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"Der Teufel trägt Prada": So genau ist der Kultfilm

Original und Fälschung: Links ist die berühmt-berüchtigte Vogue-Chefin Anna Wintour zu sehen, rechts Meryl Streep, die sie in "Der Teufel trägt Prada" spielte. (Bild: Francois Durand/Getty Images)

Der Kultfilm “Der Teufel trägt Prada” zeichnet ein schrilles Bild der Modebranche und ihrer Königin, Anna Wintour. Ein neues Buch ihres besten Freundes stellt jetzt ein paar Dinge klar.

Es ist vielleicht eine ihrer berühmtesten Rollen. In “Der Teufel trägt Prada” aus dem Jahr 2006 verkörperte Meryl Streep die Modemagazin-Chefin Miranda Priestley, so überzeugend, dass sie dafür mal wieder für einen Oscar nominiert wurde und einen Golden Globe gewann. Brisant war nur, dass Streep für jeden ersichtlich eine Figur spielte, die auf einer realen und in der Modewelt gefürchteten Person beruhte: Vogue-Chefin Anna Wintour.

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Doch wie viel von Wintour tatsächlich in Streeps cholerischer Priestley steckte, blieb ihr Geheimnis. Jetzt aber veröffentlicht Andre Leon Talley, ein enger Freund Wintours und langjähriger Mitherausgeber der Vogue ein autobiografisches Buch. In “The Chiffon Trenches” (übersetzt etwa: Die Chiffon-Schützengräben”) beschreibt Talley sein Verhältnis zu Wintour und kommt auch auf den Kultfilm und seine Ungenauigkeiten in der Darstellung seiner berühmten Freundin zu sprechen.

Der inzwischen 70-jährige schreibt laut People Magazin: “Anna Wintour würde nie einen Raum betreten und ihren Mantel und die Handtasche auf den Schreibtisch pfeffern.” In der Vogue Redaktion seien auch niemals Angestellte in Stöckelschuhen über die Flure geprescht, um rechtzeitig in Wintours Büro zu eilen und Ärger zu vermeiden, schreibt Talley. “Nein, sie haben es so falsch gezeigt.”

Dabei will Talley keineswegs die Leistung von Meryl Streep schmälern. Sie habe großartige Arbeit in dem Film geleistet, stellt er in seinem Buch klar. Nicht so begeistert war er hingegen von Stanley Tucci, der sein Alter Ego darstellte: “Dieser Mann der mich gespielt hat... das hatte nichts mit der realen Welt der Vogue zu tun.” Ursprünglich sei er sogar selbst von den Filmproduzenten gefragt worden, ob er die Rolle übernehmen wolle, doch er lehnte dankend ab.

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Manche Details gibt “Der Teufel trägt Prada” aber offenbar akkurat wieder. Jedes einzelne Kleidungsstück, dass Wintour getragen habe, “abgesehen von ihrer Unterwäsche”, sei zur Chemischen Reinigung geschickt worden. Die frisch gereinigten Kleider habe dann eine Assistentin samt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift und einem Strauß Blumen zu ihr nach Hause bringen müssen. Und dass sie sich ihren Ruf verdient hat, zeigt der Spitzname “Nuclear Wintour” der hinter ihrem Rücken im Haus kursiert sei, schreibt Talley. Auch eine Art Dresscode für die Angestellten habe es gegeben, wie es im Film gezeigt wird, in dem Anne Hathaway als junge Assistentin für ihr Outfit gerügt wird.

Für ihren Auftritt in "Der Teufel trägt Prada" bekam Meryl Streep einen Golden Globe als bester Schauspielerin. (Bild: GABRIEL BOUYS/AFP via Getty Images)

Wintour selbst brauchte eine Weile, bevor sie ihren Frieden mit der Darstellung ihrer Person in “Der Teufel trägt Prada” machen konnte. Zunächst drohte sie noch jedem Designer, der in dem Film vorkam damit, nie wieder über sie zu berichten und war wütend auf ihre ehemalige Assistentin Lauren Weisberger, die die Buchvorlage für den Film geliefert hatte. Doch im Alter scheint die Vogue-Ikone etwas milder geworden zu sein. Die 70-jährige Wintour nannte den Film “wirklich unterhaltsam” und beteuerte, dass sie zu 100 Prozent dahinter gestanden habe, da “alles, was Fashion unterhaltsam und glamourös und interessant aussehen lässt wundervoll ist.”

2017 kam es zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen Wintour und Streep. In einem Interview für die Vogue fragte die Chefredakteurin die dreifache Oscar-Gewinnerin, welche die herausfordernste Frauenrolle gewesen sei, die sie je spielen musste. Streep deutete auf die Interviewerin und begann den Satz mit: “Ich sollte wohl sagen...”, nur um dann von Wintour unterbrochen zu werden: “Nein, lass uns lieber nicht davon sprechen, Meryl.”

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