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Deutsche Bank hebt ihre Prognose für die Konjunktur deutlich an – sieht aber ernste Risiken einer Deindustrialisierung

Dauerhaft höhere Energiepreise, fehlende Fachkräfte und Verwerfungen in der Weltwirtschaft gefährden die deutsche Industrie.  - Copyright: Picture Alliance
Dauerhaft höhere Energiepreise, fehlende Fachkräfte und Verwerfungen in der Weltwirtschaft gefährden die deutsche Industrie. - Copyright: Picture Alliance

Seit Russlands Angriff auf die Ukraine hat die Deutsche Bank die Folgen für die deutsche Wirtschaft stets besonders skeptisch eingeschätzt. Das Team der Deutschen Bank Research warnte früher als andere Ökonomen vor einer harten Rezession und wies vor allem auf die Risiken eines Gasmangels und seiner Folgen hin. Nun haben sich die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland auch in den Augen der Deutschen Bank aufgehellt.

In ihrem "World Outlook" korrigierte DB Research die Prognose für Deutschland am Montag deutlich nach oben. Die Ökonomen erwarten zwar immer noch eine Rezession im Winter. Der Abschwung falle aber milder aus. Für dieses Jahr traut die Deutsche Bank der deutschen Wirtschaft noch ein Wachstum von 1,7 Prozent zu. 2023 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann um 1,0 Prozent schrumpfen. Zuletzt war die Deutsche Bank noch von minus 1,6 Prozent ausgegangen. Noch im Spätsommer, als ein Gasmangel im Winter als wahrscheinlich galt, hatte die Deutsche Bank sogar einen Einbruch des BIP um vier Prozent befürchtet, mit zweistelligen Minuswerten in den Winterquartalen.

Das Team von DB Research nennt vor allem zwei Gründe für die Verbesserung: Zum einen habe sich das Risiko eines Gasmangels deutlich verringert. Zum anderen würden die staatlichen Hilfen für Haushalte höher ausfallen als erwartet. Dies könne den privaten Konsum stabilisieren.

Die Deutsche Bank rechnet für 2023 mit Inflationsraten zwischen acht und neun Prozent. Gegen diesen Verlust der Kaufkraft wirkten eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um etwa 5,5 Prozent im kommenden Jahr sowie die staatlichen Hilfsprogramme. DB Research rechnet dennoch damit, dass die realen verfügbaren Einkommen unter dem Strich um ein bis zwei Prozent schrumpfen. Weil die Sparquote kaum weiter sinken dürfte, nehme der private Konsum um rund 1,5 Prozent ab.

Skeptisch bleibt die Deutsche Bank hinsichtlich der Perspektiven für die deutsche Industrie, vor allem energieintensiven Branchen wie Chemie, Metallverarbeitung, Keramik oder Papier. Insgesamt habe die Industrie die höheren Energiepreise zwar überraschend gut abgefedert. In den energieintensiven Branchen ging die Produktion gleichwohl zum knapp zehn Prozent zurück.

Debatten über eine Deindustrialisierung habe es in Deutschland bereits mehrfach gegeben, schreiben die Ökonomen. In der Vergangenheit hätten sich solche Befürchtungen im Nachhinein meist als falsch erwiesen. Gerade die kleineren und mittelständischen Industrieunternehmen hätten sich als sehr flexibel und kreativ erwiesen.

Diesmal sei die Lage aber kritischer. Der Grund dafür sei die Kombination aus strukturell höheren Preisen für Energie, Rückschläge bei der Globalisierung und des Mangels an Fachkräften in Deutschland. Auf der anderen Seite biete die wachsende globale Nachfrage nach klimafreundlicher Technologie für die deutsche Industrie aber auch Chancen.

Größere Probleme erwarten die Ökonomen weiterhin in der Industrie mit einem Rückgang der Produktion um vier Prozent, getrieben vor allem von einem Einbruch der Bauindustrie um 4,7 Prozent im kommenden Jahr. Stabilisierend wirkten die steigenden Ausgaben des Staates und der geringfügig sinkende Konsum der Haushalte.