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Delta macht Russland zu schaffen: Putin bestätigt, dass er Sputnik V geimpft bekommen hat

·Lesedauer: 5 Min.

Russland hatte eigentlich einen riesigen Vorsprung. Vor fast einem Jahr hatte das Land als erste Nation eine selbst entwickelte Impfung gegen das Coronavirus zugelassen. Benannt wurde er nach dem ersten künstlichen Erdsatelliten auf einer Umlaufbahn.

Doch trotz dieses Vorsprungs ist das Land bei seiner Impfkampagne ins Hintertreffen geraten. Nur 15 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Dosis erhalten, diese Rate ist in den meisten europäischen Ländern bereits zwei- bis dreimal so hoch.

Seit im Mai in Russland die ersten Fälle der Delta-Variante festgestellt wurden, hat sich die Situation weiter verschlechtert. Im letzten Monat haben sich die täglichen Corona-Fälle in Russland mehr als verdoppelt, von etwa 8.600 auf etwa 19.500. Die Zahl der Todesfälle ist in derselben Zeit um 54 Prozent gestiegen, von etwa 375 pro Tag auf 575 – so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Dabei macht die Delta-Variante bereits 88 Prozent der Fälle aus.

Es müsste schneller geimpft werden als Delta sich ausbreitet

„Wahrscheinlich ist der laxe Umgang mit Hygienemaßnahmen – wie dem Tragen von Masken, sozialer Distanzierung, dem Vermeiden von Versammlungen in geschlossenen Räumen und so weiter – auch ein Teil des Problems, aber die Delta-Variante ist wirklich der Kern des Problems", sagt Davidson Hamer, ein Professor an der Boston University School of Public Health und Spezialist im Gespräch mit Business Insider.

Die Delta-Variante ist vorherigen darin überlegen, dass sie sich noch schneller verbreitet. Es gibt auch Indizien dafür, dass sie womöglich mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf einhergeht. Da nach bisherigem Wissensstand die Impfstoffe jedoch eine gute Schutzwirkung gegen die Mutation zeigen, ist der Kampf gegen die Variante ein Wettlauf gegen die Zeit: Länder müssen schneller impfen als die Variante sich ausbreitet.

„Angesichts der verstärkten Auswirkungen der Delta-Variante ist es wahrscheinlich, dass etwa 85 Prozent einer Bevölkerung geimpft werden müssen, um die Schwelle der Herdenimmunität zu überschreiten", erklärt Michael Head, ein Senior Research Fellow an der University of Southampton. „Das wird in vielen Gegenden schwer zu erreichen sein.“

Russland kämpft mit einer großen Impfskepsis

In den meisten Ländern der Welt liegt die Impfrate jedoch noch weiter darunter – auch in Russland. Während in vielen ärmeren Ländern die Unterversorgung mit Impfstoff das Hauptproblem darstellt, ist dies in Russland nicht der Fall. Zwar gibt es aktuell wohl Impfstoff-Engpässe in einigen Gebieten des größten Landes der Welt, aber durch die landeseigene Produktion ist prinzipiell genug Impfstoff vorhanden.

Doch Russland kämpft mit einer großen Impfskepsis in seiner Bevölkerung. Dabei ist der Impfstoff zumindest gegen die meisten Varianten wohl ähnlich wirksam wie konkurrierende Vakzine. Im Februar hatte eine Zwischenanalyse, die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, jedoch ergeben, dass Sputnik V zu etwa 92 Prozent wirksam sei, um symptomatische Fälle Covid-19 zu verhindern.

Der Zulassungsprozess für Sputnik V wurde allerdings von Anfang an kritisiert, da die russische Gesundheitsbehörde den Impfstoff freigab, bevor die späten klinischen Studien dazu abgeschlossen waren – und nachdem nur 38 Personen die Impfung erhalten hatten. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage der mobilen App „Doctor's Manual“ ergab, dass ein Drittel der russischen Ärzte angab, noch immer unsicher zu sein, wie hoch die Wirksamkeit der russischen Covid-19-Impfung tatsächlich ist.

Putins Entscheidungen haben nicht zur Vertrauensbildung beigetragen

Zur Skepsis hatte auch beigetragen, dass Wladimir Putin sich selbst zunächst lange nicht impfen ließ und der Kreml dann im März verkündete, dass Putin nun geimpft sei – jedoch verschwieg, mit welchem Impfstoff. Dies hatte für viel Irritation gesorgt und das Vertrauen in den russischen Impfstoff wohl weiter geschwächt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nun jedoch mit Verspätung klargestellt, mit dem in Russland entwickelten Coronavirus-Impfstoff Sputnik V geimpft worden zu sein. Dies geschah am Mittwoch, dem 30. Juni, im Rahmen einer russischen TV-Show. Gleiches ließ der offizielle Twitter-Account für den Impfstoff Sputnik V verlauten.

„Einer der wichtigsten Aspekte, um Vertrauen in Impfstoffe aufzubauen, ist Offenheit und Transparenz in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit“, erklärt Michael Head. „Diese Attribute stehen in Russland nicht gerade im Vordergrund, und vielleicht leiden sie dort deshalb unter der geringen Inanspruchnahme.“

Die Delta-Variante wird zum doppelten Problem

Die Delta-Variante könnte für Russland nun zum doppelten Problem werden. Nicht nur, weil sie sich aufgrund der geringen Impfrate schnell ausbreitet, sondern auch, weil es zumindest Indizien dafür gibt, dass Sputnik V gegen die Variante weniger wirksam sein könnte als andere Impfstoffe. Die Entwicklerinnen und Entwickler von Sputnik V verkündeten am Dienstag, dem 29. Juni, zwar, dass die Impfung darüber hinaus auch in 90 Prozent der Fälle gegen die Delta-Variante wirksam sei. Doch diese Zahlen sind laut Davidson Hamer mit Vorsicht zu genießen.

„Der Sputnik-Impfstoff ist ein Adenovirus-Vektor-Impfstoff, wie AstraZeneca und der Johnson & Johnson-Impfstoff, und es gibt einige Hinweise darauf, dass diese weniger wirksam gegen einige der Varianten sind, wie den südafrikanischen Stamm und jetzt Delta", sagt Hamer.

Die russischen Behörden versuchen unterdessen mit Hochdruck, die Impfraten zu erhöhen, indem sie etwa Anreize setzen und Lebensmittel oder Lotterielose als Belohnung für Impfungen vergeben. Doch von den selbstgesetzten Impfzielen ist das Land immer noch weit entfernt. Eigentlich hätten bis Ende Juni bereits 30 Millionen Menschen geimpft worden sein sollen – was wiederum weit von der für eine Herdenimmunität notwendigen Quote entfernt ist.

Dieser Text wurde aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Hier und hier findet ihr die Originalquellen.

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