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Dax steigt um und sechs Prozent - Osram-Aktie legt über 20 Prozent zu

Der Leitindex startet mit deutlichen Kursgewinnen in den Handel. Anleger sollten auf zwei wichtige Punkte achten, die über die Nachhaltigkeit der Gewinne entscheiden dürften.


Blick auf die Dax-Kurve im Frankfurter Handelssaal. Foto: dpa

Ist das Schlimmste am deutschen Aktienmarkt vorbei? Der Dax notiert in der ersten Handelsstunde 6,1 Prozent im Plus bei einem Stand von 9131 Punkten. 29 der 30 Dax-Werte liegen im Plus, Die Gewinnerliste führt die Aktie von Siemens an, die um mehr als zwölf Prozent zulegen kann.

Bereits am gestrigen Handelstag schloss die Frankfurter Benchmark zwei Prozent im Plus und ging mit einem Stand von von 8610 Punkten aus dem Handel. (Lesen Sie hier: Fünf Gründe, warum die Zeit der massiven Kursverluste vorbei sein dürfte)

Was auf jeden Fall weiter hoffen lässt: Die Ankündigung der EZB eines gigantischen Kaufprogramms im Volumen von 750 Milliarden Dollar war der erste Schritt einer Notenbank, der nicht zu Kursverlusten führte.

Die zwei US-Zinssenkungen in den USA sowie das geplante „Helikoptergeld“ in Form von Schecks jenseits des Atlantiks bewirkten genau das Gegenteil und ließen die Börsen abstürzen.

Trotz der aktuellen Erholung an den Börsen werden die Nachrichten rund um die Coronavirus-Pandemie weiterhin die Entwicklung an den Börsen bestimmen. Anleger sollten auf zwei Punkten achten, die entscheidend sein dürften, ob die laufende Erholung an den Aktienmärkten nachhaltig ist.

Zum einen: Werden Pharma- und Biotechunternehmen wie Sanofi oder Gilead Sciences Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes oder eines Medikamentes gegen die Ausbreitung zu entwickeln?

Und wie lange hält der sogenannte Lockdown an, das Einfrieren des gesellschaftlichen Lebens? Zum Vergleich: Während der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009, die stets mit den aktuellen Börsenentwicklungen verglichen wird, schrumpfte die Wirtschaftsleitung um fünf Prozent.

Hält dieser Lockdown länger an, werden diese fünf Prozent deutlich übertroffen werden. Solange es keine Anzeichen gibt, wann das beendet werden könnte, wird es schwer für eine nennenswerte Erholung, die Dax deutlich über die Marke von 10.000 Punkten heben könnte.

Möglicherweise schwanken die Kurse am heutigen Handelstag stark, denn heute ist „Hexensabbat“. An diesen Tagen verfallen wichtige Terminkontrakte. Das betrifft heute Futures und Optionen auf Stoxx-Produkte des gleichnamigen Indexanbieters, außerdem Papiere auf Basis von Dax, TecDax und MDax, darüber hinaus auch Optionen auf Einzelaktien.

Dass die Optionen auf den Dax mittags bei rund 9.000 Punkten abgerechnet werden, das hätte vermutlich vor einigen Tagen kein Börsianer geglaubt.

Blick auf andere Assetklassen

Nach der jüngsten Rally der Weltleitwährung Dollar machen einige Anleger Kasse. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Freitag um 0,8 Prozent auf 101,978 Punkte. Mit einem Plus von insgesamt mehr als drei Prozent steuerte er aber dennoch weiter auf den größten Wochengewinn seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 zu.

„Die Leute wollen Bargeld, weil sie nicht wissen, wo die nächsten Einnahmen herkommen und Zahlungen anstehen“, sagte Finanzmarkt-Experte Stuart Oakley von der Investmentbank Nomura. „Ich denke nicht, dass sich das ändern wird.“ In den vergangenen zehn Tagen führte die Flucht vieler Anleger in den „sicheren Hafen“ Dollar zu einem Kursplus der US-Währung von insgesamt etwa acht Prozent und hievte den Kurs des Index auf 102,992 Punkte, den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. So deutlich ging es zuletzt im Herbst 1992 bergauf.

