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Dax liegt vorbörslich unter 10.000 Punkten – Sieben Dinge, die für Anleger heute wichtig sind

Das Coronavirus bremst die Börsen weiterhin aus. Foto: dpa

Trumps Einreisestopp für Reisende aus dem Schengenraum versetzt den Börsen einen weiteren Schlag. Der Dax wird unter 10.000 Punkten erwartet.

Der 30-tägige Einreisestopp für Reisende aus den Ländern des europäischen Schengenraums in die USA belastet die ohnehin schon gebeutelten Aktienmärkte. US-Präsident Donald Trump verkündete die Maßnahme in der Nacht zu Donnerstag (MEZ), mit der die Ausbreitung des Coronavirus in den Vereinigten Staaten eingedämmt werden soll. Zuvor war der Dow-Jones-Index erneut heftig gefallen und hatte fast sechs Prozent verloren.

Auf die neuen Beschränkungen der USA reagierten als erstes die asiatischen Märkte mit deutlichen Abschlägen. Für den Dax rechnen Broker mit einer Eröffnung unter der psychologisch wichtigen Marke von 10.000 Punkten bei etwa 9820 Zählern – das wäre ein Minus von knapp sechs Prozent und das erste Mal seit 2016, dass der deutsche Leitindex unter diese Grenze rutscht.

Seit dem Beginn des Abwärtstrends am 24. Februar hat das Börsenbarometer bis zum gestrigen Mittwoch bereits mehr als 3000 Punkte eingebüßt. Gestern gab der Dax 0,35 Prozent auf 10.437 Punkte nach. Zwischenzeitliche Gewinne konnte er nicht behaupten.

Milliardenschwere Unterstützungen der Wirtschaft durch die Europäische Union sowie ein Eingreifen erster Notenbanken in Europa, insbesondere in Form der Zinssenkung durch die Bank of England, hellten zur Wochenmitte die Stimmung nur zwischenzeitlich etwas auf. Anleger hoffen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nachzieht. Sie entscheidet an diesem Donnerstag über ihre Maßnahmen.

Angesichts der Verwerfungen treten alle weiteren Meldungen in den Hintergrund. Dazu gehört auch die Vorlage der Jahreszahlen des Energiekonzerns RWE. Dabei dürfte ein Update zur neuen Strategie interessant sein.

1 – Vorgaben aus den USA

Die US-Börsen sind am Mittwoch erneut tief im Minus aus dem Handel gegangen. Der US-Leitindex Dow Jones fiel bis zum Börsenschluss um mehr als 1465 Punkte oder 5,9 Prozent auf 23.533 Punkte. In der letzten Handelsstunde hatte das Minus zwischenzeitlich sogar mehr als 1600 Punkte betragen. Das Tagestief lag bei 23.328 Punkten und damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang vergangenen Jahres.

Damit hat für den Dow Jones Index offiziell der Bärenmarkt begonnen. Von einem Bärenmarkt sprechen Investoren, wenn die Aktienkurse in einem pessimistischen Umfeld mindestens 20 Prozent unter den letzten Höchstkursen liegen.

Der breiter gefasste S & P 500 schloss 4,6 Prozent niedriger bei 2741 Zählern. Der Index der US-Technologiebörse Nasdaq rutschte mehr als 4,7 Prozent auf 7.952 Punkte ab. „Wir sehen Panik an den Börsen“, sagte Jerry Braakman, Chef-Investment-Officer von First American Trust.

2 – Handel in Asien

Asiens Leitbörse in Tokio ist am Donnerstag angesichts wachsender Sorgen über die Folgen des Coronavirus und Trumps Einreisestopps erneut eingebrochen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte um mehr als 1000 Punkte ab und durchbrach die psychologisch wichtige Marke von 19.000 Punkten. Kurz nach 11 Uhr (Ortszeit) notierte das Börsenbarometer mit einem massiven Abschlag von 1015,63 Punkten oder 5,23 Prozent beim Zwischenstand von 18 400,43 Zählern. Das ist der niedrigste Stand seit April 2017.

3 - Trumps Einreisestopp

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus verhängen die USA einen Einreisestopp für Ausländer, die sich zuletzt im Schengen-Raum aufgehalten haben. „Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen“, sagte Trump im Weißen Haus in einer Ansprache an die Nation. Ausgenommen seien Reisende aus Großbritannien.

Aus Europa kommende Amerikaner müssten sich entsprechenden Tests unterziehen. Die Maßnahme gilt nach Angaben des Weißen Hauses ab 23.59 Uhr am Freitag (4.59 Uhr MEZ am Samstag). Passagiere, deren Flug aus Europa vorher startet, dürfen demnach noch einreisen. In der vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung Trumps hieß es, Ausländer, die sich in den vorhergehenden 14 Tagen in den 26 Schengen-Staaten aufgehalten hätten, dürften nicht mehr in die USA einreisen.

