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Deutsche Bank besteht Stresstest in den USA

Die US-Notenbank bescheinigt dem Institut Fortschritte, doch angesichts der hohen Unsicherheiten in der Coronakrise kommen weitere Überprüfungen auf alle Finanzhäuser zu.

Durch den bestandenen Test gelten für die Deutsche Bank ab dem kommenden Jahr die gleichen Regeln wie für die US-Institute. Foto: dpa


Gute Nachrichten für die Deutsche Bank: Das Institut hat zum zweiten Mal in Folge den Stresstest der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bestanden. Das ist ein wichtiger Erfolg für Amerikachefin Christiana Riley, die die Verbesserung der Beziehungen zu den Regulierern in den USA zur obersten Priorität gemacht hatte.

Alle ausländischen Banken bestanden den Test. In der Vergangenheit hatte die Fed bei der Deutschen Bank, aber auch bei anderen ausländischen Instituten, Mängel im sogenannten qualitativen Teil des Tests festgestellt. Mängel gab es damals unter anderem „bei der Identifikation von Risiken, denen die Institute ausgesetzt sind, bei projizierten Verlusten und Erlösen“, sowie bei Prozessen rund um die Kapitalplanung, heißt es in einer Stellungnahme der Fed in Washington, die am Mittwochnachmittag (Ortszeit) veröffentlicht wurde.

In diesem Jahr hatte die Fed jedoch keine Einwände. Die ausländischen Banken, zu denen neben der Deutschen Bank unter anderem auch die Schweizer UBS sowie die Britische Barclays gehören, „haben ihren Prozess rund um die Kapitalplanung verbessert“, bescheinigte die Fed. US-Banken mussten sich diesem qualitativen Teil des Tests nicht mehr unterziehen.

Mit zwei bestandenen Tests in Folge wird die Deutsche Bank im nächsten Jahr von gewissen Erleichterungen profitieren. Banken, die diese Hürde bestehen, müssen künftig nicht mehr veröffentlichen, ob sie den Test bestanden haben oder nicht. Das wird die Bank künftig nur mit der Fed besprechen. Das sei „ein wichtiger Schritt nach vorne und zeigt, dass die Transformation unserer Bank genau im Plan liegt“, schrieben Riley und CEO Christian Sewing an ihre Mitarbeiter.

Fed-Vize Randy Quarles, der für die Bankenaufsicht zuständig ist, fand lobende Worte für die größten Institute des Landes. Anders als in der Finanzkrise sei das Bankensystem dieses Mal „keine Belastung, sondern eine Quelle der Stärke“. Die Banken seien von der Notenbank ermutigt worden, die Kreditvergabe auszuweiten und ihre Kapital- und Liquiditätsreserven anzuzapfen und hätten „in diesen schwierigen Zeiten mit den Kreditnehmern zusammengearbeitet“.

Fed verbietet Aktienrückkaufprogramme wiederaufzunehmen

Doch angesichts der schweren Rezession in den USA und den wirtschaftlichen Unsicherheiten, die mit der Pandemie zusammenhängen, kündete die Fed eine Reihe von Einschränkungen für die 33 getesteten Finanzinstitute an. So seien sie zwar derzeit ausreichend kapitalisiert. Dennoch hielt die Fed sie an, Kapital zu konservieren.

So verbietet die Fed den Banken, im kommenden Quartal die Aktienrückkaufprogramme wieder aufzunehmen. Die sechs großen Wall-Street-Institute hatten im März freiwillig angekündet, die Rückkäufe bis Ende Juni auszusetzen. Der Fed zufolge sei es nun noch zu früh, diese wieder aufzunehmen. Auch die Dividendenzahlungen sollen eingeschränkt werden. Dabei sollen die Nettogewinne des zweiten Quartals, das Ende Juni zu Ende geht, mit in die Entscheidung einbezogen werden, ebenso wie die Gewinne der vorhergehenden drei Quartale.

