Deutsche Märkte geschlossen

Dax gelingt freundliches Ende einer schlechten Woche

Der Aktienhandel an den europäischen Börsen wurde von dem Zollstreit zwischen den USA und China überschattet. Viele Anleger haben ihre Positionen verringert.


Europas Anleger haben vor dem Wochenende ein Ausrufezeichen gesetzt. Nach vier Verlusttagen in Folge hatte sich das Wochenminus des Dax auf deutlich mehr als drei Prozent summiert. Am Donnerstag war der Dax so tief geschlossen wie seit Anfang April nicht mehr.

Doch am Freitag stoppten die Investoren die Talfahrt, der Dax notierte über weite Strecken mehr als anderthalb Prozent fester. Erst mit dem Nachmittag ließ der Schwung nach, am Ende ging der Deutsche Aktienindex 1,1 Prozent fester aus dem Handel bei 12.306 Punkten. Die Wochenperformance: Ein Abschlag von 2,2 Prozent.

Für den versöhnlichen Ausklang war vor allem die Politik verantwortlich, dort hatte es in der Nacht einen Durchbruch gegeben. Auf dem EU-Gipfel konnten die europäischen Staats- und Regierungschefs eine gemeinsame Linie für die zukünftige Asylpolitik vereinbaren. Mit dem Kompromiss, der eine Verschärfung der Migrationspolitik vorsieht, scheint ein Bruch der Regierungskoalition in Deutschland vorerst abgewendet.

EU-Einigung entspannt die Situation

Das Brüsseler Ergebnis sei ein positiver Schritt und dürfte den Dax nach den deutlichen Verlusten der vergangenen Tage für den Moment stabilisieren, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Die Skepsis darüber, dass die Europäische Union in diesem Punkt einen Konsens erzielen wird, war im Vorfeld sehr hoch.“


Das zeigt auch der Blick auf den Devisenmarkt, wo der Euro kräftig zulegte – um 0,9 Prozent auf 1,1672 Dollar. Dem europäischen Aktienhandel tat das aber keinen Abbruch. Neben dem Dax notierten auch die anderen Handelsplätze der Währungsunion im Plus. Der Euro-Stoxx-50 als deren Leitindex schloss letztlich 1,1 Prozent fester bei 3401 Punkten. In New York setzten die US-Börsen ihren positiven Trend fort, auch dort konnte die Angst vor einer weiteren Eskalation im Handelsstreit durch Donald Trump in den Hintergrund rücken.

Der mit dem heutigen Handelstag beendete Börsen-Juni war ein sehr schwieriger Monat für die Börsianer. Zwar hatte der Dax zur Monatsmitte die 13.000-Punkte-Marke überwinden können, notierte zwischenzeitlich so hoch wie seit Ende Januar nicht mehr. Doch auf Monatssicht zeigt die Kurstafel ein Minus von 2,4 Prozent.

Deutsche Bank fällt beim US-Stresstest, Anleger steigen dennoch ein

Unter den Einzelwerten stand das Ergebnis des zweiten Teils des Stresstestes der US-Notenbank Fed für in den USA tätige Großbanken im Fokus. Die Deutsche Bank fiel als einziges Institut durch. Doch die Anleger zeigten sich unbeeindruckt. Im freundlichen Marktumfeld gehörten die Papiere des Instituts mit Aufschlägen von bis zu 3,3 Prozent zu den gefragtesten unter den 30 Titeln des Dax. Am Ende gingen sie mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent mit einem Platz im oberen Drittel ins Wochenende.


„Es war erwartet worden, dass die Bank durchfällt, und das war schon weitgehend im Aktienkurs eingepreist“, sagte Aktienanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Es seien unter anderem Defizite bei der Datenverfügbarkeit, den internen Kontrollen und im Risikomanagement gefunden worden. „Die direkten Folgen daraus sind zu vernachlässigen, aber für das Image ist es nicht gut“, sagte ein Händler.

Infineon gefragtester Wert nach heftiger Talfahrt

Noch deutlicher legte Infineon zu, deren Scheine sich um 2,6 Prozent verteuerten. Innerhalb zweier Wochen hatte der Halbleiter-Hersteller mehr als zwölf Prozent verloren. Die ohnehin konjunktursensible Technologie-Branche war der größte Verlierer der neuerlichen Eskalation im Handelsstreit der USA. Präsident Donald Trump hatte im Kräftemessen mit Peking Einschnitte für die Branche angekündigt.

Zusätzlicher Rückenwind kam vom deutschen Arbeitsmarkt, wo die Zahl Erwerbsloser im Juni den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht hat. Mit 2,276 Millionen Menschen fällt die Quote um 0,1 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent.


Bitcoin auf neuem Jahrestief

Am Kryptowährungsmarkt setzte sich die Talfahrt indes fort. Hatten Bitcoin und Co im Mai noch eine Art Comeback feiern können, kannten die Kurse in den vergangenen Wochen nur eine Richtung. Im Juli verlor Bitcoin mehr als 20 Prozent, erreichte heute mit einem Stand von 5835 Dollar den tiefsten Stand seit November – das war vor der Kursexplosion zum Jahreswechseln mit Notierungen jenseits der 20.000 Dollar.

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