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Deutsche Bank distanziert sich von Präsident Trump

·Lesedauer: 5 Min.

Der größte Geldgeber des Präsidenten will kein neues Geschäft mehr mit Trump und dessen Familienunternehmen. Damit ist die Bank nicht allein.

Die Marke Trump war einst Milliarden Dollar wert. In den vergangenen Tagen jedoch hat der US-Präsident seiner Marke und damit seinem Familienunternehmen, der Trump Organisation, schwer geschadet. Seitdem Donald Trump vergangene Woche seine Anhänger zum Sturm aufs Kapitol aufgerufen hat, wendet sich eine ganze Reihe von Unternehmen von ihm ab.

Die Deutsche Bank, Trumps größter Geldgeber, will kein neues Geschäft mehr mit Trump und seinem Unternehmen eingehen, vor allem weil die Reputationsrisiken für das Geldhaus zu hoch seien, wie es in Finanzkreisen heißt. Ein Sprecher der Bank wollte das nicht kommentieren.

Bei der Deutschen Bank hat Trump noch Kredite in Höhe von insgesamt 340 Millionen Dollar ausstehen, die er persönlich garantiert. Dabei handelt es sich um drei separate Darlehen: für einen Golfclub in Miami, das Luxushotel in Washington DC, das erst 2016 eröffnet wurde, sowie ein Hotel in Chicago.

Die ersten beiden Kredite werden 2023 fällig, der letzte 2024. Trump habe bislang nur die Zinsen zurückgezahlt, heißt es in Finanzkreisen, und sei damit bislang nicht in Verzug geraten.

Da der Präsident die Kredite persönlich garantiert, hätte die Bank Zugriff auf die Immobilien, falls Trump das Geld nicht zurückzahlen könnte. Neue Kredite werde es jedoch nicht geben, wie es in Bankenkreisen heißt. Darüber hatte am Montag zunächst die „New York Times“ berichtet. Auch die New Yorker Signature Bank, die seit Langem mit seiner Familie verbunden war, kündigte an, alle Verbindungen zu Trump zu kappen.

Schon vor dem offiziellen Start seiner Kandidatur 2016 hatte es die Deutsche Bank abgelehnt, Trump weitere Kredite zu geben. Donald Trump hat der Bank in den vergangenen Jahren viel Ärger eingebracht, auch aus der Politik, die die Beziehung zwischen dem Präsidenten und der Bank zum Gegenstand diverser Untersuchungen machte.

Politischer Ärger für die Bank

Bereits im Dezember hatte die persönliche Bankerin des Trump-Clans, Rosemary Vrablic, ihren Posten bei der Deutschen Bank aufgegeben. Die Senior-Bankerin für die wohlhabende Kundschaft hatte Trump Kredite im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar gesichert.

Im vergangenen August hatte die Bank eine interne Untersuchung wegen eines privaten Immobiliendeals zwischen Vrablic und einer Firma eingeleitet, an der Trumps Schwiegersohn Jared Kushner beteiligt war. Eigentlich dürfen Bankmitarbeiter keine privaten Geschäfte mit Kunden machen.

Im Juni 2013 hatte Vrablic zusammen mit zwei anderen Deutsche-Bank-Mitarbeitern für 1,5 Millionen Dollar ein Apartment auf der Park Avenue gekauft, das der Firma Bergel 715 Associates gehörte, an der Kushner beteiligt war. Ihr Kollege Dominic Scalzi, der ebenfalls in dem Dokument als Käufer genannt ist, wird auch Ende Dezember die Deutsche Bank verlassen. Die Bank wollte die Gründe für Vrablics Abgang nicht kommentieren.

Die Bankerin spielte bei den Geschäften mit Trump eine entscheidende Rolle. Vrablic war im Jahr 2006 von der Bank of America zur Deutschen Bank gewechselt, als sie bereits für die Kushner-Familie arbeitete. Im Jahr 2011 warb sie dann den Immobilienunternehmer und Reality-TV-Star Donald Trump als Kunden an. Der damalige Immobilienmagnat galt zu diesem Zeitpunkt als nicht besonders kreditwürdig, andere Geldhäuser wollten ihn kaum mehr finanzieren.

