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Dax schließt 0,7 Prozent schwächer – Anleger nehmen Gewinne mit

·Lesedauer: 6 Min.

Seit Wochenanfang hatte der deutsche Leitindex eine wahrhaftige Rally hingelegt. Am Freitag gehen vor allem die exportabhängigen Autowerte in die Knie.

Im Blick der Anleger bleibt auch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt auch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Zum Wochenausklang gab es Gewinnmitnahmen an der Frankfurter Börse: Der Dax schließt 0,7 Prozent im Minus bei 12.480 Punkten.

Am gestrigen Donnerstag gewann der deutsche Leitindex bis zum Handelsschluss noch zwei Prozent und schloss beim Stand von 12.568 Punkten. Damit hat die Frankfurter Benchmark seit Freitag vergangener Woche eine exzellente Rally hingelegt: Innerhalb der vergangenen fünf Handelstage legte das Börsenbarometer acht Prozent zu und konnte damit das Minus der Vorwoche von 8,6 Prozent fast wettmachen. Noch am vergangenen Freitag lag der Dax zwischenzeitlich nur bei 11.450 Zählern.

Ist nun bereits der Startschuss für eine Jahresendrally gefallen? Das legt zumindest die technische Analyse nach den deutlichen Kursgewinnen nahe.

Doch für eine Rally-Fortsetzung müssen ausländische Investoren weiterhin deutsche Aktien kaufen, so wie es vermutlich am gestrigen Handelstag geschah. Der Anstieg des Euros im Verhältnis zum Greenback um zwischenzeitlich mehr als ein Prozent auf 1,1852 Dollar am Donnerstag zeigte, dass viel Kapital nach Europa geflossen ist. Dementsprechend dürfte in den kommenden Handelstagen der Euro-Kurs der entscheidende Indikator für die Dax-Kurve sein. Fällt der Euro, dürfte auch der Leitindex nachgeben.

Denn die heimischen Anlageprofis fallen für eine Rally-Fortsetzung aus: Sie haben schon gekauft. Laut den Daten der Terminbörse Eurex und der Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt haben die institutionellen Investoren ihr Anlageverhalten deutlich verändert. Vor der Wahl herrschte an der Eurex rekordverdächtiger Pessimismus, nach der Wahl erfolgte der plötzliche Schwenk zu sehr hohem Optimismus. Alle haben offenbar Angst, die Wahlrally zu verpassen. Solch ein großer Optimismus ist laut Sentimentanalyse ein Kontraindikator.

Die Werte der Profis liegen sowohl bei der Eurex als auch bei der Frankfurter Börsenumfrage auf einem ähnlich hohen Niveau wie zuletzt im November 2018. Damals hofften die Anlageprofis nach einem miserablen Börsenjahr auf eine Jahresendrally, die aber ausfiel. Der Dax rutschte im Dezember weitere acht Prozent ab.

Die Privatanleger hierzulande schauen offenbar unbeteiligt zu. Das entsprechende Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart zeigt, dass sie neutral positioniert sind und weder verstärkt auf steigende Kurse spekulieren, noch sich gegen fallende Notierungen absichern. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Die Umfrage der Börse Frankfurt hingegen signalisiert leichten Optimismus bei dieser Anlegergruppe. Einige Pessimisten der Vorwoche sind nun überzeugte Optimisten geworden.

Wenig Erhellendes kam am gestrigen Abend von der US-Notenbank Fed. Sie beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz am Donnerstag in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zugleich hielt Fed-Chef Jay Powell die Tür für neue Nothilfen in der Coronakrise offen.

Blick auf die Einzelwerte

Allianz: Deutschlands größter Versicherungskonzern hat den operativen Gewinn im dritten Quartal trotz der Turbulenzen durch die Corona-Pandemie fast stabil gehalten. Die Aktie hielt sich am Freitag deshalb in einem schwachen Marktumfeld gut und stieg um 0,92 Prozent. Mit 2,9 (2019: 3,0) Milliarden Euro lag der Gewinn knapp drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Den bisher ausgesetzten Aktienrückkauf stellt die Allianz endgültig ein. Damit verzichtet sie darauf, eigene Aktien für 750 Millionen Euro am Markt aufzukaufen.

Deutsche Telekom: Angehobene Gesamtjahresziele von T-Mobile verhalfen der Deutschen Telekom zu Kursgewinnen. Die Papiere legten 1,94 Prozent zu und waren damit größter Dax-Gewinner.

Bayer: Die Aktien des Pharmaunternehmens gaben am Freitag 2,4 Prozent nach. Bayer-Chef Werner Baumann sowie zwei weitere Spitzenmanager decken sich nach den jüngsten Kursrückgängen mit Aktien Unternehmens ein. Baumann und seine Frau Corinna erwarben den Angaben zufolge Titel im Gesamtwert von 2,45 Millionen Euro. Finanzchef Wolfgang Nickl und der für das Geschäft mit Gesundheitsprodukten zuständige Heiko Schipper kauften Papiere im Wert von 154.000 beziehungsweise 309.000 Euro.