In der Hoffnung auf ein nahendes Ende des Preiskriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland decken sich Anleger mit Rohöl ein. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich am Freitag 3,4 Prozent auf 29,43 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI legte sogar 4,4 Prozent auf 26,33 Dollar zu. Am Mittwoch hatte Brent mit 24,52 Dollar ein 17-Jahres-Tief markiert und WTI war mit 20,06 Dollar so billig wie zuletzt vor gut 18 Jahren.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge will US-Präsident Donald Trump diplomatischen Druck auf Saudi-Arabien ausüben, den Ölhahn wieder zuzudrehen. Russland wolle er mit Sanktionsdrohungen dazu bringen. Die USA sind an einem höheren Ölpreis interessiert, weil die dort beheimateten Schieferöl-Förderer wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens Experten zufolge erst ab einem Preis von 45 bis 50 Dollar profitabel sind.

„Russland und Saudi-Arabien haben null Interesse, der US-Schieferölindustrie das Überleben zu sichern - ganz im Gegenteil“, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Sobald sich diese Erkenntnis durchsetze, würden sich die aktuellen Kursgewinne in Luft auflösen.

Das massive Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank lässt die Anleger zu Anleihen greifen. Im Gegenzug geben die Renditen nach. Die deutschen Papiere rentieren mit minus 0,270 Prozent 0,1 Prozentpunkte niedriger, in Italien sinkt die Verzinsung sogar um 0,3 Prozentpunkte auf 1,521 Prozent.

Blick auf die Einzelwerte

Hornbach: Die Baumarktkette steht wegen der Coronavirus-Epidemie für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 vor „großer Unsicherheit“. Konkrete Aussagen seien derzeit aber nicht möglich. Die Aktie steigt aber in dem positiven Marktumfeld um 3,2 Prozent.
Hapag-Lloyd: Deutschlands größte Reederei stellt sich wegen der Corona-Pandemie auf einen Rückgang der weltweiten Containertransporte ein. Die Kapazitäten müssen in den kommenden Monaten voraussichtlich angepasst werden. Dies werde sich zumindest in der ersten Jahreshälfte auf das Ergebnis auswirken. Die Aktie reagiert auf diese Ankündigungen mit einem Minus von rund fünf Prozent.

Osram: Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählt Osram mit einem Kursplus von 21 Prozent. Der österreichische Sensor-Spezialist AMS hält trotz des rapiden Kursverfalls seiner Aktien an der geplanten 1,65 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme des deutschen Lichtkonzerns fest. Die in Zürich notierten AMS-Titel gewannen 2,3 Prozent.

Hamburger Hafen: Der Konzern rechnet mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nach eigenen Angaben gehe der Hafenkonzern aber davon aus, über ausreichend Liquidität zu verfügen, um jederzeit Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Anleger sind erfreut über die Aussage, die Aktie steigt um mehr als acht Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Wie sehr der deutsche Aktienmarkt überverkauft, also zu schnell zu tief gefallen ist, zeigt ein Blick auf die 30 Einzelwerte. Seit Jahresanfang notieren alle Dax-Titel mit einer zweistelligen Prozentzahl im Minus. Rund die Hälfte aller deutschen „blue chips“ weist dabei sogar Abschläge von mehr als 35 Prozent auf.

Der Markt sei aktuell bereits derart „überverkauft“, dass wir uns keinen unmittelbaren Bruch der Unterstützung zwischen 8.355 Punkten und 8014 vorstellen können, meinen die technischen Analysten der der Düsseldorfer Bank HSBC. Bei Kursen oberhalb von 8699 Punkten, diese Marke ist aktuell überschritten, wäre das Hoch in dieser Handelswoche bei 9.146 Punkten das nächste Erholungsziel, lautet die Einschätzung in ihrem Morgenkommentar..

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