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DELIVERY HERO IM FOKUS: Wette auf Quick Commerce - Verlust bleibt hoch

·Lesedauer: 5 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Mit Beteiligungen rund um den Erdball weitet Delivery Hero <DE000A2E4K43> seinen Einfluss aus. Dabei fokussiert sich Konzernchef Niklas Östberg auf das Geschäft mit Zustellungen innerhalb von Minuten. Auch in Deutschland ist das Unternehmen wieder präsent. Allerdings können nur Menschen in einem äußerst beschränkten Radius die Marke Foodpanda nutzen. Was bei Delivery Hero los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI DELIVERY HERO:

Nach wie vor liegt das Hauptaugenmerk von Östbergs Strategie auf dem Wachstum des Konzerns. Das bedeutet vor allem Beteiligungen an anderen Unternehmen, wie jüngst der Einstieg beim mittelamerikanischen Dienstleister Hugo oder die Beteiligung am Quick-Commerce-Lieferdienst Gorillas. Beim sogenannten Quick Commerce (Q-Commerce) geht es um Minuten von der Abgabe der Bestellung bis zur Lieferung. Kunden sollen so Blumen, Toilettenpapier, Zahnpasta und vieles mehr in kürzester Zeit erhalten.

Hierzulande versucht sich Delivery Hero auf dem Feld mit seiner Marke Foodpanda. Nach dem Start in Berlin wollte der Konzern in diesem Herbst nach Frankfurt/Main, München und Hamburg expandieren. Bis Jahresende sollen weitere Städte folgen. In der Tat ist Foodpanda in den genannten Städten mittlerweile präsent. Allerdings beschränkt sich das Liefergebiet nur auf bestimmte Stadtteile. Ein flächendeckendes Angebot gibt es hingegen nicht.

Östberg sieht in dem Segment ordentliches Potenzial und will seine Aufmerksamkeit darauf richten. 2030 rechnet der Konzern damit, dass der eigene Q-Commerce-Markt weltweit rund 56 Milliarden Euro schwer sein wird - bei einem möglichen Volumen von 448 Milliarden Euro weltweit. Dabei schielt Östberg vor allem auf Single-Haushalte, denen Schnelligkeit wichtiger sein soll, als besonders günstig einzukaufen.

Mittlerweile rechnet der Konzern für das laufende Geschäftsjahr insgesamt mit einem Segmentumsatz von 6,4 bis 6,7 Milliarden Euro nach vergleichbaren rund 3,5 Milliarden im Vorjahr. Das Brutto-Warenvolumen (GMV) soll auf 33 bis 35 Milliarden Euro steigen - das wäre fast eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreswert von knapp 12,4 Milliarden Euro.

Allerdings kostet das Wachstum Geld: Zwar rechnet Östberg damit, das Unternehmen etwas weniger defizitär machen zu können als im vergangenen Jahr. Mit einem Margenziel von derzeit rund minus zwei Prozent zum Brutto-Warenvolumen geht der Vorstand aber davon aus, etwas mehr Verlust zu machen als bislang prognostiziert. Zuvor hatte er mit minus 1,5 bis minus 2 Prozent gerechnet. Langfristig sollen fünf bis acht Prozent als operativer Gewinn übrig bleiben. Was langfristig aber bedeutet, dazu äußert sich Östberg nicht.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die seit Ende September von dpa-AFX erfassten acht Analysten sind sich einig und raten allesamt zum Kauf von Delivery-Hero-Anteilen. Dabei rangieren die Kursziele zwischen 149,30 Euro und 180 Euro. Der Durchschnitt liegt bei 163,54 Euro und damit über 50 Prozent höher als der aktuelle Kurs.

Mit einem Ziel von jeweils 180 Euro trauen die Investmentbanken Jefferies und Goldman Sachs dem Dax <DE0008469008>-Konzern am meisten zu. Dabei hoben die Experten unterschiedliche Aspekte der jüngsten Entwicklung hervor.

Laut Rob Joyce von Goldman Sachs sind die großen europäischen Essenslieferanten zuversichtlich, dass die Wachstumsraten im dritten Quartal in vielen Kernmärkten mit jenen des zweiten Jahresviertels vergleichbar seien. In Teilen Europas jedoch sollte es zu einer Verlangsamung gekommen sein. Die Wachstumschancen und auch die langfristige Profitabilität der Sektorunternehmen betrachtet er weiterhin als attraktiv und in den aktuellen Bewertungen nicht eingepreist.

Giles Thorne von Jefferies hingegen lobte die Übernahme des Geschäfts mit Essenslieferungen und Quick Commerce des mittelamerikanischen Dienstleisters Hugo. Der Schritt passe gut zum Engagement in der Region, schrieb er. Dies sieht William Woods vom US-Analysehaus Bernstein Research anders: Entgegen früherer strategischer Zukäufe hätten ihm Investitionen in Branchenfirmen wie Deliveroo und Gorillas nicht gefallen.

Mit Blick auf die Zahlenvorlage zum dritten Quartal am 11. November betonte Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan, dass vor allem der Ausblick und die Telefonkonferenz im Fokus stehen dürften. Dabei hoffe er auch auf Aussagen zu den Investitionen und der Profitabilität des defizitären Lieferdienstes. Mit Blick auf die Segmente rechnet er mit einer Zunahme der Bestellzahlen. Zudem geht er davon aus, dass Delivery Hero weitere kleine Warenhäuser eröffnen wird.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Seit Jahresbeginn hat die Delivery-Hero-Aktie um fast 14 Prozent an Wert eingebüßt. Und dabei war der Kurs zu Jahresbeginn noch auf einen Rekord von 145,40 Euro gestiegen. Seither ging es für die Aktie aber mit deutlichen Ausschlägen nach unten.

Das noch junge Berliner Unternehmen war erst im Sommer 2020 in den Kreis der damals noch 30 Dax-Konzerne aufgenommen worden. Der Aufstieg war umstritten, weil Delivery Hero zu dem Zeitpunkt gar kein Geschäft in Deutschland hatte und vor allem, weil das Unternehmen tief in den roten Zahlen steckte. Die Kritik daran war einer der Gründe für die Dax-Reform der Deutschen Börse. Inzwischen können nur noch Unternehmen in den deutschen Auswahlindex aufsteigen, wenn sie operativ profitabel sind.

Für Delivery Hero selbst hat das allerdings keine Auswirkung - so lange die Marktkapitalisierung hoch genug ist, dürfen die Berliner im Dax bleiben. Mit einem Börsenwert von knapp 27 Milliarden Euro liegt Delivery Hero derzeit auf dem 24. Rang im Dax. Damit gehört der Konzern zur unteren Hälfte der mittlerweile 40 Unternehmen im deutschen Leitindex.

Das defizitäre Unternehmen lässt eine Reihe von Dax-Unternehmen hinter sich - wie zum Beispiel den Autozulieferer Continental <DE0005439004> oder die Deutsche Bank <DE0005140008>. Und auch im europäischen Branchenvergleich steht Delivery Hero gut da: So kommt der Konkurrent Just Eat Takeaway <NL0012015705>, zu dem auch die deutsche Marke Lieferando gehört, auf gut knapp 13 Milliarden Euro. Der erst vor kurzem an die Börse gegangene Lieferdienst Deliveroo <GB00BNC5T391> aus England kommt umgerechnet auf rund 5,9 Milliarden Euro.

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