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Dax schließt vor Fed-Sitzung im Minus – Immobilienwerte unter Druck

Der Dax setzt seine Erholung nicht fort, die Anleger blicken auf die US-Notenbank: Fed-Chef Powell muss laut Experten bei der Zinssitzung, ein „guter Pokerspieler sein“.

Der verfremdete Dax-Chart im Handelssaal der Börse Frankfurt. Foto: dpa

Die Anleger haben an diesem Mittwoch nach dem Kurssprung vom Vortag abgewartet. Der Dax schloss 0,2 Prozent im Minus bei 12.308 Zählern und bewegte sich den gesamten Tag nur innerhalb einer Spanne von gut 50 Punkten.

Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex ein Sechswochenhoch erreicht, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihehäufe in Aussicht gestellt hatte, sollte sich der Wirtschaftsausblick nicht bessern. Der Dax schloss daraufhin gut zwei Prozent im Plus – der größte Tagesgewinn seit Januar.

Doch an diesem Mittwoch setzte sich der Aufwärtstrend nicht mehr fort. Die Anleger blieben vorsichtig, schließlich steht am Abend der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed an. Zwar rechnen Investoren nicht mit einer sofortigen Zinssenkung, allerdings taxieren sie die Wahrscheinlichkeit auf 90 Prozent, dass es bei der nächsten Fed-Sitzung im Juli dazu kommt.

Bis zum Jahresende erwarten Investoren mittlerweile sogar drei Zinssenkungen. Auch US-Präsident Donald Trump fordert unablässig eine gelockerte Zinspolitik. Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, urteilt deshalb: „Fed-Chef Jerome Powell muss ein ziemlich guter Pokerspieler sein, um die Situation zu meistern.“ Powell müsse versuchen, diese Spekulationen zu dämpfen, ohne die Stimmung komplett zu verdüstern.

Auch die Experten der BayernLB bezeichneten die Erwartung baldiger rascher US-Zinssenkungen für überzogen. „Wir bleiben dabei, dass sich die Fed noch etwas zurückhaltend zeigen und eine Zinssenkung nächsten Monat noch nicht konkret in Aussicht stellen wird – zumal es nun ein Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels nächste Woche zumindest abzuwarten gilt.“

Anleger setzten auf eine Annäherung im Zollstreit zwischen den USA und China, nachdem Trump am Dienstag entsprechende Signale ausgesandt hatte. Das dämpfte die Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft.

Von den großen weltpolitischen Themen hatten die neuesten Zahlen der deutsche Industrie nur geringe Auswirkungen: Die Branche musste den vierten Monat in Folge einen sinkenden Auftragsbestand beklagen. Wegen der mauen Nachfrage ist der um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Dafür litten Immobilienwerte weiter darunter, dass sich der rot-rot-grüne Senat in Berlin am Dienstag auf das Eckpunktepapier für einen Mietendeckel in der Hauptstadt für fünf Jahre geeinigt hatte. Das Gesetz soll spätestens im Januar 2020 in Kraft treten. So gehörten die Papiere der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen zu den Verlierern des Tages.

Im Mittelpunkt stand auch Adidas. Der Sportartikel-Hersteller hat einen Rechtsstreit um eine seiner Drei-Streifen-Marke verloren. Das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg erklärte die Marke in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil für nichtig, soweit es um drei parallele, in beliebiger Richtung auf Schuhen, Hemden oder Kappen angebrachte Streifen gehe.

Einzelwerte im Fokus

Adidas: Den Adidas-Papieren ging nach dem Sprung auf ein weiteres Rekordhoch erst einmal die Luft aus: Die Anteilsscheine fielen um 2,3 Prozent. Der Sportartikelhersteller verlor nach einem Urteil des EU-Gerichts das Recht an einer seiner Drei-Streifen-Marken.

Covestro: Der Werkstoffhersteller mit Sitz in Leverkusen legte 2,4 Prozent zu. Am Montag hatte Covestro angekündigt, sein Systemhaus-Geschäft an die Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital zu veräußern. Der Verkaufserlös soll im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Deutsche Bank: Die Aktien von Deutschlands größter Bank legten 2,5 Prozent zu. Insidern zufolge steht die Deutsche Bank vor einem starken Sparkurs. Details zu dem Programm werden spätestens bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am 24. Juli. erwartet.

Vonovia: Die Aktien des Wohnungsunternehmen waren mit einem Minus von 3,3 Prozent das Schlusslicht im Dax. Am Vortag hatte der Berliner Senat Eckpunkte für einen Mietendeckel auf den Weg gebracht und damit bei Anlegern für lange Gesichter gesorgt. Der Berliner Mietendeckel sieht eine Stichtagsregelung für das Mietmoratorium als wesentlichen Bestandteil vor. Die Deutsche Wohnen verlor 4,8 Prozent.

Lufthansa: Die Aktien der Fluggesellschaft setzen ihren Abwärtstrend nach der jüngsten Gewinnwarnung fort und verloren letztendlich 1,4 Prozent.

Carl Zeiss Meditec: Die zuletzt erfolgsverwöhnten Aktionäre des Medizintechnikunternehmens mussten einen Dämpfer hinnehmen: Nach einem skeptischen Analysten-Kommentar sackten die Anteilsscheine am MDax-Ende um gut 5,5 Prozent ab.

Steinhoff: Der Betreiber der „Poco“-Einrichtungshäuser machte im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro Verlust. An den Börsen schlossen die Titel von Steinhoff 8,7 Prozent im Minus.

Vossloh: Der Münchener Unternehmer Heinz Hermann Thiele hält mit 50,1 Prozent nun die Mehrheit an dem Bahntechnik-Konzern. Von knapp 1,6 Millionen ausgegebenen neuen Aktien zeichnete Thiele 1,25 Millionen Aktien im Wert von 38,5 Millionen Euro. Die Börsianer nahmen das negativ auf, neue Aktien verwässern den Gewinn je Aktie. Der Titel des SDax-Konzerns verloren 2,6 Prozent.

Analystencheck: Deutsche Wohnen

Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Deutsche Wohnen nach dem Beschluss für Eckpunkte eines fünfjährigen Mietenstopps in Berlin auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 49 Euro belassen. Der aktuelle Aktienkurs impliziere einen fairen Wert für die Aktie ohne zukünftiges Miet- und Kapitalwachstum, schrieb Analyst Neil Green in einer Studie. Er sehe auf dem gegenwärtigen Niveau nur noch wenig Abwärtsgefahren.

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