4 – Ratssitzung der EZB

Bei der Ratssitzung der EZB in Frankfurt wird es vor allem um mögliche finanzpolitische Maßnahmen im Zuge der Coronakrise gehen. Lagarde hat die Staats- und Regierungschefs der EU bereits vor einem wirtschaftlichen Schock wie in der Finanzkrise gewarnt. Als mögliche Schritte der EZB stehen unter anderem Erleichterungen bei der Kreditvergabe, eine Absenkung des Einlagezinses in zwei Schritten auf minus 0,7 Prozent und zugleich eine Erhöhung der Freibeträge für Banken im Raum.

5 – RWE zieht Bilanz

Der Stromproduzent präsentiert seine Jahreszahlen – aber wegen der Coronakrise nicht wie geplant in London, sondern per Telefon und Video. Die Analysten werden besonders auf das Update zur Strategie achten. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz will nach der Übernahme der erneuerbaren Energien im Zuge des Tauschgeschäfts mit Eon neue Ziele nennen.

5 – IfW veröffentlicht Frühjahrs- und Konjunkturprognose

Das Institut für Weltwirtschaft legt in Kiel seine Prognose für die Wirtschaft in Deutschland und dem Euro-Raum vor. Vierteljährlich erscheinen Berichte des Instituts zur konjunkturellen Entwicklung in der Weltwirtschaft. Für 2020 erwartete das Institut im vergangenen Dezember noch ein Jahr mit schwachem Wachstum. Der noch unklare Umfang der Auswirkungen des Coronavirus dürfte die Aussichten nicht verbessert haben.

6 – Chemieverband VCI berichtet über die Branchenkonjunktur

Der Verband der Chemischen Industrie erläutert, wie in der Branche das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2019 verliefen und wie die Aussichten für 2020 sind. Der Ausblick dürfte durch das Coronavirus nicht besonders optimistisch ausfallen. Außerdem wird VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große-Entrup berichten, welche Bedeutung der „Green Deal“ der EU-Kommission für Deutschlands drittgrößte Industriebranche hat. Im November noch war vorerst kein Ende der Flaute in der Pharmaindustrie in Sicht. Im dritten Quartal gab es weder eine Trendwende noch positive Signale für die Zukunft. Mit einem Umsatzminus von 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hatte sich der Abschwung fortgesetzt.

7 – K+S legt Jahreszahlen vor

Der Kasseler Düngemittel- und Salzkonzern präsentiert am Donnerstag seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr. Ein besonderes Augenmerk der Investoren dürfte auf den Erwartungen des Managements für das laufende Jahr liegen. Bereits am Mittwoch verkündete K+S, das nordamerikanische Salzgeschäft zu verkaufen, um Schulden abzubauen. Im Dezember hatte CEO Burkhard Lohr angekündigt, verschiedene Maßnahmen zu prüfen – vom Verkauf von Unternehmensteilen bis hin zu einem Börsengang der US-Salzsparte. Der Konzern hatte wegen des schwächelnden Kalimarktes ab September zweimal seine Kaliproduktion gedrosselt und entsprechend auch seine Prognose für das Jahresergebnis 2019 reduziert.

Termine Unternehmen am 12. März

07:00 Uhr Deutschland: Fraport, Verkehrszahlen

07:00 Uhr Deutschland: K+S, Jahreszahlen + 10 h Bilanz-Pk

07:00 Uhr Deutschland: RWE, Jahreszahlen + 9 h Investorenkonferenz, 12 h Bilanz-Pk

10:00 Uhr Deutschland: Chemieverband VCI berichtet über die Branchenkonjunktur im 4. Quartal 2019, Frankfurt/M.

21:00 Uhr USA: Oracle Q3-Zahlen

21:15 Uhr USA: Slack Technologies, Q4-Zahlen

Termine Unternehmen ohne Zeitangabe

Deutschland: Akasol AG - Capital Market Day, Langen

Deutschland: SGL Group, Jahreszahlen

Italien: Tod's, Jahreszahlen

Italien: De Longhi, Jahreszahlen

Italien: Autogrill, Jahreszahlen

Italien: Leonardo, Jahreszahlen

USA: Adobe, Q1-Zahlen

USA: Broadcom, Inc., Q1-Zahlen

USA: Gap, Q4-Zahlen, San Francisco

Termine Konjunktur am 12. März

09:00 Uhr Deutschland: EZB-Ratssitzung mit Zinsentscheidung (13.45 h) + Pk 14.30 h

10:00 Uhr Deutschland: Institut für Weltwirtschaft (IfW) veröffentlicht Frühjahrs-Konjunkturprognose für Deutschland, den Euroraum und die Welt, Kiel

11:00 Uhr Europa: Industrieproduktion 01/20

13:30 Uhr USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)

13:30 Uhr USA: Verbraucherpreise 02/20

Sonstige Termine

09:00 Uhr Deutschland: BGH verkündet Urteil zur „WarnWetter-App” des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Karlsruhe

11:00 Uhr Deutschland: Konferenz „Digital X” zum Thema Unternehmen und Digitalisierung, Berlin

10:30 Uhr Deutschland: Jahres-Pk des Sparkassenverbandes Niedersachsen, Hannover

18:00 Uhr Deutschland: 4. Hessischer Bankentag, Frankfurt/M.

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