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Dax trotzt schwachen Konjunkturdaten – Fresenius-Papiere sind gefragt

Die Berichtssaison läuft auf Hochtouren, die Quartalszahlen zeigen ein gemischtes Bild. Bei den deutschen Konjunkturdaten geht das Drama weiter.

Blick auf die Dax-Kurve im Frankfurter Handelssaal. Foto: dpa

Der deutsche Aktienmarkt ist auf Richtungssuche. Der Dax startet mit einem kleinen Minus von 0,1 Prozent und 10.718 Zählern in den Handel. Die ersten beiden Handelstage dieser Woche waren volatil in verschiedene Richtungen: Auf ein Minus von 3,6 Prozent am Montag folgte ein Plus von 2,5 Prozent am gestrigen Dienstag.

Die neue Richtung beim Dax könnten auch ganz andere Themen vorgeben. Lange Zeit hat das Coronavirus andere marktrelevante Entwicklungen verdrängt. Das könnte sich bald ändern angesichts der bevorstehenden Lockerungen, spätestens nach dem Ende der Quartalssaison.

Im Fokus könnten dann wieder zwei „alte Bekannte“ stehen: Der Brexit und der Handelskonflikt mit China. Die irische Regierung warnte bereits vor einer neuen Krise, deren Außenminister Coveney bezeichnete die Fortschritte zwischen Großbritannien und der EU als „nicht gut“. Und ob US-Präsident Donald Trump seine Drohung mit neuen Strafzöllen gegen China realisiert, ist angesichts des aktuellen Wahlkampfs schwer einzuschätzen.

Auch wenn mehrere Indikatoren signalisieren, dass es keinen neuen Crash am Aktienmarkt geben sollte, die Schnäppchenjagd ist allerdings auch vorbei. Das gilt vor allem für Topmanager, die nur wenig Aktien ihrer Unternehmen gekauft haben. Außer bei SAP gab es in den vergangenen beiden Wochen nur zwei weitere Insiderverkäufe bei Unternehmen aus einem deutschen Aktienindex.

Bei den deutschen Konjunkturdaten geht das Drama weiter: Der deutschen Industrie ist das Neugeschäft wegen der Corona-Krise in einem nie dagewesenen Tempo weggebrochen. Sie sammelte im März 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 10,0 Prozent gerechnet.

Für den Ökonomen Andreas Scheuerle von der Dekabank ist diese Zahl die eine Hälfte der Wahrheit, denn zu dem Kollaps der Neuaufträge wird auch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen. Das Epizentrum der Auftragsschwäche war seiner Meinung nach die Automobilindustrie. Keine andere Industrie-Branche war von den Produktionsstopps stärker betroffen.“

Die Vorgaben aus Übersee sind gemischt: Die US-Aktienindizes haben nach Börsenschluss in Deutschland einen großen Teil der Gewinne wieder abgegeben, der S & P 500 schloss aber 0,9 Prozent im Plus. Die Terminkontrakte signalisieren einen Start in den US-Handel 0,5 Prozent höher

Auf dem chinesischen Festland verläuft der Handel ohne klare Richtung. Die Börsen in Japan sind feiertagsbedingt geschlossen.

Termine heute

Im Fokus stehen heute wieder der US-Arbeitsmarkt. Es werden die Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP veröffentlicht. Sie geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag. Experten rechnen für April mit einem Abbau von gut 20 Millionen Stellen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 lag bei 835.000 gestrichenen Jobs.

Blick auf die Einzelwerte

BMW: Der Autobauer hat im ersten Quartal trotz Produktionsstopps und Absatzeinbrüchen in der Coronakrise nur einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als hohe Rückstellungen für eine drohende Kartellstrafe das Ergebnis belasteten, sank der Konzernüberschuss um 2,4 Prozent auf 574 Millionen Euro. Die BMW-Aktie verliert 2,6 Prozent und führt damit die Dax-Verliererliste an.

Fresenius/FMC: Der Gesundheitskonzern ist trotz der Corona-Krise mit Zuwächsen in das Jahr gestartet und hält zunächst an seinem Ausblick für 2020 fest. Die Dialysetochter FMC, die wie Fresenius im Dax notiert ist, baute ihren Umsatz im ersten Quartal ebenfalls deutlich aus. Von diesen positiven Nachrichten profitieren die Aktien beider Unternehmen: Das Fresenius-Papier steigt um 2,5 Prozent, der FMC-Titel um rund zwei Prozent.

Fraport: Die Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ab März haben der Frankfurter Flughafengesellschaft erstmals seit dem Börsengang 2001 in einem ersten Quartal einen Verlust eingebrockt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden nach den Worten des Vorstandes im zweiten Quartal noch „massiver.“ Es sind wahrlich schlechte Zeiten für Flughafenbetreiber. Die Fraport-Aktie hat sich seit Jahresanfang bereits halbiert, legt aber zur Handelseröffnung am heutigen Mittwoch 0,9 Prozent zu.

Qiagen: Das Biotechunternehmen zählt zu den Gewinnern der Kurse. Qiagen erwartet wegen einer hohen Nachfrage nach Testprodukten für den Nachweis des Coronavirus im zweiten Quartal einen Umsatzzuwachs gegenüber dem selben Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr wagt Qiagen wegen der Unsicherheit rund um die Pandemie dagegen keine Prognose. Der MDax-Konzern ist seit Jahresanfang um 25 Prozent gestiegen und steigt um weitere 0,5 Prozent.

Lanxess: Die schwache Nachfrage aus der Autoindustrie im Zuge der Corona-Krise belastet. Der Spezialchemiekonzern senkte am Mittwoch nach einem deutlichen Ergebnisrückgang im ersten Quartal seine Ziele für das Gesamtjahr. „Wir wissen, dass wir den Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht haben“, sagte Vorstandschef Matthias Zachert. Die Aktie kann aber um rund ein Prozent zulegen.

Biontech: Gefragt waren die in den USA notierten Aktien von Biontech, die sich um mehr als neun Prozent verteuerten. Die Mainzer Biotechfirma und ihr US-Partner Pfizer testen einen möglichen Coronavirus-Impfstoff nun auch in den USA. Am deutschen Aktienmarkt steigt das Biontech-Papier um weitere 0,5 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Unter Investoren wird derzeit heiß diskutiert: Kommt es wieder zu einem Rutsch Richtung 8255 Punkte, dem Tiefpunkt des Crashs in diesem Jahr?

Dazu müsste der Dax zunächst unter den Bereich um 10.300 Punkte fallen. Denn dort befindet sich ein Sammelsurium von wichtigen Unterstützungen. Unter anderem liegt mit 10.279 Zählern das Tief vom Dezember 2018, der Ausgangspunkt für die Rally bis Februar 2020.

„Ein neuerlicher Rücksetzer kommt nur bei einem Bruch dieser Bastion bei 10.300 Punkten in Frage und sollte zudem lediglich moderat ausfallen“, meinen die technischen Analysten der Düsseldorfer Bank HSBC. Sollte diese Mark fallen, wäre die Aufwärtskurslücke bei 9.841 bis 9.627 Punkten ein mögliches Anlaufziel.

Solche Kurslücken entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem des Folgetages bleibt. Solche Aufwärtslücken sind laut Charttechnik wichtige Widerstände.

Auf der Oberseite liegen im Bereich um 11.000 Punkte bedeutende Widerstände. Bei 11.025 Punkten liegt beispielsweise die 50-Prozent-Korrektur der Baisse seit Februar. Denn diese Marke entspricht der Mitte der Abwärtsbewegung von 13.795 auf 8255 Zähler.

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