt. Dann könnte ein regelrechter Run um die Einlagen von Kunden beginnen, die ihr Geld aufgrund wiederkehrender Zinsen auf den Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten lagern wollen.

Banken müssen Kapital erhöhen

Dazu kommt ein zweiter, etwas technischerer Grund. Die Banken werden im nächsten Jahr durch die Bankenaufsicht verpflichtet, höhere Einlagen zur Absicherung zurückzulegen, das sogenannte Basel III Abkommen. Auch das führt dazu, dass sich mehr Banken um Einlagen von Kunden bemühen werden, um ihre Kredite mit ausreichend Kapital absichern zu können.

Das bestätigt auch Sebastian Schick, Chefredakteur vom Verbraucherportal Biallo, im Gespräch mit Business Insider: "Die zwei Banken, die ihre Freibeträge erhöht haben, haben im letzten Jahr ihr Kreditgeschäft stark erhöht. Sie wollen ihr Kreditgeschäft mit neuen Einlagen untermauern." Und auch bei der ING heißt es in der Mitteilung: "Nach dem planmäßigen Rückgang der Kundeneinlagen in etwa gleichen Teilen durch Umschichtungen in Wertpapiere und Abflüsse im ersten Quartal, setzt die Bank jetzt wieder verstärkt auf Einlagenzuflüsse." Hohe Einlagebeträge seien "durch den negativen Einlagenzins der EZB zwar weiterhin mit Kosten verbunden, allerdings kann die ING Deutschland diese Kosten allmählich kompensieren." Deshalb habe die Bank frühzeitig beschlossen, von dem Großteil ihrer Kundinnen und Kunden kein Verwahrentgelt mehr zu verlangen.

Die Lukrativität von Einlagen und die Notwendigkeit für das Kreditgeschäft werden Banken also vermehrt dazu bringen, Kunden mit guten Konditionen für die Konten zurückzugewinnen.

Dieser Artikel wurde am 13. Juni aktualisiert. Zuerst erschien er am 28. April.

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