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Dax schließt im Plus – Hedgefonds nehmen Verlierer der Coronakrise ins Visier

Ein bemerkenswertes Quartal findet ein Ende. Das gilt nicht nur für den Kursverlauf am deutschen Aktienmarkt, sondern auch für den Goldpreis.

Der Dax beendet den Börsentag mit mehr als einem Prozent im Plus. Foto: dpa

Der deutsche Aktienmarkt ist auf der Suche nach einer neuen Richtung: Der Handel am Dienstag verlief unspektakulär – zwischen Tageshoch und -tief lagen nur 162 Punkte. Kurz vor Handelsschluss legte der Dax noch einmal etwas zu und schloss 0,6 Prozent im Plus bei 12.310 Zählern.

Mit dem heutigen Handelstag findet ein bemerkenswertes zweites Quartal ein Ende. Nach dem schnellsten und dynamischsten Rückschlag der Dax-Historie brachten die letzten drei Monate eine gleichermaßen atemberaubende Erholung.

Die technischen Analysten der Bank HSBC haben ausgerechnet: Mit einem Kursplus von 23 Prozent sichert sich das aktuelle Quartal einen Platz auf dem Siegertreppchen – nur das Schlussquartal 1999 und das zweite Quartal 2003 (plus 35 Prozent sowie plus 33 Prozent) verliefen noch erfolgreicher.

Mit dem heutigen Schlussstand konnte der Index erneut die wichtige charttechnische Marke im Bereich von 12.000 Punkte verteidigen. „Werte um 12.100 im Dax werden als Kaufgelegenheiten betrachtet – wenngleich auch nur für Spekulationen und noch nicht für langfristige Überzeugungskäufe“, erklärte Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment am Montag.

Derzeit wird am Finanzmarkt eine schnelle Erholung der Wirtschaft eingepreist. Ob das gelingt? Sentimentexperte Heibel prognostiziert, dass die Erwartung steigender Kurse in den kommenden Wochen zumindest infrage gestellt wird. „Dann dürften die Corona-Verlierer, die in den vergangenen Wochen parallel zu den -Gewinnern angestiegen sind, Federn lassen“, warnt der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx.

Ein Beweis für diese Theorie zeigt das Beispiel Deutsche Lufthansa. Die Aktie zählt zu den klassischen Verlierern der Coronakrise. Mit einem staatlichen milliardenschweren Rettungspaket wurde die drohende Insolvenz vermieden.

Das Hin und Her um das Paket hinterließ deutliche Spuren bei der Kursentwicklung. Das Papier rutschte Mitte April auf 7,02 Euro ab, den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Nach der anschließenden Rally auf 12,56 Euro als höchste Notierung stabilisierte sich die Aktie bei neun Euro, obwohl das Unternehmen aus dem Dax in den MDax abrutschte. Auch am heutigen Dienstag wird der Anteilsschein bei 8,94 Euro gehandelt, ein Minus von 0,8 Prozent.

Doch was machen die Hedgefonds, die mit ihrer Spekulation auf fallende Kurse bei Wirecard viel Geld verdient haben? Sie erhöhen ihre Wette, dass Lufthansa als Verlierer-Aktie der Coronakrise bald wieder schwächer notiert. Ihre sogenannte Leerverkaufsquote liegt mittlerweile wieder bei mindestens 11,99 Prozent aller frei handelbaren Aktien. Elf Hedgefonds sind dabei, drei von ihnen haben laut Bundesanzeiger ihre Quote am vergangenen Freitag erhöht.

Auch beim Flughafenbetreiber Fraport, ein weiterer klassischer Verlierer der Coronakrise, wurde in den vergangenen Tagen die Wette auf fallende Kurse erhöht. Ähnliches gilt für die beiden Stahlwerte Thyssen-Krupp und Salzgitter, wenn auch in geringerem Umfang.

Leerverkäufer spekulieren auf fallende Kurse, indem sie Aktien eines Unternehmens beispielsweise bei Investmentfonds leihen und verkaufen. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist wieder zurückzugeben, müssen sie sie vorher wieder kaufen – natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs.

Genau entgegengesetzt ist die Situation bei der Wirecard-Aktie. Nach dem dramatischen Verfall des Aktienkurses hat sich die Leerverkaufsquote mittlerweile mehr als halbiert und liegt nun bei 7,69 Prozent.

Doch ein Plus von 154 Prozent am vergangenen Montag zeigt: Die Aktie ist nur noch ein Papier für Zocker. So ging es am heutigen Dienstag mit dem Papier in der Spitze um fast 170 Prozent auf 9,20 aufwärts. Zum Börsenschluss notiert das Papier bei 5,73 Euro, plus 75,8 Prozent.

Blick auf Einzelwerte

Commerzbank: Die Bank hat ihre Aufsichtsratssitzung zu den Sparplänen abgesagt. In unbestätigten Medienberichten ist die Rede davon, dass die Bank bis zu 7000 Stellen abbauen könnte und etwa 400 Filialen schließen will. Die Aktie der Commerzbank schließt auf dem Stand des Vortages, zählt aber bei den europäischen Banken zu den besseren Werten.

Varta: Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählte Varta mit einem Kursplus von 3,2 Prozent. Das Unternehmen erhält vom Staat 300 Millionen Euro für den Ausbau der Batteriezellfertigung. Dieser Schritt sei aber erwartet worden, sagte ein Börsianer.

Blick auf andere Assetklassen

Die Furcht vor einer zweiten Coronavirus-Infektionswelle und einer anziehenden Inflation durch die billionenschweren Konjunkturhilfen von Notenbanken und Staaten macht Gold attraktiv. Die „Antikrisen-Währung“ kostet mit gut 1773 Dollar je Feinunze derzeit knapp 12,8 Prozent mehr als Anfang April und steht damit vor dem stärksten Quartalsgewinn seit dem ersten Quartal 2016.

Der Anstieg um gut 16 Prozent vor vier Jahren folgte allerdings nach einer Verluststrecke von sechs Quartalen und begann von einem sehr niedrigen Niveau. Der Quartalsanstieg diesmal ist dagegen bereits der siebte in Folge und setzte auf einem deutlich höheren Niveau ein. Somit besitzt der derzeitige Anstieg eine ganz andere Qualität. Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings: Der Preisanstieg damals wie heute war vor allem auf eine starke Investmentnachfrage zurückzuführen.

Gold in der europäischen Gemeinschaftswährung Euro steigt auf 1586 Euro je Feinunze, da der US-Dollar nach unerwartet starken Daten zum US-Immobilienmarkt aufwertet. Dass sich Gold dieser Aufwertung widersetzt, ist als Zeichen relativer Stärke zu sehen, meinen die Analysten der Commerzbank.

Kupfer winkte mit einem zwischenzeitlichen Plus von mehr als 21 Prozent und einem Preis von aktuell etwas über 6000 Dollar je Tonne der größte Quartalsgewinn seit zehn Jahren. Das Industriemetall profitiere doppelt von der Viruskrise, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Während es auf der Angebotsseite durch temporäre Minenschließungen zu Ausfällen kommt, sinken wegen der starken Nachfrage in China die dortigen Lagerbestände rapide.“

Dank der weltweiten Konjunkturprogramme zur Überwindung der Pandemie-Folgen, dem Trend zur Elektromobilität und den Ausbau des neuer Mobilfunknetze nach dem Standard 5G stehe Kupfer eine glänzende Zukunft bevor.

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