Seit Ende September haben die Bayer-Aktien ein Fünftel an Wert eingebüßt, als der Leverkusener Konzern Milliardenabschreibungen im Agrargeschäft und einen Gewinnrückgang im kommenden Jahr ankündigte. Erst vor wenigen Tagen räumte Bayer zudem ein, dass der Glyphosat-Vergleich teurer werden könnte als gedacht.

Osram: Der angeschlagene Lichtkonzern schreibt weiter hohe Verluste, sieht aber erste Anzeichen einer Verbesserung. Die Aktie stieg 0,6 Prozent.

Der österreichische Sensorspezialist AMS hatte jüngst die Macht bei Osram übernommen, nachdem die außerordentliche Hauptversammlung des Münchener Traditionskonzerns dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Unternehmen aus der Steiermark zugestimmt hatte.

Rheinmetall: Anziehende Geschäfte in seiner Automobilsparte lassen den Rheinmetall-Konzern optimistischer auf das Jahr blicken. Der Düsseldorfer Konzern erwartet für 2020 nun ein positives operatives Ergebnis für die konjunkturabhängige Sparte. Zuvor hatte Rheinmetall noch einen Verlust nicht ausgeschlossen. Das Papier gab 3,17 Prozent nach.

Daimler: Autowerte waren am Freitag insgesamt sehr schwach im Einklang mit dem europäischen Sektor. Aktien von Daimler verbuchten einen Verlust von 2,51 Prozent und waren damit der heutige Verlierer im Dax. Auch die Aktien des Zulieferers Continental gaben 1,36 Prozent nach.

Bilfinger: Spekulationen auf eine Übernahme durch Finanzinvestoren bescherten Bilfinger den größten Kurssprung seit zwölf Jahren. Die Aktien des Industrie-Dienstleisters stiegen in der Spitze um 16 Prozent auf 20,02 Euro. Zum Handelsschluss betrug das Plus noch 10,78 Prozent.

Blick auf andere Assetklassen

Der Sturzflug der türkischen Währung ging am Freitag weiter. Im Gegenzug stieg der Euro zum ersten Mal auf einen Wert von über zehn Lira und liegt zum Handelsschluss bei 10,13 Lira. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs der türkischen Währung gegenüber der Gemeinschaftswährung halbiert.

Ein Grund könnte sein, dass in den USA der demokratische Kandidat Joe Biden vermutlich die Präsidentschaftswahl gewinnt. Er dürfte Prognosen zufolge einen härteren Kurs im Verhältnis zur Türkei einschlagen als Donald Trump.

Doch die Ursache für den Währungsverfall ist eine andere: Es ist die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der gegen ein „Teufelsdreieck“ aus Zinssätzen, Wechselkursen und Inflation wettert. Erdogan will niedrige Zinsen, obwohl die gängige ökonomische Lehre das Gegenteil verlangt. Solange sich das nicht ändert, dürfte der Verfall weitergehen.

Die Nettodevisenreserven der Zentralbank haben sich in diesem Jahr von 41,1 Milliarden Dollar Ende 2019 mehr als halbiert und erreichten im vergangenen Monat 16,8 Milliarden Dollar, den niedrigsten Stand seit 2004.

Was die Charttechnik sagt

Mit dem Sprung über die Marke von 12.200 Zählern hat sich das technische Bild am Aktienmarkt deutlich aufgehellt. Diese Marke war das untere Ende einer monatelangen Seitwärtsspanne, die Ende Oktober nach unten durchbrochen wurde. Nun notiert der Dax wieder in dieser Seitwärtsspanne, deren obere Marke bei rund 13.400 Zählern liegt.

Zudem gibt es bei rund 12.200 Zählern weitere wichtige Marken wie beispielsweise die 200-Tage-Linie, die von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notiert aktuell bei 12.070 Zählern und ist damit die wichtige quasi letzte Unterstützung, die halten muss.

Die Aufwärtskurslücke vom gestrigen Handelstag wurde heute schnell geschlossen. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt.

Konkret: 12.329 Punkte war der höchste Stand am Mittwoch (4. November), 12.398 Zähler der tiefste Kurs am Donnerstag (5. November). Diese Unterstützung war eine mögliche Stopp-Loss-Marke für strategische Investoren.

Das nächste Anlaufziel auf der Oberseite ist der gleitende Durchschnitt der vergangenen 50 Tage, der aktuell bei 12.743 Punkten liegt. Diese Linie ist ein Indikator für den mittelfristigen Trend.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.