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Dax steigt weiter – Anlegern steht wohl eine holprige Jahresendrally bevor

·Lesedauer: 6 Min.

Der Leitindex folgt wieder seiner Börsenlogik: Neue Corona-Maßnahmen werden beschlossen, die Kurse steigen. Doch die Lage in den USA könnte die Rally beenden.

Im Blick der Anleger bleibt auch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt auch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Der deutsche Aktienmarkt startet freundlich in die neue Woche: Mittags steigt der Dax um 0,6 Prozent auf 13.149 Punkte. Bereits in der vergangenen Handelswoche hatte der Dax 4,8 Prozent zugelegt. Am Freitag schloss der deutsche Leitindex bei 13.076 Punkten, plus 0,2 Prozent.

Es war die Meldung von Biontech, dass bald ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte, die die Lage am Aktienmarkt verändert hat. Auch andere Unternehmen wie Moderna und Curevac entwickeln Impfstoffe, positive Testergebnisse sind durchaus möglich und dürften an der Börse freundlich bewertet werden. Solche Nachrichten würden den laufenden Paradigmenwechsel an der Börse befeuern: weg von den Technologiewerten, hin zu den zyklischen Aktien.

Diese Entwicklung setzt sich auch am heutigen Montag fort: Die größten Verlierer im MDax sind der Kochboxen-Versender Hello Fresh (minus 2,3 Prozent) und Shop-Apotheke mit einem Verlust von 1,4 Prozent. Hohe Gewinne von mehr als vier Prozent gibt es bei der Lufthansa-Aktie, den Papieren von Airbus und Thyssen-Krupp. Auch im Dax zählt der Titel des Triebwerk-Herstellers MTU mit einem Plus von mehr als 2,5 Prozent zu den größten Gewinnern.

Aufgrund des aktuellen Kursverlaufs steht aus technischer Sicht bald eine Vorentscheidung bevor: Der Dax ist nur noch rund 300 Punkte von seinem bisherigen Corona-Hoch entfernt, das bei 13.460 Zählern liegt. Sollte der Dax diese Marke nachhaltig überwinden, also per Schlussstand, wäre der Weg frei für den Anstieg auf das bisherige Rekordhoch. Das wurde im Februar mit 13.795 Punkten erreicht.

Für viele Anleger käme ein neues Rekordhoch inmitten der Coronakrise überraschend, würde aber der Börsenlogik entsprechen. Wenn über Maßnahmen diskutiert wird, rutschen die Kurse ab. Wenn der Lockdown verhängt wird, steigen die Notierungen. Diese Entwicklung war bereits im März dieses Jahres und auch Anfang November zu beobachten.

Seit Anfang November, als der zweite Lockdown verhängt wurde, stieg die Frankfurter Benchmark in der Spitze beispielsweise um mehr als 15 Prozent. Auch die heutigen Kursgewinne passen in dieses Schema: Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder verschärfen vermutlich am heutigen Montag die bisherigen Maßnahmen, die wirtschaftlichen Auswirkungen für die meisten börsennotierten Unternehmen dürften aber gering ausfallen. Das lässt Anleger aufatmen und führt zu steigenden Kursen.

Doch folgt man dieser Börsenlogik, gibt es in den USA ein Problem: Dort steigen die Zahlen der Infektionen und der Toten in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie exponentiell. Doch es gibt keine Beschränkungen bei den sozialen Kontakten. Denn in den USA herrscht seit der US-Präsidentenwahl ein Machtvakuum. Donald Trump hat die Wahl verloren, will aber das Weiße Haus nicht verlassen.

Die Gefahr dahinter: Die Amerikaner verhängen sich angesichts der dramatischen Corona-Zahlen einen „privaten Lockdown“ mit negativen Auswirkungen für viele Unternehmen in diesem konsumfreudigen Land. „Es gibt durchaus Entwicklungen, die der Rally ein jähes Ende setzen könnten“, meint auch Börsenexperte Stephan Heibel. Entsprechend könnte die laufende Jahresendrally holprig werden.

