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Dax schließt im Plus – Wirecard-Aktie erneut Tagesverlierer

Die Aktien von Wirecard sind den zweiten Tag in Folge Dax-Schlusslicht. Vorwürfe wegen Beschattungen belasten den Zahlungsdienstleister.

Blick auf die Dax-Kurve im Frankfurter Handelssaal. Foto: dpa

Der Dax schließt am Mittwoch bei 13.146 Punkten etwa 0,6 Prozent fester. Zwischenzeitlich war der deutsche Leitindex ins Minus gerutscht, befand sich ab Mittag aber wieder auf Erholungskurs.

Die Märkte hat gestern wie heute der Zweifel an einer baldigen Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA bewegt. Ein weiteres Indiz dafür haben die Chinesen bereits geliefert.

Künftig sollen die Behörden im Reich der Mitte mit chinesischen Computern, die mit chinesischen Betriebssystemen laufen, arbeiten. Das soll stufenweise erfolgen, ab 2023 soll es dann kein Windows und kein Apple dort mehr geben, kein Android und kein iOS.

Damit wird die Bemerkung von US-Präsident Donald Trump hochaktuell, dass es vielleicht erst eine Teileinigung nach den US-Präsidentschaftswahlen geben wird. Anleger sollten auf jeden Fall eine weitere Eskalation im Handelsstreit nicht ausschließen.

Eine finale Entscheidung über die Einführung weiterer Zölle auf chinesische Importe, die am 15. Dezember verkündet werden soll, dürfte vermutlich erst in letzter Sekunde fallen.


Solch eine Eskalation dürfte den deutschen Aktienmarkt stärker belasten als die US-Indizes. Die US-Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten erstaunlich robust gegenüber den Auswirkungen der Zölle gezeigt.

In dem Zusammenhang ist das Verhalten der Privatanleger schon erstaunlich: Sie nutzten den gestrigen Kursrutsch, um noch stärker auf eine Jahresendrally zu spekulieren. Das entsprechende Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, das anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet wird, stieg am gestrigen Dienstag weiter an und nähert sich dem bisherigen Zwölf-Monats-Hoch.

Diese Entwicklung mahnt zur Vorsicht. Sollten die Kurse ins Rutschen kommen, gibt es kaum noch Nachfrage seitens der Privatanleger. Und sie müssen dann auch schnell ihre risikoreichen Hebelprodukte verkaufen, um die Verluste nicht ausufern zu lassen. Was wieder den Kursrutsch verschärfen dürfte.

Die institutionellen Investoren agieren zurückhaltender, haben in den vergangenen Tagen auch mehr Call- als Put-Optionen an der Frankfurter Terminbörse Eurex gekauft.

US-Notenbanksitzung

Das nächste Risiko oder, je nach Betrachtungsweise, die nächste Chance steht am heutigen Abend nach Börsenschluss auf dem Programm. US-Notenbankchef Jerome Powell verkündet das Ergebnis der Notenbanksitzung.

Worum geht es? Seit ungefähr neun Monaten wird über Zinssenkungen diskutiert, also darüber, wann wie die Zinsen sinken. Aber kann diese Ansicht nach den sensationell guten Arbeitsmarktdaten noch bestehen bleiben? Die US-Notenbank hat ihre Zinsen in diesem Jahr dreimal um jeweils einen Viertelprozentpunkt gesenkt.

Sollte Powell keine Hinweise auf weitere Zinssenkungen geben, könnten die Kurse nachgeben. Das „Worst Case“-Szenario mit einem Hinweis auf eine mögliche Zinsanhebung ist unwahrscheinlich. Powell will das nur bei einem deutlichen Anstieg der Inflation in Erwägung ziehen. Doch dieser Anstieg ist nicht in Sicht.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Der Verlierer des gestrigen Handelstags ist auch am Mittwoch Dax-Schlusslicht. Der Verlust lag zum Handelsschluss bei über vier Prozent. Am Dienstag war es eine Leerverkaufsposition des Londoner Hedgefonds TCI, was den Preis drückte. Heute ist es mal wieder ein Bericht der „Financial Times“. Es ist eine dubiose Geschichte: Ein ehemaliger libyscher Geheimdienstchef, der sich als Wirecard-Aktionär bezeichnete, finanzierte eine Überwachungsaktion in London, die sich an eine Reihe von Investoren richtete, darunter den Hedgefondsmanager Crispin Odey.

