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Deutsche Anleihen: Kursverluste nach US-Arbeitsmarktbericht

FRANKFURT (dpa-AFX) -Die Kurse von deutschen Staatsanleihen sind am Freitag nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts merklich gesunken. Der richtungweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future DE0009652644 fiel bis zum Nachmittag um 0,63 Prozent auf 130,22 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg 2,61 Prozent. In fast allen Ländern der Eurozone legten die Renditen deutlich zu.

In den USA ist die Zahl der Beschäftigten im Mai deutlich stärker gestiegen als erwartet. Zudem ist das Lohnwachstum höher als prognostiziert ausgefallen. Der robuste Arbeitsmarkt stützt über die Lohnentwicklung auch die Preise. Eine baldige Leitzinssenkung durch die US-Notenbank Fed wird daher unwahrscheinlich. Die Fed wird am kommenden Mittwoch über die Zinsen entscheiden.

"Der solide Arbeitsmarktbericht wird die US-Notenbank Fed in ihrer Ausrichtung bestätigen: Zuwarten", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Solange die US-Wirtschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt rund laufen, gibt es keine Notwendigkeit, den Leitzins zu senken." Die schwindende Aussicht auf Zinssenkungen belastete die Anleihekurse.

Das weitere Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist jedoch unklar. Am Vormittag meldeten sich einen Tag nach dem Zinsentscheid einige EZB-Vertreter zu Wort. Viele von ihnen bestätigten die vorsichtige Herangehensweise an die Tags zuvor eingeleitete Zinswende. So bekräftigte Bundesbankchef Joachim Nagel, dass sich die EZB mit Blick auf weitere Lockerungen nicht im Autopilot-Modus befinde. Die Notenbank hatte am Donnerstag ihre Leitzinsen erstmals nach der großen Inflationswelle gesenkt, den weiteren Kurs aber offen gelassen.

Enttäuschende Industriedaten stützten die Anleihen nicht. Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im April leicht zurückgefahren. Analysten hatten dagegen einen leichten Zuwachs erwartet. Laut Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen dürfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal kaum zulegen. "Für die zweite Jahreshälfte besteht aber die Hoffnung auf eine wieder höhere Produktion, die dazu beitragen sollte, dass auch die deutsche Wirtschaft wieder expandiert."