Hinzu kommt: Alles in allem sind die Regierungen und Parlamente in Europa weiterhin bereit, mit expansiver Fiskalpolitik die wirtschaftlichen Langzeitfolgen abzufedern. „In den USA sieht das anders aus. Da scheinen die Republikaner nach der verlorenen Wahl wieder in Fundamentalopposition zu gehen“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann. Letztendlich gehe es um die Antwort auf die Frage: In welchem Wirtschaftsraum erzeugt Corona die geringeren Langfristschäden?

Derzeit lautet die Antwort: zuerst in Asien oder Ozeanien, wo die Pandemie als überwunden gilt. Auch am heutigen Montag haben starke Wirtschaftsdaten aus China und Japan die asiatischen Aktienmärkte auf ein Rekordhoch getrieben.

Nach Asien folgt Europa, Schlusslicht sind wohl die USA. Auch die Reaktion an den Devisenmärkten zeigt ein entsprechendes Bild: Der Dollar fällt seit einigen Wochen gegenüber dem Yuan. Innerhalb einer Woche ist der Euro gegenüber dem Greenback von 1,175 auf aktuell 1,186 Dollar gestiegen.

Blick auf Einzelwerte


Encavis: Der Windanlagenbetreiber gerät nach Vorlage der Quartalszahlen unter Druck. Die Aktien des Hamburger Unternehmens geben gegen den positiven Trend 6,2 Prozent nach. Hintergrund seien auch Gewinnmitnahmen, sagte ein Händler. Das darf nicht überraschen: Das Papier ist seit Jahresanfang um knapp 90 Prozent gestiegen.

Das Papier des Windparkbetreibers steht im Fokus von Short-Spekulanten: Mehr als zwölf Prozent aller frei handelbaren Aktien sind „leer verkauft“, wie es im Fachjargon heißt. Mit diesem Anteil, dem höchsten aller Dax-Werte, wetten Hedgefonds auf fallende Kurse bei der Encavis-Aktie.

Continental: Anleger decken sich nach einer Hochstufung mit der Aktie ein. Die Papiere des Autozulieferers legen 1,9 Prozent zu. Die Analysten der Barclays-Bank stuften die Aktie auf „equal weight“ von „underweight“ hoch. Das Unternehmen mache gute Fortschritte bei seinem Transformationsprogramm und der laufenden Bilanzbereinigung.

Vodafone: Ein optimistischerer Ausblick ermuntert Anleger zum Einstieg. Die Aktien des weltweit zweitgrößten Mobilfunkers steigen am deutschen Aktienmarkt um knapp drei Prozent. Das Unternehmen hob seine Gewinnziele für das Geschäftsjahr 2020/2021 auf 14,4 bis 14,6 Milliarden Euro an, nach 14,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Im vergangenen halben Jahr schrumpfte der Gewinn allerdings auf sieben Milliarden Euro.

Was die Charttechnik sagt

Nicht nur der bekannte Dax-Performance-Index (inklusive Dividenden), sondern auch der Dax-Kursindex (ohne Anrechnung von Dividenden) zeigt ein erfreuliches charttechnisches Bild.

Der Kursindex hat seine Unterstützung in Form des Tiefs vom August 2019 mit 5.030 Punkte als Sprungbrett nutzen können und notiert derzeit bei 5.659 Zählern. Damit hat der Index die markante Widerstandszone bei 5.600 Punkten überwunden. Nun sind Notierungen oberhalb der Marke von 6.000 Punkten wieder wahrscheinlich. Perspektivisch winkt dann sogar ein Anlauf auf das bisherige Allzeithoch bei 6.444 Zählern.

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Für den Dax-Performance-Index liegt die nächste wichtige Widerstandszone beim Verlaufshoch am Montag vergangener Woche mit 13.297 Punkten und erstreckt sich bis zum Hoch aus dem Monat September mit 13.460 Zählern. Dort liegt das sogenannte Corona-Hoch, der höchste Stand seit dem Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte. Sollte das Barometer die Marke überwinden, gerät das Rekordhoch mit 13.795 Punkten ins Visier.

Auf der Unterseite bieten sich als strategische Stop-Loss-Marken einige Aufwärtskurslücken als Unterstützungen an. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie gelten laut Charttechnik als Unterstützung.

Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag (9. November). Solange der Dax oberhalb von 12.671 Zählern bleibt, gibt es aus technischer Sicht keine Zweifel an der aktuellen Rally.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.