„Die Dividenden können nicht erhöht oder ausgezahlt werden, wenn die Banken nicht genügend verdienen“, stellte Quarles klar. Die Fed geht davon aus, dass einige Institute im zweiten Quartal rote Zahlen schreiben könnten, weil sie erneut eine hohe Vorsorge für mögliche Kreditausfälle bilden müssen.

Die größten sechs US-Banken haben im vergangenen Jahr 120 Prozent ihrer Gewinne in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Davon rund 70 Prozent über Rückkäufe.

Streit um Dividenden

Zudem müssen die Banken ihre Kapitalpläne updaten und in den kommenden Wochen noch einmal einreichen. Einen genauen Termin gibt es dafür jedoch noch nicht. Die ursprünglichen Tests bezogen sich auf die Bilanzsummen von Ende Dezember, und damit deutlich vor der Coronakrise.

Nun jedoch sollen die Effekte der Pandemie miteinkalkuliert werden. Die Notenbank kündigte zudem an, die Situation der Banken in jedem Quartal erneut zu überprüfen und immer neu zu entscheiden, ob Aktienrückkäufe wieder aufgenommen werden können oder nicht.

Die Fed entschied sich jedoch dagegen, Dividenden komplett zu streichen. Die frühere Fed-Chefin Janet Yellen, Sheila Bair – die frühere Chefin der US-Einlagensicherung – und andere Experten hatten das in den vergangenen Wochen gefordert. Auch die Europäische Zentralbank hatte den Banken verboten, Dividenden auszuschütten. Dort werden sie jedoch nur einmal im Jahr ausgezahlt, in den USA dagegen vierteljährlich. Die Fed sah das als einen Grund für die größere Flexibilität.

Doch auch innerhalb der Notenbank gab es Widerstand bei dieser Entscheidung. Fed-Gouverneurin Lael Brainard hätte es begrüßt, wenn auch die Dividendenzahlungen komplett gestrichen worden wären, wie sie in einer separaten Erklärung mitteilte. Sie sieht nun „ein hohes Risiko, dass Banken entweder frisches Kapital aufnehmen, oder die Kreditvergabe zurückfahren müssen“, sagte sie. Brainard ist das einzige Mitglied im Führungsgremium der Fed, das noch von Präsident Trumps Vorgänger, Barack Obama, ernannt wurde.

Fed reagiert auf Coronakrise

Die Tests in diesem Jahr sind weniger aussagekräftig als in den Jahren zuvor, da sie sich vor allem auf die Zeit vor der Coronakrise beziehen. Um die Effekte der Pandemie zumindest in Teilen mit zu berücksichtigen, führte die Fed kurzerhand eine sogenannte Sensibilitätsanalyse ein. Diese prüft, wie die Banken in drei verschieden Szenarien durch die Krise kommen.

Allerdings veröffentlichte die Fed die Ergebnisse nur branchenübergreifend statt für jede einzelne Bank. In den beiden schlimmsten Szenarien, einer u- und einer w-förmigen Erholung der Wirtschaft, würden die 33 getesteten Banken Verluste von bis zu 700 Milliarden Dollar anhäufen.

Die meisten Banken wären „auch dann noch gut kapitalisiert, aber einige von ihnen würden nahe an die Mindestvorgaben kommen“, hieß es in der Analyse der Fed. Allerdings sind darin nicht die positiven Effekte der Stimuluspakete der Regierung mit eingerechnet, da sich dies nur schwer in Modelle umsetzen lasse, heißt es bei der Fed.

Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr auch der sogenannte Stress Capital Buffer. Die Fed ermittelt dabei für jede Bank einen individuellen Kapitalpuffer, den sie zusätzlich zu den Mindestvorgaben halten muss. Wie hoch dieser sein wird, veröffentlichen die Institute erst am Montag nach Börsenschluss.

Analysten gehen davon aus, dass Goldman Sachs etwas mehr Kapital vorhalten könnte als zunächst gedacht. Die Kernkapitalquote sackt im schlimmsten Szenario des Stresstests von 13,3 auf 6,9 Prozent. Dagegen könnten die Dividenden trotz der neuen Vorschriften bei einem Großteil der Institute konstant bleiben.