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Dax schließt über 13.000 Punkten – Wirecard verliert 4,6 Prozent

Aus Furcht vor einer Eskalation des Zollstreits der Handelsmächte USA und China ziehen sich Anleger zurück. Wirecard gerät erneut unter Druck.

Blick in den Handelssaal der Börse. Foto: dpa

Der Dax hat am Dienstagnachmittag seine Verluste reduziert und die Marke von 13.000 Punkten verteidigt. Der deutsche Leitindex schloss letztendlich 0,3 Prozent im Minus bei 13.071 Zählern. Am Montag war der Dax mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 13.106 Punkten aus dem Handel gegangen.

Im insgesamt noch recht schwachen Markt waren am Dienstag vermeintlich defensive Aktien aus den Sektoren Immobilien und Gesundheit unter den Gewinnern. Titel wie Vonovia, Fresenius und RWE schlossen im Plus.

Zwischenzeitlich hatte es nach deutlich größeren Verlusten ausgesehen, doch nach einer Meldung des „Wall Street Journals“, dass die für diesen Sonntag geplanten neuen US-Strafzölle auf chinesische Waren verschoben werden könnten, machte der Dax am Nachmittag fast 200 Punkte gut. „Ein aufklärender Tweet des US-Präsidenten wäre in diesem Fall ausnahmsweise mal wünschenswert“, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

Positive Signale lieferte auch der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Demnach schätzen Börsianer die deutsche Konjunktur so positiv ein wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg überraschend um 12,8 Zähler auf 10,7 Punkte an. Der Index ist ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage und war bereits im November überraschend angestiegen.

Die richtungsweisenden Entscheidungen stehen in dieser Woche allerdings noch an, etwa die Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed am Mittwoch und der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Anleger rechnen zwar nicht mit konkreten Maßnahmen, hoffen aber auf Signale für die künftige Ausrichtung der Geldpolitik.

Ebenfalls am Donnerstag wird in Großbritannien gewählt. Die Briten stimmen bei der Parlamentswahl darüber ab, ob Boris Johnson oder Jeremy Corbyn der nächste Premierminister wird. Die Wahl gilt als richtungsweisend für den weiteren Verlauf des Brexits und für die Wirtschaftspolitik Großbritanniens.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Größter Verlierer war Wirecard. Die Aktien des Zahlungsabwicklers, der sich dem erneuten Vorwurf von Bilanztricksereien ausgesetzt sieht, schlossen 4,6 Prozent im Minus, nachdem sie zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit März gefallen waren.

Wie aus dem aktuellen „Bundesanzeiger“ hervorgeht, hat der Londoner Hedgefonds TCI Fund Management Limited am Montag Leerverkaufspositionen in Höhe von 0,54 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals eröffnet.

Deutsche Bank: Der Vorstand der Deutschen Bank bestätigte auf seinem Kapitalmarkttag das Ziel einer Nachsteuerrendite von acht Prozent im Jahr 2022. Er erklärte aber gleichzeitig, dass dieses wegen der niedrigen Leitzinsen „ambitionierter“ geworden sei. Die Deutsche Bank will unter anderem Negativzinsen an bestimmte Kunden weiterreichen, um das Renditeziel zu erreichen.

Die Papiere der Deutschen Bank schlossen 0,8 Prozent im Minus, nachdem sie am Morgen noch rund 1,5 Prozent im Plus notiert hatten.

K+S: Der deutsche Salz- und Düngemittel-Hersteller denkt über den Verkauf von Geschäftsteilen nach. Für das Salzgeschäft in Nord- und Südamerika prüfe der Konzern sämtliche Optionen, sagte ein Sprecher. Die K+S-Aktie schloss 4,1 Prozent im Plus bei 10,81 Euro, nachdem sie zuvor auf ein 14-1/2-Jahres-Tief von 9,70 Euro gefallen war.

1 & 1 Drillisch: Am Montag hat der Bundesbeauftragte für Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) ein Bußgeld in Höhe von 9,55 Millionen Euro gegen die Konzerntochter 1 & 1 Drillisch verhängt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber befand, 1 & 1 habe die Informationen seiner Kunden nicht ausreichend geschützt. 1 & 1 kündigte umgehend an, gegen den Bescheid zu klagen. Die Papiere des Telekommunikationsdienstleisters schlossen am Dienstag 1,9 Prozent im Minus.

Bayer: Der Pharmakonzern will bis 2030 CO2-neutral werden. Vorstandschef Werner Baumann kündigte in einem Gastbeitrag im „Handelsblatt“ an, in Energieeffizienz und grünen Strom zu investieren. Bayer-Aktien gewannen 0,3 Prozent.

Handelsblatt-Analystencheck: Goldman Sachs erhöht Kursziel für Vonovia

Goldman Sachs hat das Kursziel für Vonovia von 57,20 auf 60,00 Euro angehoben. Die Aktie beließ die US-Investmentbank auf der „Conviction Buy List“.

Einige Wohnungsmärkte in Europa dürften weiter vom Urbanisierungstrend profitieren – ungeachtet regulatorischer Risiken, die die Bewertungen deutscher Immobilienwerte bereits gedrückt hätten, schrieb Analyst Jonathan Kownator in einer am Dienstag vorliegenden Branchenstudie. Seine erhöhten Kursziele im Sektor gingen größtenteils auf gesunkene Schätzungen für die Kapitalkosten zurück.

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