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Deutsche Bahn hält Kurs auf Pünktlichkeitsziel

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Corona hat das Bahnfahren verändert: Weniger Mitfahrer, es herrschen Maskenpflicht und die Sorge um ausreichende Abstände. Einen Trost aber gibt es.

Die Deutsche Bahn lässt ihre Kunden deutlich seltener warten als im vergangenen Herbst – aber es stehen auch viel weniger Fahrgäste auf den Bahnsteigen. Im Oktober waren nach Konzernangaben wie schon im Vormonat 78,8 Prozent der Fernzüge pünktlich. Damit verbesserten sich die ICE und Intercities um 5,8 Prozentpunkte verglichen mit dem Oktober 2019.

Corona hat jedoch einiges verändert: Es fahren nur halb so viele Fahrgäste mit wie vor der Krise. Und einzelne Maskenverweigerer machen dem Personal noch immer das Leben schwer. So werden Zugbegleiter gefilmt und öffentlich denunziert, wenn sie zum Maskentragen auffordern, wie Vorstandsmitglied Kristian Loroch am Donnerstag bei einer Tagung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sagte. „Wir kriegen mit, dass die Gesellschaft sich spaltet.“

Loroch kritisierte Versuche von Verkehrsverbünden, die Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht auf die Zugbegleiter abzuwälzen, die „kleinsten Rädchen im System“. Dies sei Aufgabe der Staatsgewalt. Ruft ein Zugbegleiter die Bundespolizei zu Hilfe, kann dies im äußersten Fall dazu führen, dass sich die Weiterfahrt für alle Fahrgäste verzögert. Wie häufig diese neue Verspätungsursache auftritt, geht aus der Pünktlichkeitsstatistik aber nicht hervor, die die Bahn am Donnerstag veröffentlich hat.

Das Unternehmen wertet einen Halt als pünktlich, wenn der Zug weniger als sechs Minuten nach Plan eintrifft. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn ihr Pünktlichkeitsziel knapp verfehlt.

In diesem Jahr dürfte sie es erreichen: Außer im August lag sie bisher stets und teilweise deutlich über dem angepeilten Durchschnittswert von 78 Prozent – auch schon vor der Coronakrise im Januar und Februar. Nach großen Problemen mit Verspätungen in den vergangenen beiden Jahren ist eine Rückkehr zum besseren Niveau der Jahre 2016 und 2017 in Sicht.

Allerdings wird das Bundesunternehmen einen Milliardenverlust einfahren, weil Fahrgäste fehlen. Ob angesichts der November-Beschränkungen für das öffentliche Leben noch weniger Menschen zusteigen, wollte die Bahn nicht mitteilen.

Das Bundesunternehmen hatte Anfang November angekündigt, bis auf wenige Züge den gewohnten Fahrplan zu fahren. Das helfe den Fahrgästen, unterwegs Abstand voneinander zu halten.

Die FDP im Bundestag kritisierte das große Angebot. „Nahezu leere Geisterzüge durch das Land fahren zu lassen, ist weder im Interesse der Fahrgäste noch des Steuerzahlers“, sagte der Verkehrspolitiker Torsten Herbst.

Die Züge im Fernverkehr fahren in normalen Monaten durchschnittlich etwa 20.000 Mal durchs Land, im Nahverkehr der Deutschen Bahn einschließlich S-Bahn sind es 780.000 Fahrten. Hier waren im Oktober 94,7 Prozent der Züge pünktlich, etwas weniger als in den Vormonaten.

Das Thema Sicherheit in den Zügen will die EVG noch stärker ins Zentrum ihrer Arbeit stellen, wie bei einem außerordentlichen Gewerkschaftstag am Donnerstag angekündigt wurde. Im Mittelpunkt der digitalen Tagung stand aber die Wahl eines neuen Vorsitzenden für die größte Bahn-Gewerkschaft. Der bisherige Vizechef Klaus-Dieter Hommel will die Gewerkschaft in den nächsten zwei Jahren führen. Die 300 Delegierten sind zur Briefwahl aufgerufen.