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Dax schließt im Minus – Anleger begrüßen den Wechsel bei Wirecard

Der Leitindex entfernt sich von einem neuen Allzeithoch. Womöglich steht er vor einer Konsolidierung. Vieles hängt von den Ereignissen am Mittwoch ab.

Blick auf die Dax-Kurve im Frankfurter Handelssaal. Foto: dpa

Das deutsche Börsenbarometer entfernt sich von einem neuen Rekordhoch: Der Dax schloss am Montag 0,2 Prozent niedriger bei 13.452 Punkten.

Noch am vergangenen Freitag stieg der Leitindex auf 13.548 Punkte und war zu diesem Zeitpunkt lediglich 49 Punkte vom Allzeithoch entfernt, das der Index im Januar 2018 mit 13.597 Zählern markiert hatte.

Die aktuelle Frage beim Dax lautet: Schafft er noch ein neues Rekordhoch, bevor es eine längere Konsolidierungsphase gibt? Denn die Anzeichen für eine solche Phase mehren sich. Allein aus technischer Sicht gilt der Index als „überkauft“, er ist zu schnell zu hoch gestiegen.

Auch das Risikoradar der Investmentberatungsfima Sentix liegt beispielsweise auf einem der negativsten Werte seit 2001. Das gilt als Zeichen für fallende Kurse, aber nicht unbedingt für einen größeren Ausverkauf. Vor allem die US-Aktienmärkte seien reif eine längere Verschnaufpause. „Saisonal ist die zweite Januar-Hälfte oftmals ein Zeitpunkt für Konsolidierungen“, meinen die Sentix-Experten.

Ein ähnliches Szenario für das Börsenjahr 2020 bietet auch die Auswertung der jährlichen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment. Das sieht so aus: Zunächst gibt es zum Start einen überraschenden, aber nur moderaten Ausverkauf. Erst im Frühjahr finden die Aktienmärkte einen Boden, von dem aus die Kurse wieder steigen.

Dieser Boden liegt jedoch oberhalb von 12.000 Punkten, meint Stephan Heibel, Inhaber des Anlalysehauses Animusx nach Auswertung der Umfrage.

Sind die heutigen Verluste bereits der Startschuss für die Konsolidierungsphase? Entscheidend für den weiteren Kursverlauf könnten auch die Ereignisse am Mittwochabend dieser Woche sein: Denn dann soll das Teil-Handelsabkommen zwischen den USA und China unterschrieben werden. Noch fehlt es allerdings an Einzelheiten der Vereinbarung.

„Es gibt Zweifel, wie umfassend das Abkommen ist und ob das Abkommen von beiden Regierungen vollständig umgesetzt wird“, meint auch Joseph Capurso, Devisenstratege bei CBA. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Kurse aufgrund von Gerüchten steigen und die Anleger aussteigen, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen.

Im Blick haben Anleger zudem die US-Berichtssaison, die am Dienstag von den amerikanischen Großbanken eingeläutet wird.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Die Meldungen beim Online-Zahlungsdienstleister überschlagen sich. Zunächst legte Wulf Matthias seinen Posten als Aufsichtsratschef nieder. Nachfolger ist Thomas Eichelmann, seit Mitte 2019 Mitglied des Kontrollgremiums und Leiter des Prüfungsausschusses.

Er war früher unter anderem Finanzvorstand der Deutschen Börse. Anleger begrüßten den Wechsel und hievten die Wirecard-Aktie mit einem Plus von 2,4 Prozent an die Dax-Spitze.

Gleichzeitig hat der Online-Chefredakteur des  Fachmagazins „Finance“, Michael Hedtstück, Strafanzeige wegen des Verdachts auf illegale Beschattung im Zusammenhang mit seiner Berichterstattung über den Zahlungsdienstleister gestellt. 

Darüber hinaus fordert eine Gruppe von Kleinaktionären eine unabhängige Bilanz-Sonderprüfung bei dem Zahlungsdienstleister, die über die von Wirecard bei KPMG in Auftrag gegebene Prüfung hinausgeht.

Morphosys: Das Biotechnologieunternehmen hat mit der US-Firma Incyte eine Kollaborations- und Lizenzvereinbarung für das Medikament Tafasitamab (MOR208) geschlossen. Im Rahmen der Vereinbarung erhält Morphosys eine Vorauszahlung in Höhe von 750 Millionen Dollar.

