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Demokratische Kandidaten werden mit Spenden überflutet

·Lesedauer: 4 Min.

Die US-Demokraten wollen den Republikanern die Mehrheit im Senat abknöpfen. Und wie es aussieht, wird es bestimmt nicht an mangelndem Geld liegen, wenn sie dieses Ziel verpassen sollten.

Das Capitol in Washington Foto: dpa
Das Capitol in Washington Foto: dpa

Ist der Spendenfluss ein Indikator, dann müssen die Republikaner am 3. November wirklich arg um ihre Dominanz im US-Senat fürchten. Demokratische Kandidaten für die kleinere Kongresskammer sind in diesem Wahlkampf geradezu mit Geld überflutet worden – ein Phänomen, das auf ein hohes Maß an Energie in der demokratischen Basis hinweist, die auf einen doppelten Sieg in knapp drei Wochen hofft. Gelänge es, den Republikanern ihre Mehrheit von derzeit 53 zu 47 Sitzen im Senat abzuknöpfen, wäre das ein Schlüssel für den Demokraten Joe Biden, seine politische Agenda durchzusetzen – wenn er gegen Donald Trump gewinnt.

Neben der Präsidentenwahl werden am 3. November auch die 435 Vertreter im Abgeordnetenhaus und ein Drittel der Senatoren neu gewählt. Abgeordnete dienen stets zwei und Senatoren sechs Jahre lang, bevor sie sich, wenn sie es wollen, zur Wiederwahl stellen müssen. Im Abgeordnetenhaus haben derzeit die Demokraten die Mehrheit, und es wird nicht erwartet, dass sie diese verlieren.

Der Geldfluss ermöglicht den demokratischen Senatskandidaten Offensiven auch in republikanisch dominierten Bundesstaaten, wo das noch vor Monaten kaum möglich schien. Besonders augenfällig ist die Entwicklung in South Carolina.

Dort fordert der Demokrat Jaime Harrison den langjährigen republikanischen Senator Lindsey Graham heraus, der noch vor vier Jahren zu den Trump-Kritikern im konservativen Lager zählte und inzwischen eine totale Kehrtwendung vollzogen hat. Zurzeit ist Graham an vorderster Front mit dabei, Trumps Kandidatin für das höchste US-Gericht, die konservative Berufungsrichterin Amy Coney Barrett, im Senat durchzubringen. Die Demokraten sind empört, dass Trump und seine Partei den durch den Tod der liberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg frei gewordenen Posten so kurz vor der Wahl besetzen wollen: 2016 hatten sie den Demokraten weitaus früher im Wahljahr einen ähnlichen Schritt verwehrt.

So hat Demokrat Harrison alle bisherigen Spendensammel-Rekorde in Senatswahlkämpfen gebrochen: Im dritten Quartal - Juli, August, September - kam er auf 57 Millionen Dollar (49 Millionen Euro). MJ Hegar in Texas brachte es im selben Zeitraum in ihrem Rennen gegen den prominenten republikanischen Senatsveteranen John Cornyn auf mehr als 13 Millionen Dollar – eine immer noch äußerst stolze Summe. Im zutiefst konservativen Kentucky hat Amy McGrath in ihrem Zweikampf mit dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, ebenfalls von einem Spendensegen berichtet, wobei jüngste Daten noch nicht bekannt sind.

Insgesamt ist der Finanzfluss an demokratische Kandidaten in besonders augenfälligen Rennen so groß, dass es nicht klar ist, ob den Empfängern überhaupt noch genügend Zeit bleibt, das Geld auszugeben. Währenddessen könnten Bewerber in Staaten und Rennen, die weniger Aufmerksamkeit und finanziellen Zuspruch von Unterstützern finden, eine Finanzspritze gut gebrauchen.

Demokratische Vertreter weisen derartige Besorgnisse zurück: Man könne in einem Wahlkampf nie zuviel Geld haben. Sie argumentieren auch, dass die großen Spendensammel-Erfolge die Wahrnehmung dessen, was benötigt werde, verzerrt haben.

Die Geldschwemme ermöglicht es den Kandidaten auch, kreativ zu werden. In Maine etwa, wo die Demokratin Sara Gideon der moderaten Republikanerin Susan Collins den Senatssitz abjagen will, hat die demokratische Partei Plakate mit der Aufschrift „Trump Collins 2020“ finanziert – um Collins mit Trump in Verbindung zu bringen.

Nun sind die Geldgaben nicht unbedingt ein Maßstab für die Chancen der jeweiligen Kandidaten, denn viele der Zuwendungen kommen von Spendern außerhalb der Bundesstaaten, in denen das betreffende Rennen stattfindet. „Für Jamie Harrison und Amy McGrath kann Geld eine Menge TV-Werbespots erkaufen“, sagt Josh Holmes, ein republikanischer Stratege. „Aber sie werden niemals genug Geld haben, um weitere zwei Millionen liberale Wähler in South Carolina und Kentucky zu kaufen.“

Doch in knappen Rennen können sich prall gefüllte Wahlkampfkassen schon positiv auswirken. So hat der Geldsegen bei vielen Republikanern auch das Gefühl verstärkt, dass ihnen die Felle davonschwimmen – nachdem Entwicklungen wie die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen die Schere in gleich mehreren Senatszweikämpfen verkleinert hat. Harrison etwa liegt derzeit in Umfragen gleichauf mit Graham.

In die Defensive getrieben sind die Konservativen nun selber zunehmend gezwungen, mehr Geld zu investieren. So sind die Senatswahlkämpfe in einer Reihe von Staaten insgesamt viel teurer geworden, und das nicht nur in Iowa, Michigan, Maine, North Carolina, Georgia und Arizona mit ihren vorhersehbar knappen Rennen. In Montana etwa werden nach Schätzungen am 3. November 131 Millionen Dollar an Werbekosten in den Zweikampf zwischen dem Republikaner Steve Daines und dem Demokraten Steve Bullock gesteckt worden sein – etwa 122 Dollar pro Kopf der Bevölkerung.

Mehr zum Thema: Die Folgen seiner Virusinfektion sind nicht Donald Trumps einziges Problem. Auch die Großspender der Finanzindustrie wenden sich ab.