Schlechte Erfahrungen mit Trump

Auch die Deutsche Bank hatte bereits schlechte Erfahrungen mit dem US-Präsidenten gemacht. Denn eigentlich hatte das Institut die Verbindung zu Trump bereits gekappt, weil der die Bank verklagte, als er 2008 mit einem 640-Millionen-Kredit in Zahlungsrückstand geriet.

Für seine Klage hatte Trump damals eine originelle Begründung. Er warf dem Geldhaus vor, mitverantwortlich für die Finanzkrise zu sein, deshalb schulde das Institut eigentlich ihm Geld. 2010 schloss die Bank nach einem weiteren Rechtsstreit einen Vergleich mit Trump.

Die Verbindung zum Trump-Clan hat der Deutschen Bank jede Menge politischen Ärger beschert. Zuletzt hatten im vergangenen April einflussreiche demokratische US-Senatoren einen Brief an Vorstandschef Christian Sewing geschrieben, in dem sie zusätzliche Informationen über die Geschäftsbeziehungen zum US-Präsidenten einforderten.

Damals hatten Finanzkreisen zufolge Trumps Firmen erste informelle Gespräche mit der Bank über eine mögliche Aufschiebung von Kreditzahlungen und anderen Verpflichtungen geführt, weil das Immobilienimperium des US-Präsidenten unter den Folgen der Coronakrise litt. In dem Brief war von „schwerwiegenden Bedenken“ die Rede, wie viel finanzielle Macht die Bank über den Präsidenten und dessen Familie habe.

Auch andere Unternehmen distanzieren sich

Außerdem stelle sich die Frage, ob die Deutsche Bank die Trump Organization besser behandle als andere Unternehmen, die sich in einer ähnlichen Lage befänden. Die Senatoren befürchteten, dass Trump der Bank umgekehrt in regulatorischen Fragen entgegenkommen könnte.

Bereits vor der Deutschen Bank ging der Bezahldienst Stripe auf Distanz zu Trump. Das Unternehmen hatte angekündigt, dass es nicht mehr als Onlineshop für die Trump-Kampagne und für das Einsammeln von Spendengeldern für den US-Präsidenten zur Verfügung stehe. Der Golf-Verband PGA sagte eines der wichtigsten Turniere in Trumps Golfclub ab. Twitter und Facebook verbannten ihn dauerhaft von ihren Plattformen, wo Trump nicht nur seine Basis bei Laune hielt, sondern auch regelmäßig Werbung für seine Hotels und Clubs machte. Shopify kündigte bereits an, allen Onlineshops zu kündigen, die eine Verbindung zu Trump unterhalten.

Dass sich die Marke Trump jemals von den Ereignissen der vergangenen Woche erholen kann, bezweifeln Branchenexperten. Bei dem Angriff auf den US-Kongress kamen mehrere Menschen ums Leben. Trump steht vor einem zweiten Amtsenthebungsverfahren, zudem könnten ihm auch juristische Konsequenzen drohen, weil er zur Gewalt aufgerufen hat.

Rekordeinnahmen bei Spenden

Direkt nach dem Wahltag am 3. November hatte Trump Spenden in Rekordhöhe eingesammelt. Die falschen Behauptungen um die gestohlene Präsidentschaftswahl hatten seine Basis mobilisiert. 207,5 Millionen Dollar nahmen er und die Republikanische Partei in den vier Wochen nach der Wahl an Spenden ein. Dank einer neu gegründeten Organisation, Save America, hat Trump größte Flexibilität, das Geld einzusetzen.

„Nach derzeitiger Interpretation der Gesetze ist es nicht verboten, dass er sich selbst ein exzessives Gehalt zahlt“, erklärt Brendan Fischer von der Organisation Campaign Legal Center, die sich für eine strengere Regulierung bei Wahlkampfspenden einsetzt. Auch könnte Trump Spendenveranstaltungen in seinen Hotels abhalten und dafür hohe Rechnungen ausstellen.

Das wiederum könnte dabei helfen, seine Schulden bei der Deutschen Bank zurückzuzahlen. Beobachter in Washington gehen nun jedoch davon aus, dass Trump außer kleinen Summen seiner Hardcore-Fans keine nennenswerten Geldgeber mehr gewinnen kann.