Saudi Aramco: Noch nie war der Tadawul-Index der saudi-arabischen Börse so im Fokus wie heute. Denn auf diesem Handelsplatz findet das weltweit größte Börsendebut statt. Die Aktien der saudi-arabischen Staatsfirma erschienen am Mittwoch erstmals zu 35,2 Riyal auf den Kurszetteln der Börse in Riad. Damit lagen sie zehn Prozent über dem Ausgabepreis von 32 Riyal oder umgerechnet 8,53 Dollar.

Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption („Greenshoe“) beläuft sich das Emissionsvolumen auf insgesamt 29,4 Milliarden Dollar. Bisheriger Spitzenreiter war der chinesische Onlinehändler Alibaba, der 2014 Papiere im Volumen von rund 25 Milliarden Dollar losschlug. Zum Ausgabepreis wird Aramco mit insgesamt 1,7 Billionen Dollar bewertet und schwingt sich zum wertvollsten Börsenunternehmen der Welt auf.

Credit Suisse: Das Geldhaus kippt seine Gewinnziele für das laufende und das kommende Jahr. Angesichts einer schleppenden Ertragsentwicklung stellte die zweitgrößte Schweizer Bank für 2019 nun eine Eigenkapitalrendite von gut acht Prozent in Aussicht. Die Aktie verlor 0,8 Prozent.

Hornbach: Die Aktien gewannen über sieben Prozent. Der Baumarktkonzern erhöhte nach einem Gewinn- und Umsatzanstieg im dritten Quartal seine Ertragsprognose für das Gesamtjahr. Trotz möglicher Witterungsschwankungen sowie gesamtwirtschaftlicher Risiken im vierten Quartal erwartet die Baumarkt AG nun, dass im Geschäftsjahr 2019/20 der Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns (Ebit) im mittleren bis oberen zweistelligen Prozentbereich (zuvor: „um mehr als 40 Prozent“) liegen wird.

Aurubis: Nach der Bilanzvorlage stiegen die Aurubis-Aktien auf bis zu elf Prozent. Mit nahezu 50 Euro notierten sie so hoch wie zuletzt im April. Eine gute Metallausbeute, Edelmetallverkäufe zu lukrativen Preisen und höhere Schwefelsäure-Erlöse sorgten im Schlussquartal dafür, dass der Vorsteuergewinn um drei Prozent auf 67 Millionen Euro kletterte. Zudem rechnet Europas größte Kupferhütte für 2019/20 mit einer stabilen Kupfernachfrage.

Tui: Der Touristikkonzern will die Dividendenpolitik ändern und ab dem kommenden Jahr 30 bis 40 Prozent des bereinigten Überschusses an die Aktionäre ausschütten. Dabei sollen 0,35 Euro je Aktie nicht unterschritten werden. Für 2019 schlägt das Management 0,54 Euro je Aktie vor nach 0,72 Euro für 2018. Bislang orientierte sich die Dividende an dem Wachstum des bereinigten operativen Gewinns (Ebita). Die geringere Dividende kommt an der Börse nicht gut an. Die Aktie verliert mehr als ein Prozent.

BVB/Ajax Amsterdam: Anleger von Borussia Dortmund haben am Mittwoch den Achtelfinal-Einzug in die Champions League gefeiert. Die Aktien kletterten in der Spitze um knapp zehn Prozent auf 9,18 Euro. Damit notierten sie so hoch wie seit rund anderthalb Monaten nicht mehr. Bei Handelsschluss lagen sie mehr als acht Prozent im Plus. Der deutsche Vizemeister hatte am Dienstag das letzte Gruppenspiel gegen Slavia Prag mit 2:1 gewonnen. Damit sind die Borussen im kommenden Jahr weiterhin in der lukrativen Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs dabei.

