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Wie das Debakel um Elizabeth Holmes anderen Gründerinnen das Leben schwer macht

Seit kurzem läuft der Prozess gegen die 37-jährige Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes
Seit kurzem läuft der Prozess gegen die 37-jährige Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes

Das Debakel des Medizintechnik-Unternehmens Theranos und der Skandal um Gründerin Elizabeth Holmes begann als Erfolgsgeschichte: Mit 19 hatte Holmes im Jahr 2003 ihr Startup gegründet. Das Versprechen war so simpel wie revolutionär: Theranos behauptete, anhand nur weniger Blutstropfen alle möglichen Werte bestimmen und die unterschiedlichsten Krankheiten diagnostizieren zu können – schnell und zuverlässig. Dass das so nicht stimmen konnte, wurde nach einer Untersuchung des „Wall Street Journals“ im Jahr 2015 erstmals publik. 2018 führte das schließlich zum Sturz der Gründerin, die vorher schon als nächste Steve Jobs gehandelt und deren Unternehmen zu Erfolgszeiten mit bis zu neun Milliarden Dollar bewertet worden war. Seit kurzem muss sie sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft.

Doch nicht nur für Holmes hat der spektakuläre Fall Folgen. Mehrere Gründerinnen in den USA, insbesondere aus den Bereichen Medizin und Biotechnologie, berichteten der Zeitung „New York Times“, dass sie nach wie vor „im Schatten“ von Elizabeth Holmes leben würden. Sie gaben an, dass sie oder ihr Unternehmen insbesondere zu Beginn mit Theranos verglichen worden seien – was wiederum Auswirkungen auf die Finanzierungsmöglichkeiten gehabt habe.

Investoren bei Diagnostikunternehmen nach wie vor skeptisch

Eine dieser Frauen ist Alice Zhang, die 2018 nach Finanzierung für ihr Startup Verge Genomics suchte. Die Unternehmerin will mithilfe Künstlicher Intelligenz die Suche nach neuen Arzneimitteln unterstützen, das Geschäftsmodell hat also mit den Bluttests von Theranos wenig gemein. Trotzdem habe sie sich immer wieder zu Holmes' gescheitertem Unternehmen äußern müssen, erzählte sie der „New York Times“ – vor Investoren ebenso wie bei einer Veranstaltung der Stanford University. Oft seien außerdem Witze über Elizabeth Holmes gerissen worden, wenn Gespräche auf ihr Unternehmen kamen. Und nach einer Finanzierungsrunde habe selbst ein Branchenkolumnist die beiden Gründerinnen in einem Artikel miteinander verglichen. Erst als ihr Unternehmen wuchs, seien diese Seitenhiebe verschwunden.

Andere Unternehmerinnen aus der Medizintechnikbranche haben ähnliche Geschichten parat. Heather Bowerman beispielsweise hat mit ihrem 2016 gegründeten Startup DotLab einen Test für Endometriose entwickelt. Investoren habe sie immer wieder erklären müssen, wie sich ihr Unternehmen von Theranos unterscheidet, sagte sie der Tageszeitung aus New York. Und obwohl DotLab seine von Experten überprüften Ergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichte und über mehr als zwölf Millionen US-Dollar Risikokapital eingesammelt hatte, seien Investoren bei Diagnostikfirmen nach wie vor zögerlich. „Das schränkt die Liste der potenziellen Investoren wirklich ein“, sagte Bowerman der „New York Times“.

„Fake it till you make it“

Andere Gründerinnen wurden sogar in ihrem Erscheinungsbild mit Holmes verglichen. Julia Cheek, Gründerin von Everly Health, erzählte der Zeitung, dass ihr Berater empfohlen hätten, sich die Haare schwarz zu färben. Denn mit der Theranos-Gründerin teilt sie die blonde Haarfarbe.

Der Schatten des Betrugsfalls macht es den Unternehmerinnen noch schwerer als ohnehin schon: „Die Messlatte lag schon vor Theranos höher, weil wir nicht in das Muster passen“, sagte Falcon Fatemi, Mitgründerin der Tech-Startups Node und Fireside der „New York Times“. Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass Gründerinnen in Startup-Pitches vor allem „Präventionsfragen“ beantworten müssen, die ein negatives Framing zur Folge haben und vor Verlusten schützen sollen. Ihre männlichen Kollegen hingegen erhalten vor allem Raum zur „Promotion“, dürfen sich also Fragen zu Möglichkeiten, Idealen und Zielen stellen. Fragen zu Theranos und Elizabeth Holmes sind also weitere Elemente im Repertoire der negativ konnotierten Fragen.

Das ist insbesondere deshalb problematisch, weil das Startup-Ökosystem in den USA vor allem disruptive Geschäftsideen fördert, so Beth Esponnette, Gründerin des Jeans-Startups Unspun zur „New York Times“. Berater hätten sie stets dazu gedrängt, aggressiver zu werben oder sogar Gewinnprojektionen drastisch zu schönen. In ihrem Artikel „I Get It, Elizabeth Holmes“, der im Juli bei der Plattform Techcrunch erschien, schildert sie daher ihre eigenen Erfahrungen und den teils schweren Stand von Gründerinnen in der Startup-Welt. Und sie zeigte sich auch teilweise verständnisvoll gegenüber der gescheiterten Theranos-Gründerin. Holmes' Vorgehen sei zwar „unentschuldbar“ gewesen und Esponnette wolle sie nicht verteidigen. „Aber ich denke trotzdem, dass sie glaubte, das richtige zu tun – indem sie sich an der universellen Silicon-Valley-Maxime orientierte: ‚Fake it 'till you make it!‘“

sb

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