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Dax schließt im Minus – Deutsche Bank und Commerzbank mit heftigen Verlusten

Nach einem erfolgreichen Frühhandel rutscht der Dax bis zum Handelsende doch wieder in die Verlustzone. Vor allem Bank-Aktien haben es schwer.

In der vergangenen Woche haben die großen deutschen Indizes mit Verlusten gekämpft. Foto: dpa

Der Dax startet in die neue Woche, wie er die alte beendet hat: mit Verlusten. An diesem Montag ging der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 11.680 Punkten aus dem Handel. Auch die anderen Indizes gaben nach: Der MDax der mittelgroßen deutschen Werte gab um 0,4 Prozent nach, während der Technologiewerte-Index TecDax sogar 0,9 Prozent verlor. Der EuroStoxx 50 zeigt sich etwa 0,1 Prozent schwächer.

Vor allem Bank-Aktien kassierten deutliche Verluste: Die Deutsche Bank war mit einem Minus von 5,5 Prozent der größte Verlierer im Dax, die Papiere der Commerzbank sanken zwischenzeitlich auf ein Allzeittief. Anleger begründeten die Schwäche mit den zunehmenden konjunkturellen Risiken und den niedrigen Kapitalmarktzinsen, die die Einnahmen der Geldhäuser belasten.

Dabei war der Handelsbeginn für den Dax verheißungsvoll: Das deutsche Börsenbarometer startete mehr als ein Prozent stärker, Anleger blieben aber skeptisch. „Es bleibt aber abzuwarten, ob angesichts der anhaltenden konjunkturellen und politischen Unsicherheit diese Kursgewinne gehalten werden können“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Er sollte recht behalten: Anschließend baute der Dax kontinuierlich ab.

Unbehagen bereitete Investoren vor allem der ungelöste Zollstreit zwischen den USA und China. Am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump die für September geplante nächste Verhandlungsrunde zur Beilegung des Konflikts in Frage gestellt. Sein Handelsberater Peter Navarro betonte dagegen, die Gespräche würden wie geplant fortgesetzt.

Auch die politischen Risiken in Italien beunruhigten die Anleger. Dort hatte vergangene Woche Innenminister Matteo Salvini die Koalition aus der rechten Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung für gescheitert erklärt und fordert seitdem Neuwahlen. Er trifft aber auf unterwarteten Widerstand von des aktuellen Premiers Giuseppe Conte. Neben der Brexit-Problematik und den Folgen des Handelsstreits droht der EU also eine weitere Bewährungsprobe.

Die politischen Unruhen in Italien wirken sich besonders auf die Banken des Landes aus. Anleger deckten sich auch wieder mit italienischen Staatsanleihen ein, die sie am Freitag aus den Depots geworfen hatten. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,758 Prozent.

In Großbritannien sorgte die wachsende Angst vor einem ungeordneten EU-Ausstieg derweil dafür, dass die Talfahrt des Pfund weiterging. Dieses Risiko werde auch bei einem raschen Sturz der Regierung von Premierminister Boris Johnson nicht geringer, da Neuwahlen erst nach dem offiziellen Brexit-Termin am 31. Oktober abgehalten würden, warnte BayernLB-Analyst Manuel Andersch. „Ob ein eigentlich schon aufgelöstes Unterhaus dann noch die Legitimation besitzt, den Premier zu einem Verlängerungsantrag zu verpflichten, ist zumindest anzuzweifeln.“

Vor diesem Hintergrund fiel der Kurs des Pfund Sterling auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 1,2013 Dollar. Gegenüber dem Euro notierte das Pfund sogar so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Blick auf die Einzelwerte

Commerzbank: Die Talfahrt der Commerzbank geht weiter. Die Aktien des Geldhauses notierte zum Börsenschluss knapp vier Prozent schwächer bei 5,044 Euro. Zwischenzeitlich hatte sie sogar ein neues Rekordtief bei 5,022 Euro gesetzt. Nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank stellt der Bund seine gut 15-prozentige Beteiligung an der Commerzbank auf den Prüfstand. Außerdem drückt die steigende Risikovorsorge für faule Kredite den Gewinn.

Osram: Nachdem der Deal zwischen AMS und Osram bereits geplatzt war, wagt der österreichischen Halbleiterkonzerns AMS erneut eine Offerte. AMS will die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausstechen – und bietet bis zu 4,3 Milliarden Euro für den Münchner Lichtkonzern. An der Börse schlossen die Osram-Titel 10,4 Prozent im Plus, die von AMS dagegen verloren 6,6 Prozent.

Thyssen-Krupp: Dem Konzerndroht der Abstieg aus dem Dax, mit einem Tagesverlust von knapp drei Prozent ist dieser Schritt etwas wahrscheinlicher geworden. Anfang September entscheidet die Deutsche Börse über die Zusammensetzung ihrer Indizes. Ersatz für Thyssen-Krupp könnte MTU Aero Engine oder die Deutsche Wohnen sein.

Leoni: Die Anteile des Autozulieferers und Kabelspezialisten verloren 14,9 Prozent. Damit gingen die Leoni-Titel abgeschlagen am SDax-Ende aus dem Handel. Vergangene Woche hatte die Wirtschaftswoche berichtet, Leoni wolle mithilfe eines externen Sanierers wieder wirtschaftlich erfolgreich werden. Anleger setzen derzeit auf sichere Titel, allerdings gehören die aus der Automobilbranche nicht dazu.

Salzgitter: Der Stahlkonzern präsentierte seinen Anlegern Einbußen bei Umsatz und Gewinn. Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann begründete die schlechten Zahlen mit „sukzessiv verschlechternden Rahmenbedingungen“. Die Aktie schloss sieben Prozent im Minus.

Tullow: Der britische Ölförderer hat ein Ölfeld vor der Küste des südamerikanischen Guyana ausfindig gemacht, das mehr als 100 Millionen Barrel Öl liefern könne. Anleger stiegen bei Tullow Oil ein und verhalfen der Aktie mit 19,8 Prozent zum größten Tagesgewinn seit fast elf Jahren.

Thomas Cook: Die Papiere des angeschlagenen Tourismuskonzerns schlossen 18,3 Prozent im Minus, nachdem sie zeitweise um mehr als 35 Prozent abgestürzt waren. Thomas Cook benötigt eine Kapitalspritze von insgesamt umgerechnet rund einer Milliarde Euro. Zwar sagt der Konzern, die Gespräche mit den Anlegern seien bereits weit fortgeschritten. Allerdings verliert Thomas Cook das Vertrauen seiner Banken – mit einer Bank wurde die Zusammenarbeit komplett beendet.

Analystencheck: UBS stuft Telefónica herab

Die Schweizer Großbank UBS hat Telefónica von „kaufen“ auf „halten“ abgestuft und das Kursziel von 9,10 auf 6,40 Euro gesenkt. Die Gewinnentwicklung des spanischen Telekomkonzerns sei schwach und die Entschuldung gehe nur langsam voran, so Analyst Giovanni Montalti. Die operativen und strategischen Entscheidungen hätten nicht die erhofften Fortschritte gebracht, die Hauptgrundlage für seine zuvor positive Haltung sei somit nicht gegeben.

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