Lange Gesichter gab es dagegen bei Anhängern und Anlegern von Ajax Amsterdam. Nach dem Vorrunden-Aus in der Champions League brachen die Anteilsscheine um bis zu 9,9 Prozent ein, bei Handelsschluss lagen sie knapp über sieben Prozent im Minus. Der niederländische Halbfinalist der Vorsaison verpasste durch eine 0:1-Heimniederlage gegen Valencia den Einzug in die K.O.-Runde. 

Was die Charttechnik sagt

Die Jahresendrally kann noch nicht zu den Akten gelegt werden, denn die Saisonalität lässt noch hoffen. „In der zweiten Dezemberwoche kommt es oftmals zu einer kleinen Delle, ehe danach die klassische Weihnachtsrally startet“, haben die technischen Analysten der Düsseldorfer Bank HSBC analysiert.

Doch dafür muss der Index zunächst mal die Marke von 13.200 Punkten überwinden, die seit mehr als einer Woche unüberwindbar ist. Danach rücken die vergangenen Verlaufshochs bei 13.301/338/374 Punkten wieder in den Blickpunkt. Das sind viele Hürden, damit die Frankfurter Benchmark wieder das bisherige Rekordhoch (13.596 Zähler) aufs Korn nehmen kann.

Was aber Mut macht, sind die gestrigen Rückkäufe, nachdem der Dax auf 12.886 Zählern abgerutscht ist.

Als wichtige Unterstützung dient aber erst der Bereich um 12.500 Punkte. Mehrere Wochen lang im September versuchte der Dax, diesen Bereich zu überwinden – ohne Erfolg. Erst nach einem Rutsch auf 11.878 Zähler sammelte die Frankfurter Benchmark wieder Kraft, um die Marke Mitte Oktober zu überwinden.

Das bedeutet: Mehrere Wochen war der Bereich ein Widerstand. Anleger waren offenbar nicht bereit, auf solch einem Kursniveau weiter zu kaufen.

Nach dem Überwinden ist aus diesem Widerstand eine Unterstützung geworden, die allein angesichts der Dauer wichtig ist. Spätestens wenn der Dax unter diese Marke fallen sollte, steht die Börsenampel auf Gelb.

Der nächste Haltepunkt, damit die Rally seit Jahresanfang weiterlaufen kann, ist die 200-Tage-Linie. Zur Erinnerung: Der Dax hat seit dem 1. Januar 2019 mehr als 25 Prozent zugelegt. Die 200-Tage-Linie ist der Gradmesser für den langfristigen Aufwärtstrend und hatte eine noch größere Bedeutung, als es noch keinen Computerhandel gab. Es ist quasi der Durchschnittswert der vergangenen zwölf Monate.

Diese Durchschnittslinie notiert aktuell bei rund 12.246 Zählern und steigt täglich um etwas mehr als zehn Punkte. Es wäre kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn der Dax diese Linie in den kommenden Wochen testen würde.

Bei all diesen charttechnischen Betrachtungen gilt: Die Marken sind lediglich eine Orientierung und können beispielsweise im Handelsverlauf eines Tages deutlich unterschritten werden. Denn viele Trader orientieren sich an solchen Marken.

Handelsblatt-Analystencheck: Goldman Sachs bestätigt Kaufempfehlung für DWS-Aktie

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für DWS nach Aussagen des Vermögensverwalters zur Strategie auf „kaufen“ mit einem Kursziel von 36 Euro belassen. Positive Effekte durch Kostensenkungen dürften teilweise von zukünftigen Investitionen ausgeglichen werden, schrieb Analystin Roberta De Luca in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Unter dem Strich dürften die Aussagen aber die Zuversicht am Markt erhöhen, dass die DWS ihre Vorhaben realisieren kann.

Hier geht es zum Handelsblatt-Analystencheck.


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