Abhängig vom Erreichen bestimmter Fortschritte könnte Morphosys Meilensteinzahlungen in Höhe von bis zu 1,1 Milliarden Dollar erhalten. Davon profitierte die Aktie zunächst, die um bis zu 7,4 Prozent zulegte, dann aber 9,3 Prozent im Minus schloss.

„Am Markt hatte man gehofft, dass MOR208 zusammen mit einem großen Pharmakonzern und dessen starken Vertriebsteam vermarktet wird“, schrieb die Investmentbank JPMorgan (JPM) in einer ersten Reaktion.

Tui: Der Reisekonzern stellt sich auf Verzögerungen bei der Auslieferung der Flugzeugtypen Boeing 737 Max ein. „Damit wir kurzfristig reagieren können, haben wir für den Fall bereits die Leasingverträge bei einigen unserer Maschinen verlängert, die die Max ersetzen sollen“, erklärte Deutschland-Chef der Tuifly Oliver Lackmann der „Wirtschaftswoche“.

Der Manager bekräftigte, dass weitere Verzögerungen die Kosten stärker erhöhen könnten. Als Reaktion gab die Aktie 1,8 Prozent nach.

Teamviewer: Das Wachstum beim Softwareanbieter kam bei Anlegern nur zeitweise gut an. Die Aktie legte um über fünf Prozent zu, schloss dann aber 0,9 Prozent niedriger. Das Unternehmen steigerte die faktorierten Einnahmen (Billings) im vierten Quartal um gut ein Drittel auf 101,4 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr liegt das Plus sogar bei 41 Prozent auf 324,9 Millionen Euro und damit über der eigenen Prognosespanne zwischen 315 und 320 Millionen Euro.

Was die Charttechnik sagt

Das charttechnische Ziel des deutschen Börsenbarometers ist klar: Es geht nun um das bisherige Rekordhoch von 13.597 Punkten aus dem Januar 2018. Ausbruch oder Abprall, das ist die entscheidende Frage.

Wie wichtig dieser gesamte Bereich zwischen 13.000 und 14.000 Punkte aus charttechnischer Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Kursverlauf der vergangenen drei Jahre. Denn die vergangenen Jahreshochs liegen eng beieinander: 2019 mit 13.426 Zählern, 2018 mit 13.597 Punkten, gleichzeitig Rekordhoch, und 2017 mit 13.526 Zählern.

Ein Abprall von dieser Marke oder ein Ausbruch dürfte laut technischer Analyse weichenstellend für Monate, Quartale oder Jahre sein. 

Erst bei einem Rutsch unter die Marke von 13.400 dürften sich die Aussichten erstmalig etwas eintrüben, oberhalb von 13.150 Zählern gilt das Börsenbarometer aber immer noch als „bullish“.

Auch auf das Gesamtjahr betrachtet verspricht eine alte Börsenregel steigende Kurse: Sie besagt, dass die Kursentwicklung der ersten fünf Handelstage die Richtung für das Gesamtjahr vorgibt. Beim Dax kam es in 70 Prozent der Fälle auch so.

Zum Jahresauftakt 2020 legte der Leitindex ein halbes Prozent zu. In der ablaufenden Woche gewann der Dax insgesamt 2,4 Prozent und steuerte auf das größte Wochenplus seit drei Monaten zu.

Handelsblatt-Analystencheck: Barclays bekräftigt Kaufempfehlung für Munich-Re-Aktie

Die britische Investmentbank Barclays hat die Einstufung für Munich Re auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 270 Euro belassen. Rückversicherer hätten 2019 erneut höhere Preise erzielt, schrieb Analyst Ivan Bokhmat in einer am Freitag vorliegenden Studie. Große Versicherer wie Munich Re erschienen seinen dabei wohl die größten Nutznießer.

25 Studien im Handelsblatt-Analystencheck beschäftigen sich mit der Munich-Re-Aktie. Den sieben Kaufempfehlungen steht 15 Mal der Rat „halten“ gegenüber, drei Analysen empfehlen, die Aktie zu verkaufen.

Das gewichtete Kursziel sämtlicher Analysten liegt bei 239,80 Euro und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs von 267,80 Euro. Bei dem gewichteten Kursziel werden jüngere Studien höher gewichtet.

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