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Deals in Amerika: US-Unternehmen stehen im Fokus deutscher Vorstände

Jones, Kathrin Köhler, Peter
·Lesedauer: 4 Min.

Trotz der Coronakrise sagt die Großbank JP Morgan eine Zunahme transatlantischer Firmenkäufe voraus. Wachstum hat Priorität in den Chefetagen.

Die US-Großbank JP Morgan, eine der führenden Adressen im globalen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M & A), rechnet mit einer wachsenden Zahl von Megadeals zwischen amerikanischen und deutschen Konzernen. „Deutsche Vorstände sind sehr an Zukäufen in den USA interessiert. Bei Cross-Border-Deals aus Deutschland heraus sind die USA nach wie vor mit Abstand das beliebteste Ziel“, sagt Dirk Albersmeier, Co-Chef M & A bei JP Morgan, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im Zehnjahresdurchschnitt waren es laut der Bank schon 60 Prozent des Transaktionsvolumens aus Deutschland heraus, im vergangenen Jahr sogar fast 75 Prozent.

Der Trend geht über alle Branchen hinweg, etwa Versorger, Immobilienunternehmen oder Versicherer. Für die nahe Zukunft erwartet Albersmeier auch sehr große Deals. „Das können auch durchaus Transaktionen werden, die über die Marke von zehn Milliarden Dollar hinausreichen. Eine Handvoll solcher Deals ist eine realistische Prognose“, sagt der Investmentbanker.

Laut dem Analysehaus Dealogic kam es im Jahr 2020 in den USA zu 55 Zukäufen im Wert von 35,4 Milliarden Dollar. 2019 waren es 68 Deals im Volumen von 27,6 Milliarden Dollar. Der höchste Wert wurde im Jahr 2016 erreicht, als der Chemiekonzern Bayer die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto für 66 Milliarden Dollar ankündigte.

Laut Thomas Meurer, Partner und M & A-Experte bei der Kanzlei Hengeler Mueller in Düsseldorf, waren im vergangenen Jahr viele Unternehmen damit beschäftigt, die Krise zu managen und ihr eigenes Geschäft abzusichern. Daraus ergebe sich ein gewisser Nachholeffekt für Transaktionen von strategischer Bedeutung im laufenden Jahr.

Künftig sieht er mehrere Gründe für grenzüberschreitende Transaktionen. „Cross-Border-Deals werden insbesondere für Großunternehmen von zentraler Bedeutung sein. Die bestehende Marktstellung setzt zuweilen Grenzen für Akquisitionen im Inland. Im Ausland kann es leichter sein, das passende Target zu finden“, sagt Meurer.

Bereits im Jahr 2020 griffen deutsche Unternehmen trotz der Covid-19-Einschränkungen in den USA zu. So erwarb Siemens Healthineers den US-Konzern Varian Medical Systems für 16,2 Milliarden Dollar, der Nutzfahrzeugproduzent Traton übernahm Navistar für 7,4 Milliarden Dollar.

„Ein ganz wesentlicher Treiber für M & A ist die Suche nach Wachstum. Außerdem sind die Zinsen weiterhin sehr niedrig, was die Akquisitionsfinanzierung erleichtert“, sagt Albersmeier von JP Morgan. Die Käuferseite habe die Initiative ergriffen, trotz Corona und des Lockdowns in vielen Staaten laufe das M & A-Geschäft rund. Die Bieter seien oft bereit, hohe Prämien zu zahlen. „Es geht ihnen um strategische Deals, die Vorstände schauen durch die Krise hindurch“, erläutert Albersmeier.

Der Präsidentschaftswechsel in den USA könnte dabei die Entwicklung antreiben. Während der frühere US-Präsident Donald Trump mit seinem Slogan „America first“ eher auf Abschottung setzte, dürfte die neue Regierung unter Joe Biden wieder offener seien für transatlantisches M & A.

„Der vielleicht entscheidende Trend wird ein wachsendes M & A-Geschäft zwischen Europa und den USA. Das wird sich unter der neuen US-Regierung noch beschleunigen“, sagt Albersmeier. Auch wenn die inländische Konsolidierung laut JP Morgan anhalten werde, da man auf dem Kontinent mehr europäische Champions schaffen wolle. Das habe man schon bei den Zahlungsdienstleistern beobachten können, weitere Branchen würden folgen, etwa im Bankensektor. Es gebe den politischen Willen in Europa, wettbewerbsfähigere Konzerne zu schmieden.

Finanzinvestoren sitzen auf viel Kapital

Allerdings ist die Entwicklung keine Einbahnstraße – viele US-Konzerne und Finanzinvestoren aus New York suchen nach attraktiven Übernahmezielen in Europa und Deutschland. Die Finanzinvestoren sitzen auf viel Kapital – und hatten 2020 einen Anteil von gut 30 Prozent am gesamten M & A-Volumen in Deutschland.

JP Morgan erwartet ein ähnliches Ergebnis für 2021. Anu Aiyengar, die sich mit Albersmeier die Verantwortlichkeit für das weltweite M & A-Geschäft bei JP Morgan teilt, sagt dazu: „Sie wägen weiterhin Chancen und Risiken ab, und sie werden kreativer, machen beispielsweise mehr Minderheitsbeteiligungen oder wickeln Käufe von Familienunternehmen ab.“ Transaktionen über beispielsweise fünf Milliarden Euro könnten heute viele Finanzinvestoren stemmen.

Trotzdem gibt es laut Albersmeier auch Unwägbarkeiten, die das M & A-Geschäft dieses Jahr belasten könnten. „Zu den Risiken gehören härtere und länger dauernde Wettbewerbsprüfungen. Außerdem könnte es sein, dass im Technologiesektor der Protektionismus zunimmt.“