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Dieser Designer macht Uhren der ganz besonderen Art

Der Designer weiß um seine Sonderstellung im Uhrenmarkt. Jetzt will er in die USA expandieren – und sucht einen Vertriebspartner.

Im Uhrenmarkt haben es kleine Firmen schwer, sich durchzusetzen. Sie müssen sich nicht nur gegenüber großen Konzernen wie der Swatch-Gruppe behaupten. Sie brauchen auch noch ein eigenes Design, um sich von der Masse des Markts abzuheben. Klaus Botta hat es da etwas leichter – mit seinen Einzeigeruhren fällt er auf.

„Unsere Uhren sind erklärungsbedürftiger als gewöhnliche Modelle“, sagt Botta selbstkritisch. „Mit unserem unkonventionellen Design sprechen wir schätzungsweise fünf Prozent aller Uhrenkunden in Deutschland an.“ Der 60-jährige Designer weiß um seine Sonderstellung im Markt.

Schließlich müssen sich seine Kunden erst daran gewöhnen, die Zeit auf der typischen Botta-Uhr abzulesen. Denn sie zeigt statt mit zwei Zeigern mit nur einem an, wie spät es ist.

Analytisches Herangehen

Für Kunden, die es sekundengenau nehmen, sind die Uhren ungeeignet. „Die Einzeigeruhr macht etwas mit dem Menschen. Der Träger wird ruhiger und entspannter“, beobachtet ihr Erfinder Klaus Botta. Der gebürtige Bamberger ist seit 1998 mit seinen Uhren unter eigenem Namen im Geschäft. Doch erst jetzt will er verstärkt ins Ausland expandieren. „Wir wollen 2020 über Stützpunkt-Händler in den USA starten“, kündigte er im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Botta geht ein Thema lieber gründlich und umfassend an, als schnell auf einen Trend zu reagieren. Das liegt vielleicht auch daran, dass er nicht nur Industriedesign, sondern auch Technische Physik studiert hat. Gutes Design besitzt für ihn ein hohes Maß an Logik und Intuition: „Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss man sauber analytisch denken und strukturiert arbeiten können.“

Schon während seines Studiums begann er, Produkte für die Industrie zu entwerfen. Sein 1998 gegründetes Unternehmen Botta Design in Königstein im Taunus hat schon für Unternehmen wie die Debeka Versicherungen und Siemens gearbeitet.

Auch heute noch entwirft sein Team mit sieben Mitarbeitern neben Uhren noch viele andere Produkte. Wichtig ist für ihn, ein Produkt „von Grund auf neu zu entwickeln“ und auf das Wesentliche zu reduzieren. So sind seine Uhren sehr schlicht.

Er sieht sich da in der Bauhaus-Tradition. Er legt Wert darauf, dass die Uhren von zwei Produktionsbetrieben in Deutschland hergestellt werden. Trotzdem will er mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. „Wir produzieren durchaus in der Qualität der Nobelmarken, können jedoch unsere Uhren zu deutlich günstigeren Preisen anbieten, weil wir wesentlich weniger Geld in die Vermarktung stecken“, wirbt er für seine Chronometer.

Die meisten Uhren verkauft er für Preise zwischen 400 und 1 000 Euro. Preislich bewegt sich das im Mittelfeld des Uhrenmarkts. Bei rund 4000 Exemplaren, die Botta pro Jahr verkauft, und einem angenommenen Durchschnittspreis von 700 Euro pro Uhr ergibt das einen Umsatz von knapp drei Millionen Euro.

Das Geschäft ist anscheinend lukrativ: Im vergangenen Jahr hat er nach eigenen Angaben genauso einen Gewinn erzielt wie in all den Jahren seit der Gründung seines Unternehmens.

Vertriebspartner gesucht

Dabei ist das Geschäft in Deutschland, wo Botta die Hälfte seiner Uhren verkauft, schwieriger geworden. So ist der Umsatz im deutschen Markt nach Berechnungen von Statista in den vergangenen Jahren stetig auf zuletzt nur noch rund 1,2 Milliarden Euro gesunken.

Um das Geschäft auszubauen, sucht Botta Partner aus dem Handel: „Wir können uns eine Zusammenarbeit in Vertrieb und Marketing vorstellen.“ Die meisten Uhren verkauft er derzeit über den eigenen Onlineshop und über 100 Handelspartner in Deutschland.

Botta nimmt sich auch privat viel Zeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Eigentlich wollten sich Botta und Jürgen Schmachtel von der Augsburger Unternehmensberatung Extrapreneurs beim ersten Kennenlernen nur zwei Stunden unterhalten. „Wir sind jedoch mehr ins Detail gegangen als geplant, sodass wir einen sehr kurzweiligen und intensiven Nachmittag bis weit in den Abend hinein verbrachten“, erzählt Schmachtel.

Aber Botta diskutiert und philosophiert nicht nur gerne. Er treibt auch viel Sport. Das reicht von Jogging bis zum Snowboard- und Rennradfahren. Dabei kommen ihm auch schon mal die Ideen für eine neue Uhr oder ein neues Industriedesign.