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Dax legt einen Schlussspurt ein und beendet den Handel zwei Prozent im Plus

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Der Dax hat trotz eines ungewissen Wahlausgangs in den USA eine wichtige Hürde überwunden. Analysten warnen aber: Die Stimmung kann schnell kippen.

Im Blick der Anleger bleibt der weitere Verlauf der US-Wahl. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt der weitere Verlauf der US-Wahl. Foto: dpa

Investoren am deutschen Aktienmarkt müssen zwar weiterhin auf ein eindeutiges Ergebnis der US-Wahlen warten. Dennoch kann sich der Dax im Plus halten und schließt zwei Prozent im Plus auf 12.324 Punkten. Der MDax, in dem Aktien mittelgroßer Unternehmen gelistet sind, stieg sogar um 2,5 Prozent auf 27.241 Punkte. Der Tec-Dax legt um 2,7 Prozent auf 2964 Punkte zu.

Die Handelsspanne am heutigen Mittwoch liegt mit gut 480 Zählern ähnlich hoch wie bei der US-Wahl vor vier Jahren.

Bereits am frühen Nachmittag war das Börsenbarometer über die Marke von 12.200 Punkte gestiegen, dann aber wieder zurückgefallen. Erst am späten Nachmittag nahm der Dax erneut diese Hürde und hielt sich bis Handelsschluss konstant darüber.

Die Marke ist aus technischer Sicht relevant. Sollte die Frankfurter Benchmark nachhaltig darüber bleiben, wäre seit Ende Oktober laufende Kurskorrektur laut technischer Analyse beendet. Bereits am gestrigen Dienstag setzte der deutsche Leitindex seinen Höhenflug vom Wochenanfang fort und schloss 2,5 Prozent höher bei 12.088 Punkten.

Auch wenn noch kein eindeutiger Sieger der US-Wahl feststeht, stellen sich Investoren auf eine zweite Amtszeit von Donald Trump ein. (Aktuelles zur Wahl lesen Sie in unserem Newsblog) Er hat sich bereits zum Sieger erklärt, will die Auszählung der Stimmen vor Gericht stoppen. Es könnte aber bis Freitag dauern, bis das genaue Ergebnis vorliegt.

Naeem Aslam, Chefmarktanalyst beim Brokerhaus Avatrade, rechnete bereits vor dem Handelsstart mit einem Wahlsieg Trumps. „Was die Märkte angeht, so ist klar, dass die Händler damit glücklich sind, weil sie wissen, dass Trump ein weiteres massives Konjunkturpaket und noch mehr Deregulierung mitbringt.“

Vor allem die Tech-Werte dürften von einer zweiten Amtszeit des Republikaners profitieren, sagte Andrew Brenner, Analyst bei Nat-Alliance Securities. Unter einem Präsidenten Joe Biden dürften sie sich deutlich schlechter entwickeln, unter anderem weil die Demokraten die Branche in Anhörungen kritisiert hatten und weil höhere Unternehmensteuern die Firmen belasten dürften.

Den positiven Trend der Tech-Märkte bestätigte auch die Börseneröffnung an der Wall Street. Dort stieg der technologielastige Nasdaq-Index zur Eröffnung um über zwei Prozent. Die Terminkontrakte hatten eine Eröffnung dieser Art bereits prognostiziert. Der Dow Jones, der die Standardwerte abbildet, legte mehr als zwei Prozent zu. Der breiter gefasste S & P 500 gewann sogar fast drei Prozent.

Doch die nächsten Handelstage am deutschen Aktienmarkt könnten noch turbulent verlaufen. Nicht nur die politische Stimmung in den USA deutet auf eine Polarisierung hin, auch das Verhalten der Börsianer. Viele hatten eine feste Meinung, welche Aktien von welchem Kandidaten profitieren würden und hatten entsprechend gekauft. Nun müssen sie ihre Positionen an das Wahlergebnis anpassen. Das könnte zu hektischen Kursbewegungen führen.

Entsprechend werden derzeit am Markt die Papiere verkauft, die von einem US-Präsidenten Joe Biden profitiert hätten. Dazu zählen die Aktien, die zum Bereich „saubere Energie“ zählen, wie die vom Windkraftanlagenbauer Nordex. Das Papier verlor gut drei Prozent.

Anleger sollten sich „auf eine lange Nachspielzeit“ einstellen, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING. „Es kommt nun doch zur nicht ganz unerwarteten Hängepartie, mit möglichen Aufregern, Unruhe und Unsicherheit an den Finanzmärkten. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, warnte davor, dass die Stimmung jederzeit kippen könnte.

Zur Erinnerung: Bereits vor vier Jahren, nachdem der Sieg von Donald Trump feststand, verlief der Handel an der Frankfurter Börse turbulent. Nach dem Wahlergebnis startete der Dax am 9. November 2016 mit Verlusten von bis zu 2,9 Prozent in den Handel. Der deutsche Leitindex lag zur Eröffnung bei 10.181 Zählern und ging mit einem Schlussstand von 10.646 Punkten aus dem Handel. Die Tagesdifferenz lag bei 465 Zählern.

Blick auf die Einzelwerte

BMW: Der Automobilkonzern konnte trotz eines Umsatzrückgangs im dritten Quartal den Vorsteuergewinn steigern. Dank guter Geschäfte in China stieg das Konzernergebnis vor Steuern um nahezu zehn Prozent auf 2,46 Milliarden Euro. BMW bekräftigte die Erwartung, dass das Konzernergebnis vor Steuern im Gesamtjahr deutlich zurückgeht, also um mehr als zehn Prozent. Die Aktie liegt zum Handelsschluss 0,6 Prozent im Plus.

Vonovia: Der größte deutsche Immobilienkonzern profitiert von einem optimistischen Ausblick. Die Aktien gewinnen 5,4 Prozent. Der Konzern erwartet, dass das Ergebnis 2020 trotz der Coronakrise am oberen Ende der Prognose liegen werde.

Hannover Rück: Die Corona-Pandemie wird den Gewinn des Versicherungskonzerns in diesem Jahr um mehr als ein Drittel dezimieren. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer rechnet mit einem Nettoergebnis von mehr als 800 Millionen (Vorjahr: 1,28 Milliarden) Euro. Dies liegt jedoch über den Erwartungen der Analysten. Eine Dividende von vier Euro je Aktie sieht Hannover Rück auch in diesem Jahr als gesichert an. Die Aktie steigt 0,9 Prozent.

Zalando: Der Online-Modehändler Zalando läuft in der Corona-Krise zur Hochform auf. Das honorieren auch die Aktionäre, der Titel lag zum Börsenschluss 3,9 Prozent zu und erreichte im Tagesverlauf mit 88,58 Euro ein neues Rekordhoch. Weil viele Kunden auf Käufe über das Internet umstiegen, sprang der Umsatz im dritten Quartal um mehr als ein Fünftel auf 1,85 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis legte auf 118 Millionen Euro nach lediglich sechs Millionen Euro im Vorjahreszeitraum zu. Von einem Nachfragedämpfer wie zum Ausbruch der Pandemie im März ist nach Unternehmensangaben bisher nichts zu spüren.

Blick auf andere Assetklassen

Der Goldpreis je Feinunze (31,1 Gramm) schwankt um die Marke von 1900 Dollar. Am Markt wird wohl eine Wiederwahl von Donald Trump erwartet, doch die Lage wird für ihn nicht einfacher. Denn die Demokraten verteidigen offenbar ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus. Möglicherweise könnten die Republikaner sogar ihre Mehrheit im Senat verlieren.

Diese Konstellation bedeutet: Es dürfte einige Zeit dauern, bis es in den USA zu einer neuen Finanzspritze kommt. Trump muss sich mit den Demokraten auf eine Höhe verständigen. Die Messlatte dafür liegt bei rund zwei Billionen Dollar. Als Folge eines solchen Pakets erhöht sich die Staatsverschuldung deutlich, was wiederum dem Goldpreis anschließend Auftrieb geben würde.

Vor vier Jahren rutschte der Goldpreis in den sechs Wochen nach der Wahl um mehr als 13 Prozent ab. Ein derartiger Verlust ist aber diesmal eher unwahrscheinlich, auch wenn die Verabschiedung des Konjunkturpakets länger dauern dürfte.

Die Anleger am Ölmarkt setzen ebenfalls vorsichtig auf einen Sieg des Republikaners Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl. Der Preis für leichtes US-Öl und die Nordseesorte Brent verteuerten sich um bis zu 3,3 Prozent. Am Nachmittag lagen die Ölpreise noch immer im Plus, allerdings waren die Gewinne niedriger.

Für die Ölmärkte sei der Republikaner der Favorit, sagte Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Trump hatte sich für die Ölbranche eingesetzt und zudem das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt, womit er die Rückkehr der Islamischen Republik auf den Weltmarkt behinderte.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Die technische Analyse dürfte in den kommenden Handelstagen Orientierung bieten. Auf der Unterseite ist der Bereich um 11.450 Punkte wichtig, dort liegen drei Tagestiefs aus der vergangenen Woche. Auf diesem Level herrscht also seit Mittwoch vor einer Woche mehr Nachfrage als Angebot. Sollte der Dax aber deutlich tiefer rutschen, besteht die Gefahr, dass diese neuen Käufer sich schnell verabschieden und den Abwärtsdruck verstärken. Dann käme die Marke von 11.000 Punkten ins Spiel.

Warum 11.000 Zähler? Der Dax hat sich längere Zeit in einer Seitwärtsspanne von 1200 Punkten bewegt und diese mit dem Rutsch unter die Marke von 12.200 Zählern aufgelöst. 12.200 minus 1200 ergibt 11.000 Punkte. So funktioniert die technische Analyse, die oftmals wichtige Anhaltspunkte bietet. Zudem hatten die deutschen Standardwerte Mitte März auf diesem Niveau ein wichtiges Zwischenhoch (11.032 Punkte) ausgebildet.

Entsprechend würde sich die Lage erst deutlich verbessern, wenn der Dax wieder den Bereich um 12.200 Zähler überwinden würde.

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